Backe eine , sagte Tonie ) angelegt . » Es ist der Rest von einer alten Fahne ihrer Mutter ! « rief die gnädige Frau . » Ich kenne es genau , von dem übrigen hat sie vor Jahren der Marie eine Jacke gemacht ; - ach du himmlischer Vater , jetzt geht auch das liebe Leiden von neuem an ! « Der Ritter von Glaubigern sagte gar nichts ; aber er nahm das Kind ebenfalls mit auf sein Zimmer und fing an , ihm in verschiedenen guten Dingen Unterricht zu geben , jedoch ohne diesmal den Amos Comenius zu Hülfe zu nehmen . Daß dieser Eingriff des Chevaliers dem Fräulein sehr kränkend erschien , muß jedermann einsehen ; - Adelaide Klotilde Paula von Saint-Trouin holte ihrerseits die Antonie auf ihr Zimmer , um die schlechten Einflüsse so nachdrücklich und schnell als möglich zu neutralisieren . Die gnädige Frau schlug die Hände über dem Kopfe zusammen ; aber der Ritter rieb die seinigen sehr heiter aneinander und sprach : » Frau Adelheid , diesmal gewinnen wir den Sieg auf der ganzen Linie . Dieses Kind ist zu unser aller Segen auf den Hof gesendet worden , verlassen Sie sich darauf . Und , Frau Adelheid , verlassen Sie sich auch auf mich ; wir werden hier ein Wunder erleben , wenn wir es erleben . « » Ich will es wünschen , lieber Alter « , sagte die Gnädige mit einem tiefen Seufzer , » aber , erinnern Sie sich , an der Marie wollte das Frölen gleichfalls ein Wunder tun , und wir haben es erlebt , was daraus geworden ist . « » Auf meine Ehre , der Fall wird sich nicht wiederholen ! « rief der Chevalier mit einem Nachdruck in Stimme und Gebärde , vor welchem selbst die Frau Adelheid von Lauen betroffen zurückwich . Als der Junker Hennig zum erstenmal von der Schule heimkam , hatten die Einwirkungen des Ritters und des Fräuleins auf seine kleine Spielkameradin im vollsten Maße begonnen . Mit seltsam veränderten Augen sah sie schon in eine neue Welt , während der Meister Hennig , wie wir bemerkten , durchaus nichts Verwunderungswürdiges in den neuen Zuständen fand . Er hatte wichtigere Dinge im Kopfe und lebte ja noch in dem glücklichen Alter , in welchem man das Außergewöhnlichste als das Selbstverständlichste nimmt und eigentlich nur dann überrascht wird , wenn sich das Mirakelhafte in das ganz Gewöhnliche , Alltägliche auflöst . Er trug nunmehr auch eine rote Mütze und kam munter in Begleitung des Pastorenfranz auf dem Hügel an , von welchem man zuerst den spitzen Kirchturm von Krodebeck zu Gesicht kriegt . Es war gegen Abend und der Marsch durch den heißen Sommertag ziemlich anstrengend gewesen ; aber das Herz des wackeren Jungen war leicht und vergnügt genug , während das seines Begleiters mit etwas bänglichen Gefühlen dem Vaterhause entgegenschlug . Das Sündenregister des Pastorenfranz , auf welchem übrigens die Unterlassungssünden am schärfsten hervortraten , war diesmal nicht klein und der Arm des Herrn Pastors unter Umständen nicht schwach . Je mehr Hennig vorwärts trieb , desto trübseliger schritt sein Wandergenoß einher ; je mehr Lust zum Jauchzen und Jubilieren der eine verspürte , desto mehr Neigung zum Heulen und Zähneklappern verspürte der andere . Bedenkliche Visionen von einem nicht in den Teichen Krodebecks gewachsenen gelben Röhrchen tanzten vor seinen wässerigen Blicken , und er trug sehr schwer an seinem Ranzen , in welchem auch der Bericht über sein ethisches und intellektuelles Verhalten neben der Notiz steckte , daß man ihn , den Träger , keineswegs schon in der Oberquarta brauchen könne und daß man in Halberstadt wenig Hoffnung habe , ihn jemals - wenigstens sicherlich nicht vor dem vierzigsten Lebensjahre - in ihr gebrauchen zu können . Franz Buschmann begriff durchaus nicht , weshalb Hennig so eile , um nach Haus zu kommen . Er erklärte , ihm liege nicht das geringste an dem albernen Dorf und am liebsten würde er auch jetzt noch umkehren , um auf jeder beliebigen wüsten Insel ein glücklicheres Dasein zu führen und wenigstens dort seinen eigenen Willen zu haben . So warfen beide Knaben recht lange Schatten über die Felder , als sie an den Rand jenes Gehölzes gelangten , in welches der Kobold aus dem Siechenhause vordem den Junker zu so argem Schreck und Ärger des Fräuleins von Saint-Trouin entführt hatte , um ihm Reineke des Fuchses Wohnung zu Malepartus zu zeigen . Und siehe - wer wandelte jetzt zuerst den heimkehrenden Söhnen des Tals auf den Gefilden der Heimat entgegen ? Der Chevalier Karl Eustach von Glaubigern sowie Fräulein Adelaide Klotilde Paula von Saint-Trouin ! Und zwischen den beiden Alten schritt Antonie Häußler , die Tochter der schönen Marie , das Kind aus dem Siechenhause , der Kobold aus dem Kuckelrucksholze , ganz zierlich und ohne die allergeringste Koboldhaftigkeit einher , und alle drei freuten sich sehr der glücklichen Begegnung , jedoch ohne außergewöhnliche Ekstase . Das Fräulein hatte einen Ersatz für die Bedürfnisse seines Herzens gefunden , und der Herr Ritter war zu gescheit , um in diesem Augenblicke seine Genugtuung darüber zu laut werden zu lassen . Im Innern sang sein Herz freilich sehr , und zwar aus der tiefsten Tiefe des Satzes vom zureichenden Grunde . Ganz zierlich reichte Tonie Häußler dem Spielgesellen die Hand , sagte : » Guten Abend , Buschmann ! « und verkroch sich scheu hinter dem Ritter , welcher beide Knaben auf die Schultern klopfte und sprach : » Da seid ihr also wieder ? Sehr schön ! Sehr erfreulich ! Nun , ich hoffe , wir werden recht vergnügte Wochen miteinander verleben . « » Das hoffe ich auch « , sprach das gnädige Fräulein . » Übrigens , mein lieber Hennig , ist Peccadillo seit deiner Abwesenheit nicht mehr daran gewöhnt , am Schwanz in die Höhe gehoben zu werden . Ich bitte dich dringend , dieses in Zukunft zu unterlassen . « Beschämt ließ der Junker den Köter fallen .