langen , stellenweise mißfärbigen Zähnen fletschten , selbst die glänzenden dunklen Augen machten keinen gewinnenden Eindruck , da er sie beständig rollte ; mochte er auch durch dieses unvorteilhafte Äußere gegen mancherlei Anfechtungen gefeit sein , so förderte ihn dasselbe durchaus nicht in seinem Berufe und gab erst vor kurzem den Anlaß , daß er in der benachbarten Diözese , wo er in einem größeren Pfarrsprengel wirkte , das Opfer eines unverzeihlichen Mißgriffes geworden war . Ein Gutsbesitzer fühlte sich sterbenskrank . Für den Mann blieb sonst die Kirche , wo sie war , nämlich zwei Stunden Weges seitab seiner Straße ; aber nun gab er dem Andringen seiner Verwandten und Freunde nach und wollte sich , » der Leute wegen « , die » letzten Tröstungen « gefallen lassen . Es wurde also nach der Pfarre geschickt , und dort dachte man , es sei ganz gleichgültig , wen man abordne ; war der berüchtigte Freigeist unbußfertig , dann kam ihm keiner recht , und wollte er sich wahrhaft bekehren , so war dazu jeder gut ; es wurde daher ohne weiters der Kaplan Sederl samt dem Kirchendiener in die Kutsche gepackt und an Ort und Stelle spediert . Als der junge Mann allein an dem Sterbelager saß und sich mühte , dem flachen Gesichte einen salbungsvollen , auferbaulichen Ausdruck zu geben , als er das große Maul öffnete und in einem erschrecklichen Deutsch zu sprechen begann , jeden einzelnen Vokal wie einen Doppellaut dehnend und mit Weiche und Härte der Mitlaute ein bedenkliches Wechselspiel treibend , da geriet der Kranke in eine so ausgelassene Heiterkeit , daß der Kaplan bestürzt und entrüstet die Flucht ergriff . Wenige Tage darnach war der Gutsbesitzer auf dem Wege der Besserung , aber in der Pfarrei vermochte man sich dieses medizinischen Erfolges auf Kosten des theologischen nicht zu erfreuen , und man wäre den im Grunde ganz unschuldigen Martin Sederl gerne losgeworden , hätte man nur gewußt , wohin mit ihm ; im Konsistorium , wo die Eingaben der beiden Pfarrämter zusammentrafen , ward die eine durch die andere erledigt , und so kam der hochwürdige Herr Kaplan , schneller als er und andere es dachten , nach Zwischenbühel . Da saß er nun in der dumpfigen Kanzleistube an dem verstaubten Amtstische und las , da er sich vor Langweile nicht auswußte , die Eintragungen in den Kirchenbüchern , was ihn allerdings längere Zeit beschäftigen konnte , da selbe hundertfünfzig Jahre zurückreichten . Fliegen umschwärmten ihn , und wenn sich eine oder mehrere auf seinem Kopfe tummelten und in dem steifen Haar verwirrten , so schlug er mit der flachen Hand darnach ; einem Statistiker würde es nicht schwergefallen sein , durch Ermittlung der Ziffer des Prozentsatzes der Getöteten einem Gesetze auf die Spur zu kommen , das , im Hinblick darauf , daß meist nur die verbuhlten Individuen der Gattung diesem Verderben sich aussetzten und ihm anheimfielen , einer sittlichen Basis nicht ermangelt hätte ; aber der Kaplan hielt wenig von den Wissenschaften , von der Statistik das allerwenigste , die Geschicke der Menschen standen ja in Gottes Hand , und erschlagene Fliegen zählt man höchstens , wenn es eine Wette gilt , wer mehr erschlüge . Er hob eben wieder die Hand , ließ sie aber auf halbem Wege sinken , denn im Flur wurden hastig schlurfende Schritte laut , die Türe öffnete sich , und der Pfarrer schoß herein in die Stube . » Guten Morgen ! Guten Morgen ! « rief er dem sich erhebenden Kaplan zu . » Bleiben S ' sitzen , bleiben S ' sitzen , lieber Sederl ! Schau einmal « - er nahm das lange Rohr seiner Pfeife aus dem Munde und deutete mit der Federspule nach den auf dem Boden liegenden Fliegen - , » Sie sein ja so ein arger Fliegentöter , wie der römische Kaiser Domitianus , von dem ein Höfling einm , der a Audienz unter vier Augen wollt , gsagt hat , der wär allein , nit amal a Fliegn bei ihm . « » So weit hab ich es noch nit gebracht « , meinte der Kaplan , und wenn er sprach , wie ihm der Schnabel gewachsen , so klang das ganz erträglich . » Seine römische Majestät hat sie wohl bei geschlossenen Fenstern erschlagen . « » Hm « , der Pfarrer schüttelte den Kopf , » weiß nit , Fensterscheiben hat ' s damal noch nit gegeben , Fliegengatter vielleicht - « » Er hat s ' wohl mehr im Griff gehabt . « » So wird ' s sein « , lachte der alte Herr , schulterte sein Pfeifenrohr und drückte die Asche im Tonkopfe mit dem Daumen zusammen , dann sog er an der Spitze , um zu erproben , ob noch ein Stäubchen glimme ; es bekam ihm übel , verkohltes Gekrümel flog ihm in den Mund , er eilte zum Spucknapf und sprudelte und spuckte . » Kreuzdividomini « , schimpfte er , » daß ich allweil vergeß , daß aus aus ist . « Er klopfte mit der Pfeife so energisch gegen das Fensterbrett , daß die Tonscherben hinaus ins Freie sprangen . » Oh , Sakra hnein , jetzt is s ' hin auch noch ! « Der Kaplan lehnte sich mit einem überlegenen Lächeln in seinem Stuhl zurück und begann - vermutlich wähnte er , der Geist sei über ihn gekommen - in fremder Zunge zu reden : » Här Bfarrer , Sie zaigen da eihnen so hibschen Zoornesaifer , deer auhf gresere Dünge ankewahndt ... « Der Pfarrer drehte sich auf dem Absatze nach dem Sprecher um . Er kniff die Augen zusammen , als wolle er sich seinen Mann genauer betrachten . » Sein S ' gscheit ? Sie werdn doch mir kein Predigt halten wolln , Herr Sederl ? Wo wolln S ' denn hnaus damit ? « Sederl vermied das ihm abträgliche Hochdeutsch , als er fortfuhr : » Nehmen S ' '