Sie das ? Weil ich mich für die Kleine interessire . Und weshalb glauben Sie , daß es mir ebenso geht ? Weil ich Euch Beide in Grenwitz beobachtet habe und sodann aus - nun , aus verschiedenen anderen Gründen . Zum Beispiel ? Ich will aufrichtig sein . Ich habe aus lieber langer Weile schon früher in Grenwitz und noch mehr während meiner Krankheit angefangen , der Kleinen den Hof zu machen , und damit aufgehört , sie wirklich ganz charmant und höchst begehrungswürdig zu finden . Die Kleine thut aber so spröde , daß sie nothwendig ein ernstliches Attachement haben muß . Ich wüßte Niemand , der mir den Rang abgelaufen haben könnte , als Sie . Sehr schmeichelhaft , sagte Albert . Ich bin in der That mit der jungen Dame so gut wie verlobt . Aber Timm , wollen Sie denn mit offenen Augen in ' s Verderben rennen ! Sie und eine Frau ! und noch dazu eine arme Frau ! Wo haben Sie den Ihre früheren Grundsätze gelassen . Aufrichtig , ich hätte Ihnen eine solche Thorheit nicht zugetraut . Ich mir auch nicht , erwiderte Albert , sein Glas leerend und wieder füllend . Lieben Sie das Mädchen ? Da fragen Sie mich wirklich mehr als ich selber weiß . Hören Sie , Timm , ich will Ihnen einen Vorschlag machen . Wir sind heute einmal in einer speculativen Stimmung . Lassen Sie mir das Mädchen und ich übernehme die dreihundert Thaler , um die Sie die Aermste angepumpt haben . Wer sagt das ? rief Albert auffahrend . Ihre augenblickliche Heftigkeit zum Beispiel ; außerdem aber auch die kleine Louise , Helenens Kammerjungfer , und nebenbei meines Kammerdieners Schatz , die zufällig sah , wie Marguerite Ihnen im Grenwitzer Park das Geld gegeben hat . Dummes Zeug ! sagte Albert . Aergern Sie sich nicht ! sagte Felix , sondern seien Sie froh , daß sich Jemand findet , der gutmüthig genug ist , Ihnen die unbequeme Last abzunehmen . Wollen Sie ? Wir sprechen schon noch darüber , sagte Albert aufstehend und nach seinem Hut greifend . Leben Sie wohl , Grenwitz ! Adieu , Timm ! seien Sie vernünftig und sehen Sie sich bald einmal wieder nach Ihrem alten Kameraden um . Das würdige Paar schüttelte sich die Hand , Albert entfernte sich rasch . Sein Gesicht war finsterer , als bei seiner Ankunft . Entweder hatte ihm der zweite Theil der Unterhandlung nicht gefallen , oder er hielt es auch nur in seinem Interesse , den Beleidigten zu spielen . Felix , der ihn von früher her ziemlich genau kennen mußte , neigte zu der letzteren Ansicht . Vierzehntes Capitel Um dieselbe Zeit , als im Hotel Grenwitz diese Verhandlung stattfand , wanderte vor einem großen Hause in einer der Vorstädte Grünwalds ein junger Mann mit jener Ungeduld auf und ab , welche das Herz eines rechtschaffenen Liebhabers erfüllt , der an einem kühlen Herbstabend in dichtem Nebelgeriesel auf die Dame seines Herzens wartet , die er » Schlag sieben Uhr - aber komm ja pünktlich ! « aus einem Kränzchen abholen sollte und um halb acht noch immer in lebhaftester Conversation an dem hellerleuchteten Fenster hinter der weißen Gardine sitzen sieht , oder sitzen zu sehen glaubt . Daß doch selbst die gescheidtesten Frauen eine so äußerst vage Vorstellung von der Zeit haben ; murmelte der junge Mann , seine Uhr hervorziehend und bei dem spärlichen Lichte einer glimmenden Cigarre die Zeit ablesend ; es ist ein psychologisches Factum , das ich nächstens in einer eigenen Monographie behandeln werde . Er warf das Cigarren-Ende fort , das ihm den Schnurrbart zu versengen drohte und schaute zu dem erleuchteten Fenster empor . Gott sei Dank ! man bricht auf ! dunkle Schatten schweben an den Gardinen hin und her ! Jetzt nur noch den Mantel umgebunden , den Hut aufgesetzt , einen Abschiedskuß - dann noch eine kurze Conversation von zehn Minuten über den Ort des nächsten Kränzchens - sodann noch einen Abschiedskuß - das Fenster wird dunkler , in dem Hausflur wird es heller - jetzt noch eine Schlußdebatte auf der letzten Treppenstufe - enfin ! - Kommst Du endlich , Kleine ? sagte Doctor Braun , die schlanke Mädchengestalt , welche aus dem Hause getreten und leichten Schrittes durch den kleinen Garten , der das Haus von der Straße trennt , geeilt war , an der eisernen Gitterpforte in Empfang nehmend . Armer Franz , Du hast doch nicht schon gewartet ? antwortete das Mädchen , sich zärtlich in den Arm ihres Bräutigams schmiegend . O , nicht doch , kaum der Rede werth , eine halbe Stunde etwa . Ich wußte wirklich nicht , wie spät es war . Die Zeit ist mir so schnell vergangen , trotzdem das Kränzchen heute nur aus zwei Personen bestand . Rathe : aus welchen ? Aus Dir vielleicht ? Sehr weise ! und weiter ? Helene Grenwitz ? Richtig ! Sie läßt Dich schönstens grüßen . Denke Dir , sie wird nun doch wohl bei der Bärin bleiben , trotzdem ihre Eltern den Winter über in der Stadt wohnen werden , und , ich glaube , heute schon angekommen sind . Das wird einmal wieder etwas zu klatschen geben . Die arme Helene thut mir von Herzen leid . Weshalb ? Wie Du fragst ! Ist es nicht schon schlimm genug , daß die ganze Stadt es merkwürdig findet , daß ein Mädchen von sechszehn - nein sechszehn und einem halben Jahr - noch einmal in Pension geschickt wird , nachdem sie kaum vier Wochen zu Hause gewesen ist ? Und so lange Grenwitzens nicht in der Stadt wohnten , ließ es sich noch zur Noth erklären , aber jetzt - ich finde es ganz abscheulich . Die Leute müssen ja , wer weiß was , von ihr denken , und man kann es ihnen sogar nicht übel nehmen , wenn sie Helenen mit dem Duell zwischen ihrem Vetter