mir hin , wir wollen sehen , was sich thun läßt . « Franz hatte für diesen Abend Wilhelm und einige der vertrauteren Freunde auf das , was er unterdeß erfahren , vorbereitet , und August war dann aufgefordert worden , sein Geständniß noch ein Mal zu wiederholen . Er hatte es gethan , Alle waren nun wüthend auf Anton geworden - dieser aber hatte mir ruhiger Miene August ' s Aussage bestätigt , aber es Allen zugeschworen , daß er Stiefel wirklich für einen Menschenfreund gehalten , der ihr Bestes wolle , daß er ihm auch in diesem Vertrauen Thalheims Buch gegeben habe , daß ihm aber mit August zugleich die Augen aufgegangen wären , als man eine Schlechtigkeit von ihnen verlangt habe , und er auch , nachdem er Stiefel noch tüchtig die Wahrheit gesagt , die Schänke verlassen habe . Er suchte sich aus Allem herauszureden und man konnte ihn nur dafür bestrafen , daß er Branntwein getrunken habe , und unterwarf sich auch reumüthig der üblichen Strafe . August versprach man erst dann in den Verein aufzunehmen , wenn er einige Wochen lang dem Spiel und Branntwein entsagt und sich überhaupt ordentlich aufgeführt habe . Diese Probe hatte er bestanden und er ward nunmehr gern unter ihnen gesehen . Um dem Herrn Stiefel näher auf die Spur zu kommen , hatten sich an mehrern Sonntagen Franz oder Wilhelm mit August oder Anton selbst zur Schänke in der Stadt begeben wo er gewöhnlich sich eingefunden hatte , aber sich niemals wieder sehen ließ . Auch der Wirth , welcher übrigens versicherte , gar Nichts als den Namen von ihm zu wissen , sagte aus , daß er seit jenem Sonntag sich nie wieder eingestellt habe . - Man sah sich genöthigt , diese Sache auf sich beruhen zu lassen , da alle Bemühungen fruchtlos geblieben waren . - - An dem Maiabend , an welchem August sich zu Wilhelm und Franz gesellte , sagte er zu den beiden Freunden : » Ihr könnt Euch darauf verlassen - Stiefel ist da . « » Stiefel - Du hättest ihn gesehen ? « » Saht Ihr nicht auch den Einspänner , der vorhin auf der Straße nach Hohenheim fuhr - und den langen dürren Mann drinnen ? Das war er . « » Was kann er nur wollen ? « sagte Wilhelm . » Wenn Du Deiner Sache gewiß bist , warum sagst Du es erst jetzt und theiltest es nicht oben Allen mit ? « fragte Franz . » Weil ich dem Anton nicht traue , « sagte August ernst . » Das ist nicht schön von Dir , Dein ewiges Mißtrauen , « versetzte Franz . » Sieh , Du bist gar nicht besser gewesen als er , wir haben Dir Alles vergeben und vergessen , Niemand beargwohnt Dich , und Du allein willst Anton , der wie Du nur getäuscht worden ist und dann auch richtig bekannt hat , noch verdächtigen . - Geh ' , das ist ein häßlicher Zug , den mögte ich nicht bei Dir finden ! « » Weil ich allein den Anton kenne - « murmelte August . » Lass ' das alte Lied ! « meinte Wilhelm . » Und wenn nun auch - Gefahr hat ' s ja doch nicht , sind wir denn etwa auf unrechten Wegen , daß wir Verräther zu fürchten hätten ? Ist denn unser Verein eine geheime und gefährliche Verbindung ? Weiß nicht Jedermann darum ? Und hat denn nur Herr Felchner das Geringste dagegen einwenden mögen und können ? Und ich dächte doch , weiter ginge die Sache Niemandem Etwas an . « » Aber Franz hat wieder ein Buch geschrieben : Die Rechte des Armen - den Verzweifelnden gewidmet . - Mir ist vor ihm bange , « antwortete August , » mir ist als könne daraus noch Unheil für Dich kommen , obwohl ich gerade nicht recht begreife , wie aus einem Buche irgend etwas Gefährliches entstehen könne . Aber mir ist innerlich angst . « » Das lass ' Dich nur nicht kümmern , « sagte Franz ruhig , » mein Buch enthält Nichts als eine Schilderung von dem Loose der Fabrikarbeiter , wie es Jedermann kennt , der nur irgend einmal aufmerksam in einer Fabrik sich umgesehen hat . Ich habe nicht das Geringste übertrieben , bin nirgends von der Wahrheit abgewichen , habe überhaupt gar Nichts gethan , als einfache Thatsachen geschildert . Aufmerksam sollen die Leute werden auf unsere Noth , das ist es ja , was ich damit bezwecke . Wenn noch andere Leute , als die Fabrikherren , welche von unserm Elend sich mästen - und welchen es deshalb freilich nicht sehr erwünscht sein mag , daß es allgemein bekannt wird , wie sie uns behandeln - wenn also noch andere Leute von unserm Elend hören , so werden weise Gesetzgeber und gerechte Regierungen uns doch vielleicht ein besseres Loos verschaffen . Ich denke von den Menschen nicht so gering . Ich glaube , vieles Schlimme und Unheilvolle besteht nur deshalb in der Welt , weil allein Diejenigen , welche darunter leiden , es kennen , den Andern es aber fremd bleibt und daher sie , welche die Macht und gewiß auch den Willen hätten zu helfen - nur eben deshalb nicht mit ihrer Hilfe kommen , weil sie gar nicht wissen , daß man ihrer bedarf und wie viel es zu helfen giebt ! « Wilhelm versetzte : » Du hast immer noch gutes Zutrauen zu den Menschen , ein viel besseres als sie verdienen - unsre täglichen Erfahrungen könnten Dich eines Andern überzeugen . « » Nun , wir werden ja sehen , wer von uns Recht behält . In meinem ersten Buche habe ich mich nur an die Menschenfreunde gewendet , in meinem zweiten an die Verzweifelnden - ich denke , man muß es mit Beiden versuchen ! « sagte Franz . » Ja , « rief Wilhelm , » vielleicht helfen