einen Gefallen . Ich bekäme in Endringen und in Siebenhöfen gut und gern das Doppelte . Deine Rosel ist eine rechte Bauerntochter , da kann man nichts dagegen sagen , aber was Besonderes ist sie nicht , da kann man fragen : was kostet das Dutzend von denen ? « » Sei still , das leid ' ich nicht . « » Ja , ja , will still sein , und dich nicht im Schreiben verwirren . Jetzt schreib ' gleich . « Der Rodelbauer mußte dem Krappenzacher willfahren und als er geschrieben hatte , sagte er : » Wie meinst , soll ich meiner Rosel etwas davon sagen ? « » Freilich mußt du das , aber sie soll sich nichts merken lassen , und auch Niemand im Ort ; das verträgt das Schnaufen nicht , und ein Jedes hat seine Feinde , du und deine Schwester auch . Kannst mir ' s glauben . Sag ' der Rosel , sie soll sich alltagsmäßig anziehen , und die Kühe melken , wenn er kommt . Ich lasse ihn allein zu dir in ' s Haus ; hast ja gelesen , daß der Landfriedbauer schreibt : er habe seinen eigenen Kopf , und liefe gleich davon , wenn er merke , daß da etwas angelegt sei . Mußt aber noch schnell heut ' Abend hinüberschicken nach Lauterbach , und dir den Schimmel von deinem Schwager holen lassen ; ich will den Freier dann schon durch einen Unterhändler nach einem Gaul zu dir schicken . Laß du dir auch nichts merken . « Der Krappenzacher ging weg und der Rodelbauer rief seine Schwester und seine Frau in ' s Hinterstübchen und theilte ihnen unter Auferlegung der Geheimhaltung mit , daß morgen ein Freier für die Rosel käme , und zwar ein Mensch wie ein Prinz , der einen Hof habe , wie es keinen zweiten gebe , mit einem Wort , des Landfriedbauern Johannes von Zusmarshofen . Er gab nun die weiteren Anordnungen , wie sie der Krappenzacher bestimmt hatte , und empfahl nochmals das strengste Geheimhalten . Nach dem Nachtessen konnte sich indeß Rosel nicht enthalten , das Barfüßele zu fragen , ob sie , wenn sie heirathe , gern mit ihr ginge als Magd ; sie gäbe ihr doppelt mehr Lohn als sie jetzt habe , und sie brauche dann auch nicht über den Rhein in eine Fabrik . Barfüßele gab ausweichende Antwort , denn sie war nicht geneigt mit der Rosel zu gehen und wußte , daß diese bei ihrem Antrag noch andere Absichten hatte : sie wollte zuerst ihren Triumph anbringen , daß sie einen Mann kriege , und was für Einen , und dann sollte Barfüßele ihr das Hauswesen in Stand halten , um das sie sich bisher fast gar nichts bekümmert hatte . Das hätte nun Barfüßele gern gethan für eine ihr zugeneigte Herrin , aber nicht für Rosel ; und sollte sie einmal von ihrer jetzigen Meisterin fort , dann wollte sie nicht mehr in Dienst , dann lieber für sich , sei es auch in der Fabrik mit ihrem Bruder . Und noch als sich Barfüßele zu Bette legen wollte , rief sie die Meisterin , und vertraute ihr das Geheimniß mit dem Hinzufügen : » Du hast zwar immer Geduld gehabt mit der Rosel , jetzt aber hab ' doppelte , so lange der Freier da ist , daß es keinen Lärmen im Hause giebt . « » Ja , ich finde es aber schlecht , daß sie jetzt das Einzigemal die Kühe melken will ; das heißt ja den guten Menschen betrügen , und sie kann ja gar nicht melken . « » Du und ich wir können die Welt nicht ändern , « sagte die Meisterin , » ich mein ' , du hast für dich allein schwer genug ; laß du Andre treiben was sie wollen . « Barfüßele legte sich mit dem schweren Gedanken nieder , wie doch die Menschen sich gar kein Gewissen daraus machen , einander zu betrügen . Sie wußte zwar nicht , wer der Betrogene sein würde ; aber sie hatte tiefes Mitleid mit dem armen jungen Mann und schwarz wurde es ihr vor den Augen als sie denken mußte : wer weiß , vielleicht wird die Rosel mit ihm ebenso angeführt , als er mit ihr . Am Morgen als Barfüßele in aller Frühe zum Fenster hinaus sah , schrak sie plötzlich zurück als wäre ihr ein Schuß an die Stirn gefahren . » Himmel was ist denn das ? « Sie rieb sich hastig die Augen und riß sie wieder auf und fragte sich , ob sie noch träume . » Das ist ja der Schimmelreiter von der Endringer Hochzeit , er kommt daher in ' s Dorf , er holt dich , nein , er weiß nichts ; aber er soll ' s wissen . Nein , nein , was willst du ? « Er kommt näher , immer näher , er schaut nicht auf ... » Eine doppelt aufgeblühte Nelke fällt von der Hand Barfüßele ' s über dem Fensterbrett auf ihn nieder , sie trifft den Mantelsack seines Pferdes , aber er sieht sie nicht , und sie fällt auf die Straße und Barfüßele eilt hinab und nimmt das verrätherische Zeichen wieder zu sich , und jetzt geht es ihr auf wie ein neuer fürchterlicher Tag : das ist ja der Freier der Rosel , der ist ' s , den sie gemeint hat am gestrigen Abend . Sie hatte ihn nicht genannt , aber es kann kein Anderer sein , Keiner , und der soll betrogen werden ? Im Schuppen auf dem grünen Klee , den sie den Kühen aufstecken wollte , kniete Barfüßele und betete inbrünstig zu Gott , er möge ihn davor bewahren , daß er die Rosel bekäme . Daß er ihr eigen werden sollte - sie wagte es nicht sich dem Gedanken hinzugeben und nicht ihn zu verscheuchen . « Kaum hatte sie gemolken