Schildern war hart wie Eisen , so hart , daß Robert auch nicht die geringste Spur seiner ersten Pistolenkugel finden konnte . Die Zunge fand er , nachdem er mit dem Beil das Maul geöffnet hatte , ihrer ganzen Länge nach festgewachsen , Ohren und Nasenlöcher hatten verschließbare Klappen . Am Unterkiefer saßen Drüsen , die einen durchdringenden , moschusartigen Geruch ausströmten . Robert trennte sich nur ungern von der Hoffnung , irgendein Andenken mit nach Hause nehmen zu können , aber er mußte doch endlich den Gedanken aufgeben und den Weg zu seiner Niederlassung antreten . Nachdem er noch einen ziemlich großen Vogel erlegt hatte , kehrte er durch das taufrische , köstlich duftende Holz ohne Zwischenfälle zu seiner Behausung zurück . Aber wie war sein Anzug zerfetzt und zerrissen , wieviel Flecke hatte er bekommen ! Robert seufzte , als er sich auf sein Lager streckte und jedes Stück einzeln untersuchte . Endlich schüttelte er den Kopf . Auch wenn er Nadel und Faden gehabt hätte , so wäre hier alle Schneiderkunst vergeblich gewesen , aber dennoch mußte er der Moskitos wegen heiles Zeug haben . Zwar befand sich genug Segeltuch unter den mitgebrachten Sachen , aber keine Schere , keine Nähnadel und kein Zwirn . Er begann seufzend den geschossenen Vogel zu rupfen , nahm ihn aus und briet ihn mit einigen Speckschnitten im Kochkessel . Dann kochte er Kartoffeln , pflückte sich einige Ananas und tafelte im Freien vor seinem hölzernen Palast wie ein König . Das Jagdglück von heute morgen , die kräftige Mahlzeit und die weite Wanderung hatten ihn in gute Stimmung versetzt , die nur durch den Gedanken an Jacke und Hose einigermaßen getrübt wurde . Wenn das seine Mutter gesehen hätte , sie , bei der alles vor Sauberkeit glänzte ! Er mußte lächeln , als er das dachte . Waschen ließ sich auch nichts , da er keine Seife hatte . Kopfschüttelnd räumte er die Überbleibsel der Mahlzeit fort und machte sich dann daran , eine Angel herzustellen . Haken und Schnüre besaß er glücklicherweise , es fehlte also nur der Stock , und den lieferte das nächste Gebüsch in jeder Größe . Robert befestigte sein neues Jagdgerät , nachdem er die Angelschnur mit einem tüchtigen Stück Pökelfleisch daran ins Wasser geworfen hatte , an einem Baum und holte nun nach , was durch die unfreiwillige Abwesenheit von seinem Haus inzwischen versäumt worden war . Er schnitt in den Palmstamm die dritte Kerbe , legte frisches Pökelfleisch ins Wasser , bedeckte die Tonne mit neugepflückten Zweigen und räumte die Seidenwaren in ihre Kisten . Jetzt hatte er alles geordnet , sogar sein Schlafzimmer von Unkraut und Gras gereinigt und mit einem ausgespannten Segeltuch ein Sonnendach errichtet . Zufrieden blickte er um sich . » Ich kann nun die meisten Stunden des Tages am Strand zubringen « , dachte er , » und das ist für mich die Hauptsache . « Als alle Arbeiten des kleinen Hausstandes besorgt waren , sah er nach seiner Angel . Es hatte noch kein Fisch angebissen , daher konnte Robert fürs erste ein wenig ausruhen . Wenn nur die lästigen Moskitos nicht gewesen wären ! Sie drangen überall unter die zerrissenen Kleider und setzten sich frech auf sein Gesicht . Aber das war noch erträglich ; nur daß er so zerlumpt und mit Flecken übersäet herumlaufen mußte , ärgerte ihn sehr . Eine Nähnadel ! - Ein Königreich für eine Nähnadel ! Und dann fiel ihm Georgs Schelmenlied wieder ein : » Es tranken ihrer neunzig , ja neunmalneunundneunzig aus einem Fingerhut . « - Wie hatte ihn Georg betrogen , wie hatte er seine Arglosigkeit benutzt , um ihn in die Falle zu locken . Noch glaubte er zu hören , was der Matrose vom » Blitz « damals sagte : » Das ist ein Galgengesicht , und du solltest dich von ihm fernhalten , mein Junge ! « - Er seufzte und ließ sich dabei von den Moskitos so lange stechen , bis er aussah , als hätte seine Haut soeben das Scharlachfieber überstanden . Die kleinen Insekten bissen ihm das Sprichwort : » Wer nicht hören will , der muß fühlen « heute recht empfindlich ins Gedächtnis ein . Er wollte gerade aufstehen und eine Handvoll grüner Blätter zerdrücken , um sich mit ihrem Saft einzureiben , als plötzlich die Angelschnur in Bewegung geriet und unter dem Wasser verschwand . Robert sprang sofort auf . Vorsichtig zog er einen Fisch von wenigstens fünf Pfund ans Land und freute sich königlich über die gelungene Jagd . Den wollte er heute abend essen und dann von allen möglichen Resten der letzten Mahlzeiten einmal wieder Labskaus braten . Wenn nur Licht da wäre , wenn die Matrosen nur an ein einziges Faß Öl gedacht hätten , - aber da mußte er alle Hoffnung aufgeben . Sobald die Sonne unterging , hieß es wie bei den Hühnern : » zu Bett ! « Er schuppte den Fisch , nahm ihn aus und legte die Stücke , wie er es von seiner Mutter oft gesehen hatte , in Salzwasser , dann ging er , um am Strand nach einem Schiff auszuschauen . Die nach Havanna gehenden Fahrzeuge konnten zwar unmöglich hierher kommen , aber doch vielleicht ein Fischerboot , ein Schiff , das kreuzen mußte , das Wasser einnehmen wollte oder vielleicht ein Zollschiff , wenn es überhaupt eins gab . Er nahm die Pistole wieder mit sich , ebenso eine Decke , und ging zum Strand , um einen vollständigen Ausguck einzurichten . Vorher aber besuchte er das Grab seines alten Freundes , den einzigen Ort , der ihm auf dieser Insel teuer war . Die Mooshalme hatten sich wieder aufgerichtet und in der gelockerten Erde neue Wurzeln geschlagen . Noch wenige Tage , dann überspannte das grüne Netz wie vorher den Boden , und kein Auge sah , daß hier ein Mensch die letzte Ruhe gefunden hatte . Robert brach eine purpurne Kaktusblüte vom Stiel und