Der wollte Sie nur wecken , hieß es weiter , und als Sie nicht hörten , schlich er davon und in den Wagen war er und sein Gaul zog ihn fort , wir wußten selbst nicht wie . Hernach sagte Stephan , der spät aus dem Wirthshaus kam , es wäre besser gewesen , es hätte ihm eins sein Roß geführt : er hätte auf die Nacht ein Unglück haben können ... es geht schroff ab bis zur Buschmühle . Dort fand er schon den todten Vater ? fragte Lucinde kopfschüttelnd . Stephan , fuhr die Lisabeth fort , war der erste , der den Deichgrafen gefunden hat . Es fehlte ihm ein Stemmeisen . Da war ' s ihm doch , als ob er ' s im Grund hätte liegen lassen an der großen Eiche . Nun ging er hinunter und im Schummer schon . Gleich sah er , wie da alles durcheinander lag an seinem Werkplatz . Der Stein mit dem Adler war weggeschoben , rundum alles zertreten , und wie wenn es Streit gegeben . Und nun , Marie Joseph ! da fand er denn auch den Deichgrafen gerad ' auf dem Gesichte liegend . Hier , sehen Sie , hier am Hals , da wo schon manche ein neugeboren Kind mit einer Stecknadel umgebracht hat , gerade da hatt ' er ' s weggekriegt ; nicht drei Zoll tief war der Nickfänger hineingefahren , sagte Stephan . Der Nickfänger ? fragte Lucinde . Woher weiß man denn von ... ? Was wird der Kronsyndikus sagen ? fügte sie jetzt noch ganz harmlos hinzu . Die Lisabeth sah Lucinden groß an . Sie schien zu erstaunen über eine Frage , die geringe Menschenkenntniß verrieth . Lucinde war in der That von den sonstigen Dingen , die in ihr lebten , so erfüllt , daß sie kaum noch an die auffallende gestrige Rückkehr des Kronsyndikus dachte . Die Lisabeth erklärte zunächst das späte Ausbleiben Stephan Lengenich ' s. Er hätte im Wirthshaus den Vorfall wol zehnmal wiederholen müssen . Die Leiche war in die Buschmühle getragen worden und jetzt säße schon ein Actuar aus dem Amte Lüdicke unten und im Düsternbrook würde alles nach Befund aufgenommen . Daß es in dem ganzen Kreis eine nicht geringe Zahl von Menschen gab , die mir dem Theilungscommissar in Streit lagen , und daß man ihm gerade an dem einsamen Düsternbrook hatte aufpassen können , stand fest . Ein Verdacht auf diesen oder jenen , der der Thäter hätte sein können , wurde nicht ausgesprochen ; die Lisabeth selbst war zu klug , die Gedanken , die der ganze Hof schon über den Kronsyndikus theilte , Lucinden mitzutheilen . Es war eine dumpfe Schwüle , die den Vormittag über Schloß Neuhof und allen seinen Bewohnern lag . Die Arbeiten gingen lässig . Jeder hatte die schreckensvolle Thatsache zu wiederholen und zu erörtern . Lucinde begriff dann allmählich , daß die sonderbare , allen ersichtlich gewesene Aussöhnung des Kronsyndikus mit dem Sohn des Deichgrafen allgemein in einen Zusammenhang mit dem Vorgefallenen gebracht wurde . Die Unruhe und das Geheimnißvolle wuchs , als Stephan Lengenich , der allerdings im offenen Kriege mit dem Deichgrafen gelebt hatte , auf gerichtliche Requisition abgerufen wurde und am Abend nicht wiederkam . Die Vorstellung , die schon auf dem ganzen Schloß feststand , daß der Kronsyndikus der Mörder gewesen , theilte sich endlich auch Lucinden mit , und als erst der Inspector der Brennerei , die wichtigste Person auf der Oekonomie , erklärte , es würde doch wol nothwendig sein , daß der Kronsyndikus auf Eggena durch einen Expressen von dem Vorgefallenen in Kenntniß gesetzt würde , und dabei die Miene eines Mannes machte , der wie von etwas an sich ganz Ueberflüssigem sprach , wandte sie sich erblassend ab und ging dem Parke zu , überlegend , ob sie nun nicht selbst zur Buschmühle sollte . Die Wege dorthin waren aber übermäßig vom Regen aufgeweicht und Beistand mochte sie nicht begehren . Schon war ihr , als wäre sie eine Mitschuldige , die vor allem den Kronsyndikus zu schonen hätte ! ... Darum war Heinrich sein Sohn ! Darum wollte er ihm gleichsam die Hände binden ! So sprach sie mit sich im Pavillon und blickte gedankenvoll in den düstern Park . Der Sturmwind peitschte wieder die Zweige der hohen Ulmen und bog selbst die Stämme . In ihrem Innern sah es nicht anders aus . Einer Nachricht von dem Doctor harrte sie mit jeder Minute entgegen . Diese kam aber nicht . Der Tag ging über das grauenvolle Ereigniß hinweg , auch eine aufgeregte , halb schlaflose Nacht . Von dem Doctor war nichts zu hören und zu sehen ; selbst dem gewöhnlichen Boten , dem buckeligen , grauhaarigen Sohn der Alten , bei denen sie wohnte , dem Musikanten , hätte sie seinen Verrath verziehen , wenn er nur eine Mittheilung gebracht hätte . Als dieser aber kam , den Vorfall wiederholte und obenein noch hämisch lachte und seinen nun auch wie aus ihrer Lethargie erwachenden und grinsenden Alten von einem Schaffot sprach , über das erst ein Sammttuch gebreitet werden müßte mit einem geflügelten und gekrönten Lindwurm - dem Wappen der Wittekinds - da ergrimmte sie aufs heftigste , verbot ihm im Pavillon zu bleiben , riß , da er nicht gehen wollte , das Fenster auf , warf seine Geige weit in die Nacht hinaus , zwang ihn , seinem Instrumente , das er auf allen Kirchweihen und an jedem Sonntage in den Schenken um Witoborn strich , nachzulaufen und schloß indessen , mit einigen Sätzen von der Treppe ihm nachspringend , die Thür des Pavillons . Die Alten vergegenwärtigten sich inzwischen , welchen » Stein im Brete « Lucinde vorn im Schlosse hatte , und ließen sie aus Furcht gewähren . Auf dem Hofe fehlte das Auge des Herrn . Der Bote hatte vom Vorwerk Eggena die Nachricht gebracht , der Kronsyndikus würde in der Frühe zurückkommen . Er kam aber