beten . « » Dann betet nur auch für mich ! « » Warum nicht gar ! Das würde dich gleich in ein böses Gerede bringen . « » Wie denn in ein Gerede ? « » Man hat so seine Gedanken über die , für welche man betet , und es gibt viel zu viele , die diese Gedanken , die man natürlich nicht immer für sich selbst behält , zu erhorchen wissen . Aber um so fruchtbarer ist unser Gebet . Ich will dir zu deiner Aufrichtung nur ein einziges Beispiel erzählen . Unser jetziger Pfarrer war in der ganzen Gemeinde seiner Lauheit wegen beliebt , und es schien unmöglich , die Leute darauf zu bringen , daß etwas nicht in Ordnung sei , da ja Frieden und Eintracht herrschte . Lachte doch noch fast alles mit , als er die ersten Schwestern unseres Ordens ihrer vielen Kommunionen wegen Tabernakelmäuse nannte . Nun , wer zuletzt lacht , der lacht am besten . Wir begannen , für ihn um Erleuchtung und einen christlichen Eifer zu beten , und schon steht er ziemlich ohne Einfluß , wie gefällig er sich auch gegen jedermann zeigt . Nur noch der Doktor , die Zeitungsleser und einige Fremdler stehen auf seiner Seite . Der verspottete Kaplan aber ist zu Ehren gekommen in der Gemeinde , bei den anderen Geistlichen und auch beim Bischof , der dem guten Manne , von Haus aus blutarm und niedrig , seinen Eifer noch auf dieser Welt belohnen kann . Soviel vermag unser Orden selbst gegen den Pfarrer . « Zusel hatte erstaunt zugehört . Von dem vielen Gehörten war ihr nur noch eines ganz klar , daß der Pfarrer nicht den rechten Eifer habe . Sie sagte : » Was du erzählst , kommt mir fast wie ein Wunder vor . « » Das ist es auch . « » Daß ihr aber recht habt , weiß ich wegen dem Pfarrer . Daß der manches zu leicht nimmt , haben wir selbst erfahren . Es ist wohl recht , wenn man dem auf die Finger klopft . « » Und die Dorothee sollten wir schonen ? Du willst Hansens arme Seele nicht retten ? « » Laß mich darüber nachsinnen . « Die Köchin stand auf , öffnete die Tür und fragte zurück : » Wir haben für dich angefangen , sollten wir gegen dich enden ? « » Wer so viel kann , muß recht haben . Ich gehe in Gottes Namen mit und will das Meine tun « , antwortete das Mädchen langsam mit bebender Stimme . Zwölftes Kapitel Eine Versöhnung Während wegen Stighansen soviel geredet , vermutet , gehofft , gewünscht und gefürchtet wurde , bewegte dieser sich arglos in Haus und Feld . Recht aufpasserische Nachbarinnen freilich wollten behaupten , das Gerede über ihn und seine Magd mache ihm weit mehr Kopfarbeit , als er sich anmerken lasse . Sonst hab ' er immer mit Dorotheen gesungen , schon am frühen Morgen , und in der ganzen Nachbarschaft habe man keinen Menschen früh zu wecken gebraucht . Jetzt aber bleibe den ganzen Tag alles still , und man könne leicht auf den Glauben kommen , daß Hans kein gutes Gewissen habe . Etwas jedenfalls müsse ihm über das Leberlein gekrochen sein , da man ihn auch nie mehr neben Dorotheen arbeiten sehe , neben der er sonst in der letzten Zeit noch gewisser als ihr Schatten gewesen . Wer aber Hansens kräftige , gedrungene Gestalt so sicher und gleichsam stich- und kugelfest in den wenigstens achtpfündigen Holzschuhen unter der breiten Stalltüre sah , mit dem stolz aufgerichteten Krauskopf ob den beiden lateinischen roten H , welche die Hosenträger mit den breiten Querbändern über Brust und Rücken auf dem blauen Werktagshemde bildeten , der verließ den beinahe trotzig und doch auch wieder so gutmütig unter schwarzen Lockenrädern herausblickenden Burschen mit der festen Überzeugung , daß dem noch nichts aufs Leben oder auch nur bis an die Haut gekommen sei . Unter dem , was ihm jetzt Sorge machte und was allenfalls für Minuten seinen Humor verderben konnte , war das Gerede wegen seinem Verhältnisse mit der Magd ganz hinten dran . Gehört hatte er allerdings davon und sich etwa eine Viertelstunde darüber geärgert , weil möglicherweise doch auch die Mutter davon hören konnte , die in diesem Stücke sehr streng war . Aber dann konnte er sie ja fragen , warum denn das Mädchen am Kirchweihtag so ganz gegen alle Art von seiner Seite weg und dem händelsüchtigen Knechte nachgelaufen sei . Gewiß , mit diesem konnte er die Mutter beruhigen , viel besser beruhigen als sich selbst . Ihn wurmte dieser Streich noch immer recht gewaltig , und das Gerede von einem heimlichen Liebesverhältnis mit Dorothee kam ihm fast wie ein Hohn vor . Das war für ihn eine Demütigung , welche sogar die schöne Zusel nicht wegzulächeln vermochte ; ein Schlag für sein Herz , der ihn schon genugsam dafür gestraft hätte , daß er den Knecht so ganz sich selbst und seinem traurigen Schicksal überließ . Und doch kam etwas noch viel Ärgeres . Jos , der kluge , unentbehrliche Jos , der Ratgeber und Helfer in allen Fällen , war arbeitsunfähig geworden und mußte daheim liegen in der unruhigen , peinlichen Zeit der Viehmärkte , wo es auf dem Stighof so viel zu tun und zu sinnen gab . Das blieb jetzt Hansens schwerste Sorge , weil es die nächste war . Sie konnte diese breite , hosenträgerumpanzerte Brust recht schwer drücken , wenn er ratlos vor einem listigen Viehhändler stand , welcher die Bäche aufwärts schwätzen zu können schien . Jetzt erst fühlte er , was das verteufelte Bürschchen war , und viel leichter als sich selbst seine Untätigkeit verzieh er ihm , daß es das Köpfchen auch einmal ein wenig hatte aufrichten wollen . Jetzt stand Jos bei ihm zu hoch , als daß er noch hätte Unrecht auf Unrecht häufen und einen der vielen Burschen anstellen