, welche beredter als alle Worte sagten : Ich hab ' Dich lieb und muß Dich lassen . Dazwischen fiel auch wieder ein hoffnungsvolles Wort : » Wenn Du wiederkommst « ... Es war ja möglich ... es kommen ja so viele heim . Doch sonderbar ! ich wiederholte : » Wenn Du wiederkommst « und bemühte mich , mir das Entzückende dieser Eventualität vorzustellen , aber vergebens : meine Einbildungskraft vermochte kein anderes Bild zu schaffen , als des Gatten Leiche auf der Wahlstatt oder mich selber auf der Bahre mit einem toten Kind im Arm ... Friedrich war von ähnlichen trüben Vermutungen erfüllt ; denn sein » Wenn ich wiederkomme « klang nicht aufrichtig , und häufiger sprach er von dem , was geschehen sollte , » wenn ich bleibe « . » Heirate kein drittes Mal , Martha ! Verwische nicht durch neue Liebeseindrücke die Erinnerungen dieses herrlichen Jahres ... nicht wahr , es ist eine glückliche Zeit gewesen ? « Wir ließen nun hundert kleine Einzelheiten , welche von unserer ersten Begegnung bis zu dieser Stunde sich uns eingeprägt hatten , an unserem Gedächtnis vorüberziehen . » Und mein Kleines , mein armes Kleines , das ich wohl nie an mein Herz drücken werde - wie soll es getauft werden ? » Friedrich oder Friederike . « » Nein - Martha ist schöner . Wenn es ein Mädchen ist , so nenne ich es mit dem Namen , den sein sterbender Vater zuletzt - « » Friedrich - warum sprichst Du immer vom Sterben ? Wenn Du wiederkommst ... « » Wenn ... « wiederholte er . Als der Tag zu grauen begann , fielen mir die thränenmüden Augen zu . Ein leichter Schlummer senkte sich auf uns beide ; mit verschlungenen Armen lagen wir da , ohne das Bewußtsein zu verlieren , daß dies unsere Scheidestunde war . Plötzlich fuhr ich auf und brach in lautes Stöhnen aus . Friedrich erhob sich rasch : » Um Gotteswillen , Martha , was ist Dir ? ... Doch nicht ? ... So sprich ... Etwa ? ... Ich nickte bejahend . War es ein Schrei , oder ein Fluch , oder ein Stoßgebet , das sich seinen Lippen entrang ? Er riß die Glocke und gab Alarm : » Augenblicklich zum Arzt , zur Wärterin ! « rief er der herbeigeeilten Dienerin zu . Dann warf er sich an meine Seite knieend nieder und küßte meine herabhängende Hand : » Mein Weib , mein alles ! ... Und jetzt - jetzt muß ich fort ! « Ich konnte nicht sprechen . Der heftigste physische Schmerz , den man sich vorstellen kann , wand und krümmte meinen Leib und dabei war das Seelenweh doch noch entsetzlicher , daß er » jetzt , jetzt fort mußte « und daß er darüber so unglücklich war ... Bald kamen die Gerufenen herbei und machten sich um mich zu schaffen . Zu gleicher Zeit mußte Friedrich die letzte Vorbereitung zum Abmarsch treffen . Nachdem er damit fertig geworden : » Doktor , Doktor , « rief er , den Arzt bei beiden Händen fassend , » nicht wahr - Sie versprechen mir - Sie bringen sie durch ? Und Sie telegraphieren mir heute noch dort- und dahin ? Er nannte die Stationen , welche er auf der Reise berühren sollte . » Und wenn eine Gefahr wäre ... Ach , was hilft ' s ? unterbrach er sich selber - » wenn auch die Gefahr die äußerste wäre , könnte ich denn zurück ? « » Es ist hart , Herr Baron , « bestätigte der Arzt . » Aber seien Sie unbesorgt - die Patientin ist jung und kräftig ... heut ' abend ist alles überstanden und Sie erhalten beruhigende Depeschen . « » Ja , Sie werden mir auf jeden Fall günstig berichten , da ja das Gegenteil nichts nützen könnte ... Ich will aber die Wahrheit ! Hören Sie , Doktor , ich verlange Ihren heiligsten Ehreneid darauf : die ganze Wahrheit ! Nur unter dieser Voraussetzung kann eine beruhigende Nachricht mich wirklich beruhigen - sonst halte ich alles für Lüge . Also schwören Sie . « Der Arzt leistete das verlangte Versprechen . » O , mein armer , armer Mann « - schnitt es mir durch die Seele . - » Wie , wenn du heute noch die Nachricht erhältst , deine Martha liege im Sterben und darfst nicht umkehren , ihr die Augen zuzudrücken ... Du hast wichtigeres zu thun : es gilt des Augustenburgers Thronansprüche . - Friedrich ! « rief ich laut . Er flog an meine Seite . Im selben Augenblick schlug die Uhr . Wir hatten nur noch ein paar Minuten Zeit . Aber auch um diese letzte Frist wurden wir betrogen , denn wieder erfaßte mich ein Anfall , und statt der Abschiedsworte konnte ich nur Schmerzenslaute ausstoßen . » Gehen Sie , Herr Baron , brechen Sie diesen Auftritt ab , « sagte der Arzt . » Solche Erregung ist für die Kranke gefährlich . « Noch ein Kuß und er stürzte hinaus ... mein Wimmern und des Doktors letztes nachklingendes Wort » gefährlich « gaben ihm das Geleite . In welcher Stimmung mag er wohl geschieden sein ? Darüber gab das Olmützer Lokalblättchen am nächsten Tage Bescheid : Gestern verließ das -te Regiment unter klingendem Spiel und mit flatternden Fahnen unsere Stadt , um sich in dem meerumschlungenen Bruderlanden grüne Lorbeeren zu holen . Helle Begeisterung erfüllte die Reihen , man sah den Leuten die Kampfesfreude aus den Augen leuchten u.s.w. , u.s.w. ... Friedrich hatte vor seiner Abreise noch an Tante Marie telegraphiert , daß ich ihrer Pflege bedürfe , und sie kam einige Stunden später bei mir an . Sie fand mich bewußtlos und in großer Gefahr . Mehrere Wochen schwebte ich zwischen Leben und Tod . Mein Kind war am Tage seiner Geburt gestorben . Der moralische Schmerz , den mir der Abschied von dem geliebten