macht Alles wieder gut . Auch ein feiner junger Herr aus der Stadt ist mitgekommen ... er heißt ... ich weiß es nicht ... kurz und gut , so lustig ist ' s seit zwanzig Jahren da nicht hergegangen . Jemine ! Säh ' es die alte Fürstin , sie drehte sich im Grabe um . Der Jäger trank seinen Labetrunk Bier aus , wünschte den Herren gute Verrichtung , schüttelte Dankmarn sogar die Hand und ging . Dankmar erwiderte freundlich , faßte aber Hackert ins Auge , da er dessen Angesicht plötzlich wie mit Blut übergossen sah ; seine Wangen glühten , seine Stirn schien heiß ; von der Farbe des Haares und der Haut entdeckte man kaum einen Unterschied mehr . Dankmar ' s erster Gedanke war , da von dem Jäger Lasally angedeutet wurde , an sein Pferd . Er glaubte in der Verlegenheit , die er auf Hackert ' s Antlitz bemerkte , als der junge fremde Herr , der wol nur Lasally sein konnte , erwähnt wurde , das Zugeständniß der Befürchtungen zu finden , die er seinem Bruder Siegbert geäußert hatte , als dieser für Hackert ' s Ehrlichkeit gutsagen wollte . Aufs allerheftigste wurde er wieder von dem Gedanken ergriffen , daß zuletzt dieser Hackert doch wol nur ein Gauner sein möchte , der sich ihm noch zu irgend einem bösen Zweck angeschlossen hätte . Und dennoch fühlte er Mitleid mit ihm . Der Nachtwandler stand wieder vor ihm ; der wüste schauerliche Eindruck , wie Hackert mit halb herabgefallenen Kleidern , mit Stroh und Heu im Haar , mit offenem Hemd , in der Hand die verlöschende Laterne vor ihm stand und Schlurck vor Entsetzen das Wort ausstieß , das ihn weckte ! Die Erinnerung an diesen Anblick trat ihm so mächtig in diesem Augenblicke vor die Seele , daß er fast erschrak , Hackert möchte eben wieder in einen ähnlichen Zustand verfallen . Denn er bemerkte , daß Hackert wie in Gedanken verloren zur Thür hinausging , geduldig den schon zur weitern Reise gerüsteten Gaul bediente , geduldig die Peitsche ergriff und , als wüßte er es nicht , vorn auf dem Bocke saß . Alles Das hatte er mechanisch , ohne Überlegung gethan . Seine Absicht , in der Nähe von Hohenberg Jedes zu vermeiden , was seine Eitelkeit in ein falsches Licht stellen konnte , hatte er in dieser träumerischen Abwesenheit ganz vergessen , und Dankmar stand und staunte , diesen Zustand still beobachtend . Was ist dem Menschen ? dachte er . Der angebliche Tischler hatte sich inzwischen draußen mit dem Jäger noch einige Augenblicke unterhalten und dann seinen leichten Ranzen geholt . Er wollte den weitern Weg zu Fuß machen und verabschiedete sich von Dankmarn . Dieser hielt ihn aber zurück und sagte : Wir haben jetzt nur noch drei Stunden bis Hohenberg zu fahren ; es hat inzwischen geregnet , der Weg ist zu feucht für Ihre dünnen eleganten Stiefel . Bleiben Sie bei uns ! Der Fremde stieg nachgebend ein , Dankmar bezahlte für sich und Hackert die Rechnung , folgte dann in den Wagen und rief : Fort ! Hackert schien nicht zu wissen , wo er war , sondern gab sich willenlos dem Thiere preis , das im raschen Trabe weiterfuhr . Der Regen hatte in der That mit einem einzigen und gewaltig starken Erguß die Natur erfrischt . Wie erhob sich Baum und Blatt , wie blickte der Grashalm so gekräftigt zu der Sonne auf , die hier und da schon aus den grauen , sich zertheilenden Wolken wieder hervorbrach ! Auch die Gegend nahm jetzt einen viel gefälligern Charakter an . Die großen Flächen hörten auf . Der Boden hob sich wellenförmig , am Rande des Horizonts stiegen schon die blauen Conturen einer nicht hohen , aber anmuthig geformten Bergkette empor . Hier und da verrieth sich ein hinter Büschen geborgenes Dorf durch seine Kirchthurmspitze . Der Weg war mit Obstbäumen besetzt , die Äpfel und Birnen in reicher Ernte versprachen . Auf den Feldern war fast überall schon die Frucht geborgen , sodaß man mit dem Blicke weithin ausschweifen und die Krümmungen kleiner Bäche verfolgen konnte , die den Boden fruchtbar bewässerten und die Gegend lebendiger machten . Der Fremde betrachtete die Flur mit einem ernsten , sinnenden Blick . Es ist meine Heimat , sagte er . Ich bin in diesen Thälern geboren . Früh schon verließ ich sie und doch kenn ' ich jedes Dorf , jede Anhöhe wieder . Wie traurig , sagte Dankmar , daß so schöne Besitzungen von einem leichtsinnigen , weltlustigen Herrn verschleudert wurden ! Die Bauern haben sicher die Vortheile der neuen Zeit hier wahrgenommen , sie haben sicher die Laudemien und Gefälle abgekauft . Vielleicht ist die Summe , die dadurch auf einem Brete gezahlt wurde , für den künftigen Unterhalt des Prinzen Egon ausgesetzt , das Einzige , was ihm sein Vater zu erben mag hinterlassen können . Die übrigen gewöhnlichen Abgaben von Grund und Boden laufen ohne Zweifel in die Kasse der Gläubiger , die in den jetzigen schlimmen Zeiten wol sich vergebens nach einem reichen Capitalisten umsehen , der hier das ganze Besitzthum mit Activen und Passiven übernimmt ! Es ist wenig Heil noch auf Grund und Boden , sagte der Begleiter trübe gestimmt . Die Masse der Lasten drückt zu sehr . Wo der Staat etwas gewinnen will , denkt er immer gleich an das Erdreich und Den , der es anbaut . Immer den Zollstab an die Erde gelegt ! Warum nicht an den Handel ? Die Kaufleute , die jetzt die Welt regieren , wissen sich zu schonen . Da sie meist von den Handwerkern leben , so schützen sie allenfalls diese noch eine Zeitlang und auch mit Recht . Weil aber dem gefräßigen modernen Staate die Mittel der Existenz immer knapper werden müssen , so sagen die regierenden Kaufleute und Börsenmenschen : Haltet Euch an Grund und Boden ! Grund und Boden sind ewig !