Gefangen , während man draußen für die Freiheit kämpfte .... Er saß am Boden und weinte wie ein Kind . Da durchblitzte plötzlich ein Gedanke seine Seele . - - Freudig sprang er empor . Er zog die beiden Terzerole hervor und setzte Zündhütchen auf alle vier Pistons . Dann kletterte er noch einmal nach dem Fenster in die Höhe und schaute auf den Hof hinab . Er hatte richtig vermuthet : der Wachtposten war verschwunden . Er sprang herab , setzte den einen Lauf fest aus Schlüsselloch der Thür , trat zur Seite und drückte ab . Der Knall war heftiger , als er geglaubt hatte , doch da die Bewohner des Hauses ihre Aufmerksamkeit nach dem Gefecht draußen gerichtet , so war der Knall von Niemandem bemerkt worden . Das Schloß aber war so stark beschädigt , daß Ralph es mit einer geringen Kraftanwendung vollends herab-und die Thüre aufriß . Behutsam schlich er den Corridor hinab und öffnete die erste beste Thür eines Zimmers , dessen Fenster nach dem Hausvoigteiplatze gingen . Dort , wo die Oberwallstraße an den Hausvoigteiplatz mündet , erblickte er eine Barrikade . Diese aber war von Soldaten besetzt . Links am Eingange der Jerusalemerstraße und Rosenstraße war ebenfalls eine Barrikade , ungleich höher als die erstere . Auf ihr sah er die schwarz-roth-goldne Fahne aufgepflanzt - dort waren seine Freunde . Mit einem Satz war er auf der Straße . Eine Salve aus der Oberwallstraße donnerte hinter ihm her . Die Kugeln pfiffen ihm um den Kopf , aber unversehrt gelangte er zu seinen Freunden . Der alte Steiger und Hartwig - dieselben , welche seine Flucht zu unterstützen versucht hatten - empfingen ihn mit lautem Jubel . Sein erster Schuß streckte einen Infanterie-Lieutenant zu Boden . Eine Stunde mochte vergangen sein , während welcher das Feuer keinen Augenblick aufgehört hatte , da wurde Ralph vom alten Steiger angerufen . - Was giebt ' s ? - fragte dieser , das von Pulver geschwärzte Gesicht mit dem Rockärmel abwischend . - Sucht man uns in den Rücken zu fallen ? - Nein , die Mohrenstraße hält sich gut . Aber nach der Barrikade der Breiten-Straße muß Verstärkung . Die Gefahr soll dort groß sein . - Ich werde hingehen . Es sind Eurer hier genug . - Ich begleite Dich , sagte Hartwig , der dazu getreten war und die letzten Worte gehört hatte . - Gut ; so komm ! - Mit Gott , Kinder ! - sagte der alte Steiger , ihnen die Hände schüttelnd - Du , Hartwig , mein Junge , gieb mir noch ' mal die Hand . Der Donner soll drein schlagen , wenn ich weiß , warum es mir immer so ist , als wenn - na , dummes Zeug , auf Wiedersehen , Jungens . Er sah ihnen nach , bis sie um die Ecke des Dönhofsplatzes verschwunden waren . Dann fuhr er sich mit der verkehrten Hand über ' s Gesicht und lud sein Gewehr von Neuem . An der Breitenstraße vom Petriplatz angekommen , meldeten sich die beiden Freunde sogleich beim Anführer der Barrikade , welche , aus Tonnen , Wagen , Trottoirsteinen und allen möglichen Möbeln fast 20 Fuß aufgebaut , ein Kunstwerk eigener Art darstellte . Hinter der Barrikade und zu beiden Seiten der Straße war das Pflaster mehre hundert Schritt weit aufgerissen und die Steine in großen Pyramiden aufgehäuft . Die Dächer waren abgedeckt , um die Ziegel zu Wurfgeschossen zu verwenden . Aus allen Fenstern richteten sich drohende Läufe auf die Artilleristen , welche die beiden Zwölfpfünder bedienten , und auf die Abtheilung Infanterie , welche unter dem Schutze der Kanonen zuweilen einen Sturm versuchte . Das D ' Heureussche Haus , dessen Front die » Breitenstraße « begrenzt , war schon dicht mit Kartätschenkugeln besäet . Hinter der Barrikade war , umgeben von Steinpyramiden , eine tiefe Grube aufgeworfen . Darin saßen die Frauen und Kinder , welche über Kohlenfeuer Kugeln gossen , die Gewehre luden und die Verwundeten verbanden . Andere brachten Blei von Fenstern , Stücken Eisen , kleine Steine und was sonst in einen Gewehrlauf hineingepfropft werden konnte , herbei . - Es war ein Getreibe , daß es schien , als ob die größte Unordnung herrsche ; und doch stieß keiner den Andern . Der Geist der Kampflust brachte Einheit in die scheinbare Verwirrung . Die Kanonen donnerten , die Gewehrsalven krachten , die Steine flogen , die Verwundeten ächzten , dazwischen tönten die Commandoworte und jubelten die Kämpfer einander zu . Ralph stand auf dem ihm angewiesenen Posten , den Kolben seines Gewehrs zwischen den Füßen , die Hand auf den Lauf gestützt , und schauete - auf Munition wartend - ernst in das Kampfgewühl hinein . - Was sinnst Du , Kamerad ? - sagte neben ihm eine weiche Stimme . Er wandte sich um . Alice stand vor ihm , vollständig mit Büchse und Säbel bewaffnet . - Ums Himmelswillen , was machen Sie hier . Kommen Sie , ich will sie an einen sichern Ort bringen . - Bah , denkst Du ich bin eine Memme , wenn ich auch ein Weib bin ? Nenne mich » Du « , denn hier sind wir Alle Kameraden . - - Hast Du Gilbert gesehen ? - fragte Ralph , vor der Gluth in den Blicken Alicens die Augen senkend . - Nein . - So will ich ihn Dir zeigen . Er stieg die Barrikade hinan . Alice folgte ihm . - Siehst Du dort den Jägerlieutenant , welcher mit dem Commandeur der Musketiere spricht . Das ist er . Bedarfst Du noch weiterer Beweise für seinen Verrath ? - Ich bin zufrieden . In diesem Augenblicke zischte ein Feuerstrahl aus dem Zündloche der Kanone . Ralph riß Alicen herab . Die Kartätschen wühlten in dem Holzwerk der Barrikade , die Splitter flogen umher . Da drang ein Schmerzensschrei zu Ralphs Ohren . Er blickte nach Hartwig , aber er sah