, Flammenglut deckte ihr Antlitz . Aber er war unbefangen heiter wie immer . Und unter der Dienerschaft des Hauses war großes Erstaunen : Frau Förster gab verkehrte Befehle ! Frau Förster vergaß oft , was sie vor einer Viertelstunde angeordnet ! Wenn man sie anredete , fuhr sie erschreckt auf ! Und sie ritt allein bei regnerischem Windwetter aus ! Und die Pastorsleute waren neulich abgewiesen worden - zum ersten , unerhört Aufsehen erregenden mal - weil Frau Förster Kopfweh habe ! Was bedeutete das ? » Was bedeutet das ? « fragte sich auch Severina , als Fanny beim Vorlesen nicht mehr malen konnte , überhaupt nicht mehr stillsitzen zu können schien . Was bedeutete das , daß Fanny sie nicht immer aufforderte : » Komm morgen wieder ! « War das Gedankenlosigkeit ? Und warum dann diese Gedankenlosigkeit ? Was beschäftigte sie so ganz ? Oder wollte sie Severina nicht mehr so oft mit Joachim zusammenkommen lassen ? Hatte sie das heimliche Verlöbnis entdeckt und billigte es nicht ? Aber dann entsprach es Fannys Art , dies offen zu sagen und Severina sowie Joachim eine Vernunftrede zu halten . Was bedeutete das also ? Mit dem Instinkt des liebenden Weibes , das im tiefsten Herzen weiß , der Geliebte sei kein Fels , sondern ein unergründliches Meer mit veränderlichem Wogenschlag , mit dem Instinkt , der sich an der Sorge schärft , fühlte Severina plötzlich , daß es bedeuten könne , Fanny liebe Joachim . Sie hatte nicht die Klugheit Lanzenaus , der sich gesagt , » daran rühren , heißt Flammen schüren « ; sie hatte die eifersüchtige Todesangst ihrer Jugend und ihres Temperaments . » Joachim , « sagte sie eines Tages , als sie sich in Adriennens Wohnzimmer befanden , während die junge Frau nebenan das schreiende Kind besänftigte , » Joachim , merkst Du nicht , daß Fanny ganz verändert ist ? « » Wieso verändert ? « » Nun , sie wird immer dunkelrot , wenn Du eintrittst . « In diesem Augenblick kam Adrienne herein , holte aus einem Schrank ein frisches Kleidchen und sprach dabei von den Schmerzen , die der arme Schelm von den Zähnen habe . Währenddessen standen die beiden mit pochendem Herzen am Fenster . Severina fühlte ihres bis zum Halse hinauf schlagen . Was wird Joachim antworten ? Hat er es auch schon bemerkt ? Hat es Eindruck gemacht ? Die Eifersucht , die immer ihre Schläge zurückführt gegen diejenigen , welche sie auszuteilen meinen , hatte Severina zu einer fürchterlichen Unvorsichtigkeit fortgerissen , von deren Tragweite freilich in diesem Augenblick nichts zu spüren war . Kaum hatte Adrienne das Zimmer wieder verlassen , so wiederholte Severina ihre Frage : » Nun - hast Du nichts bemerkt ? « Joachim schwieg noch einen Herzschlag lang . » Ach - Unsinn ! « sagte er dann mit einem fast ärgerlichen Gesicht . Wenn man einen Funken vor sich niederfallen sieht , erschrickt man immer . Von dieser Stunde an bemerkte auch Joachim , daß Fanny sich ganz verändert habe . Die natürlichste Rückwirkung dieser Veränderung war , daß Joachim etwas Unfreies bekam . Wie sollte ihn die Frage nicht beschäftigen , weshalb Fanny zuweilen bei seinem Eintritt erglühte , und wie sollte das Grübeln darüber ihn nicht verhindern , mit Severina den alten Ton einer Zärtlichkeit anzuschlagen , die alle Gedanken ausschließlich auf die Eine , Geliebte gerichtet gehalten . Mit steigender Unruhe bemerkte Severina eine ganz neue Zerstreutheit an ihm , sah auch , daß er beflissener um Fanny war als vordem . Anstatt die Neugier in seiner jungen und ungefesteten Seele unberührt zu lassen , - denn eine natürliche , von Eitelkeit und von Verehrung für Fanny gesteigerte Neugier war es , die Joachim zunächst erfaßt hatte - anstatt also die unberührt zu lassen , beging sie die Thorheit , Joachim durch Vorwürfe und Fragen zu beunruhigen , ja , ihn geradezu zu verstimmen . Es gab kleine Scenen zwischen den heimlich Verlobten , die Joachim anfangs dadurch zu beendigen suchte , daß er heftig erklärte , wenn Fanny ihm denn ein wärmeres Interesse schenke , habe er nur dankbar dafür zu sein und es durch erhöhte Verehrung zu vergelten . Später aber ging er von der Heftigkeit , mit der er das Recht der Neigung und ehrfurchtsvollen Gegenneigung zu beweisen suchte , zu der schroffen Behauptung über , alles bestände nur in Severinas Einbildung , Fanny sei gar nicht verändert . Und eben in dem Maße , wie diese Veränderung offenbarer wurde , bestritt er sie mehr und mehr . Und Joachim , ohne sich dessen bewußt zu sein , halb aus Trotz gegen Severina , halb aus noch unerkanntem Verlangen , Fannys aufleuchtendes Auge zu sehen , fing an , alle seine Zeit Fanny zu widmen , und das war im November so ziemlich der ganze Tag . Fannys Wesen war in dieser Zeit von dem Sonnenschein eines unaussprechlichen Glückes durchglüht . Die Gewißheit , daß sie geliebt werde , ward ihr nie erschüttert . Sie war zu sehr mit sich selbst beschäftigt , um Severinas bleiche Wangen und unruhige Augen zu bemerken . So kam der Tag heran , an dem Fanny und Joachim nach der Taißburg fahren sollten . Ein Tag , an den Severina mit allen Qualen eines eifersüchtigen Herzens dachte , denn dann würden Joachim und Fanny allein viele Stunden im Wagen zusammensitzen , und Adrienne wollte durchaus nicht mit . » Mir ist nicht nach Festen ums Herz . Wenn ich erst einen Brief von Arnold habe , finde ich vielleicht die innere Freiheit , heiter zu sein . Laßt mich still bei meinem Kinde , « bat sie , und dagegen etwas zu sagen , wäre Fanny die letzte gewesen . Severina mußte für die wenigen Nächte im Herrenhause schlafen ; der Pastor und seine Frau sollten am Tage bei den einsamen Frauen sein . So glaubte Fanny alles auf das beste bestellt zu haben . Zwei