übermütige Schopfmeisen , und er möchte mir , da ich , wie er wisse , noch nicht in das Freie gehen könne , das ganze Frühjahr in die Stube senden . Was fange ich mit den kleinen Tieren an ? sie flattern , wenn man ihnen nahe kommt , wirr im Käfig umher und zerstoßen sich vor Angst die Köpfchen an den Spangen . Ich lasse sie in unseres Herrgotts Vogelkäfig , in den Mai hinausfliegen . Und als endlich die Zeit erfüllt , da bin ich eines frühen Morgens auch selber hinausgetreten in den freien Mai . - Der Haushahn kräht , der Morgenstern guckt helläugig über den dunkeln Waldberg . Der Morgenstern ist ein guter Geselle ; der leuchtet getreulich , so lange es noch dunkel ist , und tritt bescheiden in den Hintergrund , sobald die Sonne kommt . Leise schleiche ich durch das Haustor , daß ich die Leute nicht wecke , die haben sich nicht wochenlang so ausgerastet , wie ich ; denen liegt noch der gestrige Tag auf den Augenlidern , die der heutige schon wieder wach begehrt . Im Walde ist bereits das zitternde , rieselnde Erlösen aus tiefer Ruhe . Wie ist eines Genesenen erster Ausgang so eigen ! Man meint , der ganze Erdboden schaukelt mit einem - schaukelt sein wiedergeborenes Kind in den Armen . O du heiliger Maimorgen , gebadet in Tau und Wohlduft , durchzittert und durchklungen von ewigen Gottesgedanken ! - Wie gedenke ich dein und deines Märchenzaubers , der sich zu dieser Stunde von der Glocke des Himmels und von den Kronen des Waldes niedergesenkt hat in meine Seele ! Und dennoch habe ich zur selbigen Stunde ein seltsam Weh empfunden . - Mir ist die Jugend gegeben und ich lebe sie nicht . Was ist mein Zweck ? Was bedeute ich ? - Kurz vor diesen Tagen bin ich seit Ewigkeit her ein Nichts gewesen ; kurz nach diesen Tagen werde ich ein Nichts sein in Ewigkeit hin . Was soll ich tun ? Warum bin ich an dieser kleinen Stelle und zu dieser kurzen Zeit mir meiner bewußt worden ? Warum bin ich erwacht ? Was muß ich tun ? - Da habe ich mir ' s von neuem gelobt , zu arbeiten nach allen meinen Kräften , und auch zu beten , daß mir so schwere , herzverbrennende Gedanken nicht mehr kommen möchten . Als die Sonne aufgeht , stehe ich noch am Waldessaume . Unten rauscht das Wasser der Winkel und aus dem Rauchfange des Hauses steigt ein bläulich Schleierband auf und im Kirchenbaue hämmern die Maurer . Meine Hauswirtin hat es gleich wahrgenommen , daß ich des Morgens nicht in der Stube , und hat gezetert über meinen Leichtsinn . Und als sie erst gar erfährt , daß ich in der kühlen Frühe auf feuchtem Moosboden geruht , da fragt sie mich ganz ernsthaft , ob es mir denn zu schlecht sei in ihrem Haufe , oder ob ich sonst was auf dem Herzen hätte , daß ich mir so ans Leben wolle ; ja , und ob ich nicht wisse , daß der , welcher sich so auf den Tauboden des Frühjahrs hinlege , dem Totengräber das Maß gebe ! - Sonnenwende 1817 . Das ist ein seltsamer Waldgang gewesen , und ich ahne , er läßt sich nicht verantworten im Himmel und auf Erden . Wo in den schattigen Felsschluchten des Winkelegger Waldes das Wässerlein rieselt , da bleibe ich stehen . - Hier auf diesen Wellen lasse deine Gedanken schaukeln ohne Zweck und Ziel . Du kennst die Mär vom Lethestrom der Griechen . Das ist ein eigen Wasser gewesen , wer davon getrunken , hat der Vergangenheit vergessen ; die Wellen des Waldbächleins sind ein noch eigeneres Wasser , wessen Seele auf denselben schaukelt , und trüge er auch den Winter im Haar , der findet wieder die längst vergangene Zeit seiner Kindheit und Jugend . - Sollte nicht der Lethe für mich besser taugen ? Ich gehe tiefer hinein in die Wildnis und ruhe im Moose und lausche der immerdar klingenden Ruhe . Manches erst aufgeblühte Blümlein wiegt nah ' an meiner Brust und will leise anklopfen an der Pforte meines Herzens . Und mancher Käfer krabbelt ängstlich heran , er hat im Dickicht der Gräser und der Moose etwan den Weg verloren zu seinem Liebchen . Jetzund hebt er seinen Kopf empor und frägt nach dem rechten Pfad . Weiß ich ihn selber ? - Sag ' du uns an , wo wird die Sehnsucht gestillt , die mit uns ist auf allen Wegen ? - Eine Spinne läßt sich nieder vom Geäste ; sie hat sich emporgerungen zur Höhe , und nun sie oben ist , will sie wieder unten sein auf der Erden . Sie spinnt Fäden , ich spinne Gedanken . Wer ist der Weber , der aus losen Gedankenfäden ein schönes Kleid weiß zu weben ? - Wie ich noch so träume , rauscht es im Dickicht . Es ist kein Hirsch , es ist kein Reh ; es ist ein Menschenkind , ein junges , glühendes Weib , erregt und angstvoll , wie ein verfolgtes Wild . Es ist Aga , das Almmädchen . Sie eilt auf mich zu , erhascht meine Hände und ruft : » Weil Ihr ' s nur seid , weil ich Euch nur finde ! « Dann schaut sie mich an , und es stockt ihr der Atem , und sie vermag den Aufruhr in ihr nicht niederzudämpfen . » Es hat einen bösen Schick ! « schreit sie wieder , » aber ein ander Mittel weiß ich nimmer . Der bös ' Feind stellt mir nach , mir und ihm gleichwohl auch . Wir fürchten die Leut ' jetzund , aber Euch bin ich zugelaufen ; Ihr seid fromm und hochgelehrt ! Ihr helft uns , daß wir nicht versinken allbeid ' , ich und der Berthold ! Wir wollen in Ehren und Sitten