! Da muß sich ' s Madl freilich was einbilden und muß glauben , sie kann treiben , was ihr taugt ! Du bist schuld , ja , du , wenn sich ' s Madl auf d ' leichte Seiten legt und unsern guten Nam in alle Mäuler bringt ! « » Jetzt sag ich dir aber , Wastl - « » Sei stad , Mutter ! « Lieserl stellte sich kampfbereit zwischen Vater und Mutter . » Jetzt muß ich selber fragen , was der Herr Vater eigentlich haben will von mir ? « » So ? « schrie Meister Zauner in die Stubenecke . » Was is denn nachher dös schon wieder mit dem jungen Stadtherrn , der im Seehof loschiert ? « » Mit wem ? « Lieserl zog die Brauen in die Höhe . » Ich weiß ja gar net , wen der Herr Vater meint ? « » So ? Was hast denn mit ihm am Berg droben gmacht ? « » Ich ? Am Berg droben ? Bsinnt sich der Herr Vater auf gar nix mehr ? Wer hat denn gsagt : Schau , Lieserl , vierzehn Tag bist bei der Arbeit gsessen , schnauf dich a bißl aus ! « » No ja , es is ja alles recht ! Aber muß man die sanitäre Rekerazion zu solchene Sachen benützen ? « » Solchene Sachen ? Was kann ich denn dafür , daß mir der junge Springer nachgstiegen is ? « » Was kann denn ' s Madl dafür ? « fiel die Zaunerin ein . » Sie hat halt ' s Gfrett mit die Mannsbilder . Hättst ihr an anders Gsicht verschafft . Wenn einer ' s Madl anschaut , gfallt ' s ihm halt . « Meister Zauner warf einen halb wütenden , halb scheuen Blick auf das appetitliche Figürchen seiner Tochter . Das Argument seines Weibes schien ihm einzuleuchten , und er brummte ein paar unverständliche Worte . » Und weil wir grad schon reden , « dozierte die Zaunerin , » für was is denn a Madl auf der Welt ? Die guten Heiraten tragt man heutigentags nimmer in der Butten umanand . Da muß sich a Madl umschauen . Wenn ' s dir nachging , könnt ' s Lieserl hinterm Ofen hocken und sitzenbleiben ! « » Sitzenbleiben ! « grollte Meister Zauner . » Deswegen braucht s ' net alle Tag a Gspusi anfangen , daß d ' Leut rebellisch werden . Und wenn ' s ihr ums Heiraten is - der Pointner-Andres nimmt ' s Madl auf der Stell ! « Lachend drückte Lieserl den Kopf in den Nacken und setzte sich zur Nähmaschine . Als Meister Zauner den Rücken seiner Tochter sah , wuchs ihm wieder der Zorn . Hinter Lieserls Stuhl mit dem Finger drohend , überschrie er das Geklapper der Maschine . » Du ! Lachen tust mir net über ' n Andres ! Dös is kein Mensch , mit dem man seine Spassetteln macht ! Jede andre wär in d ' Haut eini froh , wenn s ' den Andres kriegen könnt . « » Wenn ihn s ' Lieserl aber net mag ! « fuhr die Zaunerin dazwischen . » Net mögen ! An Anwesen , wie der Pointnerhof , der seine hunderttausend Markln wert is ? So was soll man net mögen ? Meinst net , es wär gscheiter , wenn dei ' Tochter die Bäuerin auf der Point droben heißt , als wenn d ' Leut von ihr sagen : ' s feine Lieserl ? Himmelkreuzteufel noch amal ! Da könnt einer aus der Haut fahren ! « Meister Zauner stapfte in seine Werkstatt hinaus und schmetterte hinter sich die Tür zu , daß unter den Tapeten der Mörtel bröselte . » Fein benimmt sich der Herr Vater ! « sprach Lieserl lächelnd auf den Hemdärmel nieder , den sie durch die Maschine gleiten ließ . Die Zaunerin beugte sich über die Schulter ihres hübschen Kindes und flüsterte mit Vorsicht : » Was den Andres betrifft , hat er net so unrecht , weißt . « » Jetzt erst recht net ! Grad mit Fleiß ! Jetzt leg ich alles drauf an , daß mir meine heimlichen Gedanken nausgehn ! Glück hab ich noch allweil ghabt . Und kommt ' s , wie ich denk - da wird ' s erst recht was z ' reden geben im Ort ! Da freu ich mich drauf ! « Unter vergnügtem Kichern beugte sich Lieserl über die Arbeit . Das Mutterherz der Zaunerin fieberte vor Neugier . » Schatzerl , wie kannst denn so zruckhalterisch sein vor der Mutter ! Hast doch kei ' bessere Freundin im Leben ! Geh , sag mir , was los is ? « Lieserl schüttelte das Köpfl , ließ die Maschine klappern und gab keine weitere Audienz . 12 Am folgenden Morgen mußte Tassilo , um Forbecks Geräte nach Schloß Hubertus bringen zu lassen , seinen Diener schicken , weil der alte Moser über Hals und Kopf zu schaffen hatte . Es war eine neue Wildsendung von der Jagdhütte eingetroffen - vier Gemsböcke und drei Kapitalhirsche - und da mußte Moser die Geweihe von den Schädeln sägen und die Verfrachtung des Wildbrets überwachen . Das war eine Arbeit , die den Alten noch heiterer stimmte als eine Begegnung mit dem » feinen Lieserl « . Laut rumorte er im Zwirchgewölbe umher , sang ein Schnaderhüpfl um das andere und hielt lachende Ansprachen an das tote Wild . Seine Stimme klang bis zu dem von Licht und Schatten überzitterten Rasen , auf welchem Kitty ihr Plätzchen wieder eingenommen hatte und Forbeck vor der Leinwand stand , während Tante Gundi mit dem Buch auf der Bank saß . Schon ein paarmal hatte Fräulein von Kleesberg unwillig nach der Richtung geblickt , in der das Wirtschaftsgebäude lag - sie fürchtete , daß die konfuse Dudelei des Alten den Künstler stören könnte . Doch Forbeck schien kein Ohr zu