daß es Ebba war . In der Politik ging inzwischen alles ruhig seinen Gang . Erst für Anfang Dezember war ein neuer Ansturm geplant , hinsichtlich dessen die Meinung der Prinzessin dahin lautete , daß für diesmal , und zwar aus Klugheit , dem Ansturme nachzugeben sei ; im selben Augenblicke , wo Hall gehe , werde das Land auch schon einsehen , was es an ihm gehabt habe . Dieser Ansicht schloß sich der prinzliche Hof natürlich an , und Holk war eben im Begriff , in eben diesem Sinne an Christine zu schreiben und ihr die staatsmännische Bedeutung Halls auseinanderzusetzen , als Pentz eintrat . » Nun , Pentz , was gibt mir so früh schon die Ehre ... « » Große Neuigkeit . « » Louis Napoleon tot ? « » Wichtiger . « » Nun , dann muß das Tivoli abgebrannt oder die Nielsen katarrhalisch affiziert sein . « » Es hält sich zwischen beiden : wir gehen morgen nach Frederiksborg . « » Wir ? wer sind wir ? « » Nun , die Prinzessin und alles , was ihr zugehört . « » Und morgen schon ? « » Ja . Die Prinzessin ist nicht für Halbheiten , und wenn sie etwas vorhat , so müssen Plan und Ausführung wo möglich zusammenfallen . Ich bekenne , daß ich lieber hiergeblieben wäre . Sie kennen Frederiksborg noch nicht , weil Sie sich als dänischer Kammerherr der Aufgabe , dänische Schlösser nicht kennenzulernen , mit einer merkwürdigen Nachhaltigkeit unterzogen haben . Und weil Sie Frederiksborg noch nicht kennen , so können Sie ' s drei Tage lang dort aushalten oder im Studium von allerlei Krimskrams , von Perückenbildern und Runensteinen , auch wohl drei Wochen lang . Denn es gibt manches derartige da zu sehen : einen Elfenbeinkamm von Thyra Danebod , einen Haarbüschel à la Chinoise von Gorm dem Alten und einen eigentümlich geformten Backzahn , in betreff dessen die Gelehrten sich streiten , ob er von König Harald Blauzahn oder von einem Eber der Alluvialperiode herstammt . Ich persönlich bin für das erstere . Denn was heißt Eber ? Eber ist eigentlich gar nichts , schon deshalb nicht , weil die historische Notiz im Katalog immer die Hauptsache bleibt und über einen Eber meistens nur sehr wenig , über einen halb sagenhaften Seekönig aber sehr viel zu sagen ist . Ich bin Ihres Interesses für derlei Dinge ziemlich sicher , und als Genealoge werden Sie die Haraldblauzahnschen Verwandtschaftsgrade zu Ragnar Lodbrock oder vielleicht sogar zu Rolf Krake feststellen können . Also für Sie , Holk , ist am Ende gesorgt . Aber was mich angeht , ich bin nun mal mehr für Lucile Grahn und für Vincent und , wenn es nicht anders sein kann , selbst für eine ganz alltägliche Harlekin-Pantomime . « » Glaub ' s « , lachte Holk . » Ja , Sie lachen , Holk . Aber wir sprechen uns wieder . Ich redete da vorhin was von drei Wochen ; nun ja , drei Wochen mögen gehen , aber sechs und richtig gerechnet beinah sieben - denn die Prinzessin schenkt einem keine Stunde und hat kein Fiduzit zum neuen Jahr , wenn sie das alte nicht in Frederiksborg zu Grabe geläutet hat - , sieben Wochen , sag ich , das ist mutmaßlich auch für Sie zuviel , trotzdem Pastor Schleppegrell ein Charakter und sein Schwager Doktor Bie eine komische Figur ist . Mißverstehen Sie mich übrigens nicht , ich weiß recht gut , was ein Charakter , und noch mehr , was eine komische Figur unter Umständen wert ist ; aber für sieben Wochen ist das alles zuwenig . Und wenn es nicht schneit , so regnet es , und wenn Regen und Schnee versagen , so stürmt es . Ich habe schon viele Windfahnen quietschen und viele Dachrinnen und Blitzableiter klappern hören , aber solch Geklapper wie in Frederiksborg gibt es nirgends mehr in der Welt . Und hat man Glück , so spukt es auch noch , und ist es keine tote Prinzessin , so ist es eine lebendige Kammerfrau oder eine Hofdame mit wasserblauen Stechaugen ... « » Ach , Pentz , daß Sie nichts sprechen können , ohne dem armen Fräulein einen Tort anzutun . Denn die Hofdame mit den Stechaugen , das soll doch natürlich die Rosenberg sein . Wären Sie nicht fünfundsechzig und wüßt ich nicht , daß Sie zu andern Göttern schwören , ich glaubte wahrhaftig , Sie wären in Ebba verliebt . « » Das überlasse ich andern . « » Erichsen ? « » Versteht sich , Erichsen . « Und er lachte herzlich . Tags darauf , gerad um die Mittagsstunde , hielten zwei Wagen vor dem Palais der Prinzessin , deren Dienerschaft mitsamt dem Gepäck schon eine Stunde vorher , und zwar unter Benutzung der nach Helsingör führenden Eisenbahn , aufgebrochen war . Man verteilte sich in den zwei Wagen wie damals auf der Rückfahrt von der Eremitage her , im ersten Wagen saß die Prinzessin mit der Schimmelmann und Ebba , im zweiten die drei Herren . Es war ein sonnenloser Tag , und graue mächtige Wolkenmassen zogen am Himmel hin . Aber der Ton , den diese Wolkenmassen der Landschaft gaben , ließ den Reiz derselben nur um so größer erscheinen , und als man den Fure-See , der etwa halber Weg war , an seinem Ufer hin passierte , hob sich Ebba von ihrem Sitz und konnte sich nicht satt sehen an der stahlfarbenen leisgekräuselten Fläche , die die drüberhin fliegenden Möwen mit ihren Flügeln fast berührten . Das Ufer stand in dichtem und weit in den See hineinwachsendem Schilf , und nur dann und wann kamen Weiden , deren blätterlose Zweige bis tief herab hingen . An der andern Seite des Sees aber zog sich ein dunkler Waldstrich , drüber ein Kirchturm aufragte . Dazu tiefe Stille , nur unterbrochen , wenn aus dem Walde ein vereinzelter Schuß fiel oder das Gerassel