anfing , ward er inne , daß er falsch gegangen , und es war zu spät , die Richtung zu ändern . Da in seinen höchsten Nöthen rief er : » Ach Sanct Johannes , wie Du den da rüber gebracht , hilf auch mir , wenn Du den Weg kennst « . Und ihm war ' s , als liege um ihn eine Wolke , und ein Mann halb nackend , mit zottigem Haar und einem Fell um die Schulter , aber einem lichten Streifen um die Stirn , reichte dem Versinkenden die Hand und hob ihn und führte ihn sicher hinüber . Da verschwand er , und der Fürst lächelte : » Ei Wußo , kennst Du so wenig Dein Land , daß Du selbst eines Führers bedarfst ? « Der Tag war heiß und die beiden wurden müde von der Jagd , denn der Hirsch , wie oft sie ihn auch sahen , immer verschwand er wieder . Da rief Markgraf Otto : » Den Hirsch muß ich zum Stehen bringen ; ist mir doch , als hinge mein Heil und Leben von seinem Leben ab . Ich hab ' s gelobt dem heiligen Hubertus ; aber itzt kann ich nicht mehr . « Und er sank um , den Speer in der Hand , todtmüde unter einer alten Eiche . Aber Wußo hatte auch gelobt bei seinem Götzen , das ist der Teufel , sein Heil und Leben solle davon abhängen , daß er das Leben des Markgrafen nehme , was es ihn auch koste . Schwer ward es ihm , denn er war kein schlechter Mann , und glaubte es nur zu thun um seines Landes Wohl . Und da es Nacht wurde von den Wolken , die aufzogen , drückte er die Augen zu und faßte den Wurfspieß mit beiden Fäusten und wild rannte er auf den schlafenden Fürsten zu . Da fuhr ein Blitz aus der Eiche nieder und ein Donner krachte , als wäre der Baum von seinen Wurzeln gebrochen . Vor dem Mörder stand wieder derselbe Mann , der ihn über den Bruch geführt , drohend den Arm aufhebend und Wußo ' s Wurfspeer blieb wie angelöthet in der Hand : » Ist das Dein Dank , daß ich Dich hergeführt ? « sprach Sanct Johannes . Und in demselben Augenblick fuhr auch der schlafende Fürst in die Höh ' , mit einem Schrei , der Wußo wie die Trompete des Gerichts durch die Seele ging : » Ha es ist überstanden ! « Und Wußo lag auf den Knieen und wollte Worte stammeln , aber seine Zunge klebte am Gaumen , und in ihm brannte es wie ein stilles Feuer . Markgraf Otto rieb den Schlaf vom Auge : » Wo ist nun das Ungethüm ? Er stürzte mir ja zu Füßen ? « » Hier , Herr , « sprach Wußo , » zertritt es . « Der Fürst schüttelte das Haupt und stierte in die Wolken , wie noch im Traum : » Den großen Hirsch meine ich , mit seinem gezackten Geweih , und sein Rachen sprühte Flammen . Heiß setzte er mir zu , und ich hatte schweren Kampf . Nun ist er überwunden , der mir will streitig machen das Reich , so mein Kaiser mir zuwies , daß ich lichten soll in der Finsterniß , ausroden die alte , schlimme Weise , und bauen und bahnen die Wege zur Erkenntniß des wahren Gottes . Sein Licht war über mir ; es schmetterte ihn nieder , aber wo ist der Feind ? Eine Mark Goldes , wer ihn mir schafft ! « Da waren die vom Gefolge des Fürsten herangekommen , und als er ihnen erzählte , was er geträumt , und er glaubte , es sei Wahrheit , erkannten alle Gottes Finger . Der grimmige Elennhirsch , der ihn im Schlafe umbringen wollte , könne nur der Satan gewesen sein , der Wuth schnaube und zittere in seinem Ingrimm , weil der Markgraf in dem Lande schon so Großes vollbracht und noch mehr vollbringen wolle , daß seine , die Herrschaft der Finsterniß , aufhöre . Der Markgraf erkannte , daß sie Recht hätten , und gelobte zur Stunde , daß er zum Gedächtniß des schrecklichen Traumes , und auf derselben Stelle , wo er gelegen , ein Kloster bauen wolle . Von da solle das Licht des Glaubens und die gute Sitte und ehrbarer Fleiß ausgehen über das ganze Heidenland , und er wolle es reich begaben mit Gütern , und es fest machen zum eigenen Schutz gegen jeden Angriff und darin eine Gruft bauen , in der man ihm , wenn er zur Ruhe gegangen , die letzte irdische Stätte bereiten solle , und nach ihm seinen Kindern und seinem ganzen Geschlechte . So stiftete der Markgraf Otto , nachdem er die Wälder gelichtet , Sümpfe getrocknet , Wege in das Holz gehauen , die Abtei und das Kloster Lehnin , das erste in diesen Marken , und ließ Cisterciensermönche dahin kommen aus Seevenbeeke drüben im Mansfeldischen , welche die hohe Kirche bauten und Thürme und die Klostergebäude und die Wälle , und Mauern zum Schutz gegen die heidnischen Wenden , denen diese Stätte des Herrn noch lange ein Stein des Anstoßes und des Aergernisses war . Lehnin aber nannte , er es , weil auf Wendisch der Elennhirsch den Namen führt , und noch heut zu Tage ist am Chor in der Kirche der Eichenstamm zu sehen , unter dessen Wipfel der Markgraf Otto geschlafen und den schweren Traum gehabt . So ungefähr hatte Ruprecht auf dem langen Wege dem Junker die Legende von der Stiftung des Klosters Lehnin erzählt . Aber was hatte der Ahnherr seiner Familie damit zu thun ? War er vom Markgrafen bestraft worden ? Er strafte sich selbst . Er stürzte fort , und lange Zeit wußte Niemand , wo er geblieben . Aber er irrte im Wahnsinn durch Wald und Haide , und war er