geschoben , indem er einen Teil der Wohnung herausgebrochen , daß sich beide Elemente , das junkerhafte und das bäuerliche , verschmolzen und durch wunderliche Türen und Durchgänge verbanden . Aus einem mit Jagden bemalten und mit alten theologischen Werken versehenen Zimmer sah man sich , wenn man eine Tapetentür öffnete , plötzlich auf den Heuboden versetzt . Unter dem Dache fand ich eine kleine Mansarde , deren Wände mit alten Hirschfängern und Galanteriedegen sowie mit unbrauchbarem Schießgewehr bedeckt waren ; eine lange spanische Klinge mit trefflich gearbeitetem stählernen Griffe war ein Prachtstück und mochte schon seltsame Tage gesehen haben . Ein paar Folianten lagen bestäubt in der Ecke ; in der Mitte des Zimmers stand ein mit Leder bezogener zerfetzter Lehnstuhl , so daß nur der Don Quixote fehlte , um das Ganze zu einem Bilde zu machen . Übrigens setzte ich mich behaglich hinein und dachte an den guten Herrn , dessen Geschichte ich einst aus dem Französischen des Mr. Florian übersetzt hatte . Ich hörte ein seltsames Geräusch , Gurren und Krabbeln an der Wand , schlug einen hölzernen Schieber zurück und steckte den Kopf hindurch in den heißen Taubenschlag , welcher alsobald in solchen Alarm geriet , daß ich mich zurückziehen mußte . Ferner entdeckte ich die Schlafzimmer der Töchter , stille Gelasse mit grünen Fenstergärtchen und überdies von treuen Baumwipfeln bewacht , mit geretteten Stücken blumiger Tapeten bekleidet , wo die Rokokospiegel des ehemaligen Herrensitzes eine ehrenvolle Zuflucht im Alter gefunden hatten ; so auch die große Kammer der Söhne , welche mit den Spuren einiger nicht zu tiefen Studien und den Werkzeugen des ländlichen Müßigganges , mit Angelzeug und Vogelgarnen , verziert war . Gegen Osten sahen die Fenster des Hauses in das Wirrsal von Obstbäumen und Dachgiebeln des Dorfes , aus welchem der erhöhte Kirchhof mit der weißen Kirche wie eine geistliche Festung emporragte ; nach der Abendseite schaute die hohe lange Fensterflucht des Saales über ein sattgrünes Wiesental , durch welches sich der Fluß in vielen Armen und Windungen buchstäblich silbern schlängelte , da er höchstens zwei Fuß tief war und wie Brunnenwasser in lebendigen heftigen Wellen über weißes Geschiebe floß . Jenseits dieses Wiesengrundes stieg eine waldige Berghalde auf , an welcher alle Laubarten durcheinanderwogten , von grauen Felswänden und Kuppen unterbrochen . Die untergehende Sonne aber hatte einen freien Ausgang über fernere Blauberge und übergoß das Tal alle Abend mit Glut , daß man an den Fenstern des Saales im Roten saß , ja die Röte drang durch diesen hin , wenn seine Türen geöffnet , ins Innere des Hauses und überzog Gänge und Wände . Gemüse- und Blumengärten , vernachlässigte Zwischenräume , Holunderbüsche und eingefaßte Quellen , alles von Bäumen überschattet , bildeten eine reizende Wildnis weit herum und dehnten sich noch mittelst einer kleinen Brücke über das Wasser hinaus . Die etwas weiter oben liegende Mühle aber gab sich nur durch das Geräusch und durch das Blitzen und Stäuben des Rades kund , welches unter den Bäumen durchleuchtete . Das Ganze war eine Verschmelzung von Pfarrei , Bauernhof , Villa und Jägerhaus , und mein Herz jubelte , als ich alles entdeckte und übersah , umgaukelt von der geflügelten und vierfüßigen Tierwelt . Hier war überall Farbe und Glanz , Bewegung , Leben und Glück , reichlich , ungemessen , dazu Freiheit und Überfluß , Scherz und Wohlwollen . Der erste Gedanke war eine freie ungebundene Tätigkeit . Ich eilte auf mein Zimmer , welches auch nach der Abendseite lag , und begann meine indessen angekommenen Sachen auszupacken , meine Schultücher und abgebrochenen Hefte , welche ich so gut möglich noch zu pflegen gedachte , vorzüglich aber einen ansehnlichen Vorrat von Papier verschiedener Art , Federn , Bleistifte und Farben , vermittelst deren ich schreiben , zeichnen , malen wollte , weiß Gott was alles ! In diesem Augenblicke wandelte sich der bisherige Spieltrieb in eine ganz neuartige Lust zu Schaffen und Arbeit , zu bewußtem Gestalten und Hervorbringen um . Mehr als alles vorhergehende Ungemach weckte dieser eine , so einfache und doch so reiche Tag den ersten Schein der Klarheit , die Morgendämmerung der reiferen Jugend in mir auf . Als ich meine bisher übermalten Streifen und Bogen auf dem großen Bette ausbreitete , daß es mit wunderlich bunter Decke bezogen war , fühlte ich mich mit einem Male über diese Dinge hinausgerückt und mit dem Bedürfnis auch den Willen , sogleich einen Fortschritt aus mir selbst hervorzuzwingen . Mein Oheim trat , von einer Aufsichtswanderung zurückgekehrt , zu mir herein und sah mich mit Verwunderung von meinem Krame umgeben . Die kindliche Renommisterei und Keckheit meiner Machwerke , die marktschreierischen Farben imponierten seinem ungeübten Auge , und er rief : » Ei , du bist ja ein ganzer Maler , Herr Neveu ! Das ist nun recht ; da hast du ja auch eine Menge Papier und Farben ? Gut ! Was hast du hier für Sachen , wo hast du sie hergenommen ? « Ich erwiderte , daß ich alles aus dem Kopfe gemacht hätte . » Ich will dir nun andere Aufgaben stellen « , sagte er , » du sollst nun unser Hofmaler sein ! Gleich morgen sollst du versuchen , unser Haus zu zeichnen mit Gärten und Bäumen , und alles genau nachbilden ! Auch kann ich dir manchen schönen Punkt in unserer Gegend zeigen , wo du interessante Prospekte aufnehmen magst ; das wird dich üben und dir nützlich sein . Ich wollte selbst , ich hätte dergleichen geübt . Halt , ich kann dir einige hübsche Sachen zeigen , welche von einem Herrn herrühren , der vor vielen Jahren oft bei uns zu Gast war , als wir immer Besuch aus der Stadt hatten . Er malte zu seinem Vergnügen in Öl , in Wasserfarben und stach in Kupfer oder radierte , wie er es nannte , und war geschickt , trotz einem Künstler ! « Er holte eine alte Mappe herbei , welche mit einer ansehnlichen Schnur umwickelt