, wo Herr von St. Arnaud zurück- und Frau von St. Arnaud in den Vordergrund tritt . Was lag vor , daß das Offiziercorps gegen seinen eigenen Obersten Front machen mußte ? Cécile war eine Dame von zweifelhaftem oder , um milder und rücksichtsvoller zu sprechen , von eigenartigem Ruf . Als sie kaum siebzehn war , sah sie der alte Fürst von Welfen-Echingen und ernannte sie bald danach , und zwar nach wenig schwierigen Verhandlungen mit Frau von Zacha , zur Vorleserin seiner Gemahlin , der Fürstin . Die Fürstin war an derartige Ernennungen gewöhnt , erhob also keinen Widerspruch . So kam Cécile nach Schloß Cyrillenort , lebte sich ein , begleitete das fürstliche Paar auf seinen Reisen , war mit demselben in der Schweiz und Italien , las am Teetisch vor ( aber selten ) und blieb im Schloß , als die alte Fürstin gestorben war . Nicht sehr viel später schied auch der Fürst selbst aus dieser Zeitlichkeit und hinterließ dem schönen Tee-Fräulein ein oberschlesisches Gut , zugleich mit der Bestimmung , daß es ihr freistehen solle , Schloß Cyrillenort noch ein Jahr lang zu bewohnen . Es lag dem schönen Fräulein aber fern , aus diesem ihr bewilligten Witwenjahr irgendwelchen Nutzen ziehen oder sich überhaupt unbequem machen zu wollen , und erst als Prinz Bernhard , der Neffe , zugleich Erbe des verstorbenen Fürsten , auch seinerseits den Wunsch äußerte , daß sie Schloß Cyrillenort nicht verlassen möge , gab sie diesem Wunsche nach und blieb . Prinz Bernhard kam von Zeit zu Zeit zu Besuch , dann öfter und öfter , und als das Trauerjahr um war , zog er von Schloß Beauregard , das er bis dahin bewohnt hatte , nach dem Hauptsitz und Stammschloß der Familie hinüber . Sonst blieb alles beim alten ; nichts änderte sich , auch nicht in den Ausflügen und Reisen , die nur weiter gingen und bis Algier und Madeira hin ausgedehnt wurden . Denn wenn der alte Fürst alt gewesen war , so war der junge krank . Er starb schon das Jahr darauf , und man erwartete nunmehr allgemein , daß die schöne Cécile dem von ihr protegierten Kammerherrn von Schluckmann ( der , nach Ableben des alten Fürsten , als Hofmarschall in die Dienste des jungen eingetreten war ) die Hand zum Bunde , zum Ehebunde , reichen würde . Dieser Schritt unterblieb aber , aus Gründen , die nur gemutmaßt werden , und die schöne Frau kehrte jetzt , wie sie ' s schon unmittelbar nach dem Tode des alten Fürsten beabsichtigt hatte , zu Mutter und Geschwistern zurück , von denen sie sich mit Jubel empfangen sah . Eine verhältnismäßig glänzende Wohnung wurde genommen , und in dieser Wohnung war es , daß St. Arnaud , zwei Jahre später , die still und zurückgezogen lebende Cécile ( damals noch katholisch ) kennenlernte . Sie soll inzwischen übergetreten sein ; einer Euerer beliebtesten Hofprediger wird dabei genannt . Da hast Du die St.-Arnaud-Geschichte , hinsichtlich deren ich Dich nur noch herzlich und inständig bitten möchte , von Deiner durchgängerischen Gewohnheit ausnahmsweise mal ablassen und das Kind nicht gleich mit dem Bade verschütten zu wollen . Als Leslie-Gordon kennst Du natürlich Deinen Schiller und wälzt hoffentlich mit ihm , als ob es sich um Wallenstein in Person handele , die größere Schuldhälfte den unglückseligen Gestirnen zu . Wirklich , mein Lieber , an solchen unglückseligen Gestirnen hat es im Leben dieser schönen Frau nicht gefehlt . Ihre frühesten Jugendjahre haben alles an ihr versäumt , und wenn es auch nicht unglückliche Jahre waren ( vielleicht im Gegenteil ) , so waren es doch nicht Jahre , die feste Fundamente legen und Grundsätze befestigen konnten . Eva Lewinski , die , wie Du Dich vielleicht entsinnst , lange bei den Hohenlohes in Oberschlesien war und ihre Kinderjahre mit Cécile verlebt hat , hat mir versprochen , alles aufzuschreiben , was sie von jener Zeit her weiß . Ich schließe diesen Brief erst , wenn ich Evas Zeilen habe ... Diesen Augenblick kommen sie . Lebe wohl . Elsy ist in Görlitz bei der Großtante , daher kein Gruß von ihr . In herzlicher Liebe Deine Clothilde « Zweiundzwanzigstes Kapitel Gordon war in der höchsten Erregung . Einzelnes , was er in der Charlottenburger Villa , gleich nach seinem Eintreffen in Berlin , und dann gestern wieder aus dem Munde des alten Generals gehört hatte , hatte freilich nicht viel Gutes in Sicht gestellt , aber dieser Schlag ging doch über das Erwartete hinaus . Fürstengeliebte , Favoritin in duplo , Erbschaftsstück von Onkel auf Neffe ! Und dazwischen der Kammerherr - ein Schatten , der sich schließlich gesträubt hatte , sich zum Ehemann zu verdichten . Er warf den Brief fort und erhob sich , um in hastigen Schritten im Zimmer auf und ab zu gehen . Dann aber trat er an das zweite , bis dahin geschlossene Fenster und riß auch hier beide Flügel auf , denn es war ihm , als ob er ersticken solle . Der eingelegte Zettel von Eva Lewinski ( nur ein halber , eng bekritzelter Briefbogen ) war auf den Teppich gefallen . Er nahm ihn jetzt wieder auf und sagte : » Besser alles in einem . Lieber die ganze Dosis auf einmal als tropfenweis . Und wer weiß , vielleicht ist auch etwas von Trost und Linderung darin . « Und er setzte sich wieder und las . » An alles andre , meine liebe Clothilde , hätt ich eher gedacht als daran , daß ich noch einmal in die Lage kommen könnte , von der Familie Zacha zu plaudern . Und zu Dir ! Nun , wir waren Nachbarn , und solange der alte Zacha lebte , der übrigens nicht alt war , ein mittlerer Vierziger , ging es hoch her . Er war ein Betriebsdirektor bei den Hohenlohes , verstand nichts und tat nichts ( was noch ein Glück war ) , gab aber die