, vor seinen Augen , auf einem breiten Divan , von weichen Wolfsfellen überdeckt , lag eine Gestalt , in die langen Falten eines großen Feredschi von der weißen zarten Wolle der Thibetziege gehüllt , das Haupt auf den sich aus der Decke hervorstehlenden Arm gestützt , die unwiderstehlichen Augen auf ihn gerichtet . Er stürzte zu ihren Füßen nieder . » Bana bak ai gusum ! Ai dschänum , stambul37 ! « bat in tiefen Gutturaltönen die Stimme der Türkin . Der Jüngling begrub sein Gesicht in die weichen Falten des Mantels , seine Lippen glühten auf den Wellenlinien dieser Formen . Durch sein weiches lockendes Haar spielte die Hand des Türkenmädchens , kosend , verführend . Ihre Augen bohrten sich in die seinen , als sie sein Haupt zurückbog , - sein Gehirn schien zu brennen unter diesen verzehrenden aussaugenden Strahlen . » Böser Christ , warum hast Du Fatinitza so lange harren lassen ? Hat das Heben ihres Schleiers Dir nicht damals schon verkündet , als sie Dir zuerst begegnete im Haine der Gärten , daß sie Dein war vom ersten Augenblick ? - Mußte ich Dich erst fesseln und führen lassen vor das Antlitz des Bey , meines Vaters , und Dich werfen in den Kerker , um Dich in süße Liebesarme zu holen ? Uriel , der Engel der Finsterniß , schwebte über der Wölfin von Skadar , so lange ihr Junges fern blieb von der liebenden Brust . « Ein Strom von Feuer brannte in ihrem Kuß auf seinen Lippen , er breitete die Arme aus nach dem süßen , dämonischen Weibe - - Da klang es in dem Nebengemach hell und scharf , - eine französische Uhr , ein Geschenk ihres Vaters , schlug die Stunde vor Mitternacht , und wie ein eisiger Strahl fuhr die Mahnung durch die Seele des Jünglings . » Habe Erbarmen mit mir ! Bei dem Kreuz des Herrn , laß mich heute frei ! « » Was kümmert mich Dein trügendes Zeichen ! « lockte wiederum die sonore schmeichelnde Stimme ; » was kümmert uns Dein Gott ! Hat nicht der Engel der Nacht eben die süße Stunde des geheimnißvollen Lebens der Geister verkündet , wo sich die sonst Getrennten zusammenfinden ? Warum denn stößt Du mich von Dir , o Christ , warum willst Du nicht trinken Lippe auf Lippe , Liebe in Liebe , was Fatinitza Dir bietet ? « Er hatte das Antlitz verhüllt , vor seinem Geiste stand noch ein Mal das bleiche Bild des Blutbruders , hangend zwischen Himmel und Erde in seiner Todesnoth , oder kämpfend mit den dunklen Wässern des Sees . » Weib , ich liebe Dich , ich vergehe in Dir ! Aber bei der Barmherzigkeit Deines eigenen Himmels , laß mich fort in dieser Stunde , und mein Leben soll Dir gehören . Ich muß , ich muß ! « » Dschel ! « Er warf sich vor ihr nieder auf die Knie . » Hilf Du selbst mir aus diesem Zauber , der mich umstrickt . Löse Du selbst mich aus diesen Banden , die meine Sinne hier gefesselt halten ? Gieb mir das Mittel , hinaus zu gelangen aus diesen Mauern , und dann - - Er ruft ! - Er ruft ! « Wie ein lang gezogener schneidender Ton schien aus weiter Ferne ein pfeifender Laut hereinzudringen durch die Oeffnung der Jalousieen .. Die Augen schließend , riß er sich los aus den umstrickenden Armen , und empor , dem Ausgange zustürzend , der hinaus führte auf den schmalen Gitterbalkon , hängend über den Tiefen des Sees . Mit einem Sprunge , wie die Löwin , der man ihr Junges raubt , war die Mirditin empor und warf sich ihm entgegen quer vor den Ausgang , die Hände zu ihm emporgestreckt , das glühende Auge wild auf das seine gebannt . Weithin war die verhüllende Decke geschleudert - wie sie dem Bade entstiegen - in allem Geheimniß des himmlischen Leibes lag sie vor ihm . Seine Sinne dunkelten - das Gedächtniß , - jede Erinnerung der Männerbrust schwand - nur seine Augen lebten noch - Und der starre dämonische Strahl der ihren schien sich aufzulösen in weiche schmelzende Akkorde , der drohende Tigerblick wurde zum sanften , schmachtenden , lockenden Frauenauge , und wiederum zischte es sehnsüchtig , betäubend durch die rothen gehobenen Lippen : » Dschel ! Dschel ! « Da beugte er sich nieder und hob die reizende Gestalt des Weibes empor wie leichten Flaum und drückte sie an die keuchende Brust und trug sie auf seinen Armen zurück zum weichen üppigen Lager . Ihre Hände umschlangen ihn , fest , unauflöslich , wie für Leben und Ewigkeit , und zogen ihn nieder - - Ueber die Wellen des Skadarsees strich klagend der Windeshauch aus den Schluchten des Sutorman - am Thurme von Skadar zwischen Himmel und Wässern stieg an den Knoten des schwankenden Seils ein bleicher Mann herab und lauschte durch die Nacht nach dem Hilfe verkündenden Zeichen des Freundes ! - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Fußnoten 1 Die Heldengedichte und Volkslieder , oft von den Helden , die sie feiern , selbst verfaßt . Sie pflanzten sich im Volke fort und sind jetzt meist in dem seit etwa fünfundzwanzig Jahren erscheinenden Staatskalender von Cetinje : Grlitza ( Turteltaube ) abgedruckt . 2 Warme Quellen des See ' s. Man findet hier die obengenannten kleinen Fische oft in solcher Menge , namentlich gegen den Winter , daß , wenn man das Ruder in eine solche Fischbank hineinsenkt , dasselbe aufrecht stehen bleibt . 3 Benennung für den Sultan . 4 Eine im Türkenkrieg zerstörte Veste an der Mündung des