. Mais non , pardon ! die junge schwarze Dame ist nicht seine Frau , sondern seine Schwester . Mein Onkel , fuhr die Fürstin fort , behauptet , der Curliste zum Trotz , der junge Mann sei gar kein Pole . O ! sagte Gräfin Hohenheim , er hat doch so ganz den polnischen Gesichtsschnitt , und dann den wehmüthig-stolzen Ausdruck um den Mund - Haben Sie ihn einmal polnisch reden hören , Comtesse ? fragte die Zweiflerin . Nein ; er spricht immer französisch mit den Damen , die er am Brunnen kennt , auch mit seiner Schwester . Nun sehen Sie ! Am Ende hat mein Onkel doch recht ? Aber er hat ja einen ganz polnischen Namen - Die kleine Prinzessin sah ungemein welterfahren aus und versicherte : Man kann sich aber auch einen falschen Namen geben ! O ja , wenn man ein Barbiergeselle ist ; aber ein Mann von Stande ! Ich habe ihn einmal gesprochen , meinte Fräulein von Herchentheim ; er machte mir und meiner Cousine Platz , als der König hier durchkam und plötzlich auf der Allee ein großes Gedränge entstand . Er benahm sich sehr höflich und zeigte den besten Ton und Anstand . In der Nähe ist er wirklich sehr schön . - Freilich fällt mir eben ein , daß er auch damals mit seiner Schwester nur französisch sprach . Das mußte er jedenfalls aus Artigkeit Ihretwegen , liebes Fräulein ! sagte die Prinzessin etwas ungeduldig . Ihr Urtheil ist nicht contemporain Ihres Gefallens . Eben schritt der junge Mann , wie gewöhnlich , ernst und schwermüthig vor sich hinstarrend , quer über den lichtensteiner Weg ; die junge Dame an seinem Arme war heute noch bleicher als sonst , sie schien sehr leidend . Er stützte sie auf ' s Sorgsamste und als sich in der Allee ein leichter Abendwind erhob , suchte er erst die Schwester noch dichter in ihren Mantel zu hüllen , und bewog sie dann endlich , und wie man an den lebhaft bittenden Geberden deutlich wahrnehmen konnte , nicht ohne Mühe , mit ihm umzukehren . Er zeigte übrigens dabei eben so viel heftige Ungeduld als Liebe . Es ist kein Pole ! sagte die Prinzessin , und zerpflückte gedankenvoll eine Sternblume . Leontine aber beschloß , noch diesen Abend das Räthsel gelöst zu sehen . Der Zufall verwirklichte den Scherz , doch auf trübere Art , als sie es erwarten konnte . Sie mochte , ihrer Reisegefährtin harrend , die noch auf der Promenade war , ein Stündchen auf ihrem Zimmer zugebracht haben , als sie plötzlich die Klingel ihres Nachbarn drei- , viermal heftig anziehen hörte ; fast in demselben Augenblicke ward drüben eine Stubenthür aufgerissen und sie erkannte seine Stimme , die laut und dringend nach dem Hausmädchen rief . Es lag etwas so Beängstigendes , Heftiges in diesem Ton , daß Leontine , von der ihr eigenen Herzensgüte unwiderstehlich fortgerissen , aufsprang und ihrerseits die Thür nach dem Flur öffnete , um zu sehen , ob ein Unglück geschehen und ob man ihres Beistandes bedürfe . Ein Bild fast wahnsinniger Verzweiflung stand der junge Pole vor ihr ; kaum aber gewahrte er sie , so stürzte er auf sie zu und beschwor sie im reinsten Italienisch , mit den rührendsten Worten ; um Beistand für seine unglückliche Schwester , die nach einem ganz unerwarteten Blutsturz ohnmächtig geworden , und , von dem heftigen Anfall erschöpft , noch bewußtlos , starr , o Gott ! vielleicht sterbend , daliege . Er wolle zum Arzt laufen , die Leidende aber nicht allein zurücklassen . Auf sein Rufen und Klingeln sei Niemand gekommen . Ohne einen Augenblick sich zu besinnen , antwortete ihm Leontine , ebenfalls italienisch , in wenigen tröstenden Worten und eilte zu der Kranken in das offen stehende Zimmer . Eben kamen der Kellner und das Dienstmädchen die Treppe herauf , das heftige Klingeln hatte sie endlich herbeigezogen . Es ward nach dem Arzt geschickt und der junge Mann folgte Leontinen . Fast zugleich näherten sich Beide dem Sopha , auf welchem das schöne Mädchen todtenblaß , einer gebrochenen Blume gleich , noch immer in krampfhafter Erstarrung und regungslos lag . Nach einigen angewandten Hausmitteln erholte sie sich in Leontinens Armen . Der herbeigerufene Arzt fand den Zustand durchaus nicht augenblicklich gefährlich , schien jedoch im Ganzen die Gesundheit der Fremden für sehr schwächlich zu halten . Er verschrieb Arzneien , versprach nach ein paar Stunden wiederzukommen , und empfahl die größte Ruhe , vorzüglich aber jede Gemüthserregung zu meiden . Traurig schüttelte Trzebinski das schöne Haupt . Mit dem Arzt hatte er , wie mit dem Kellner wieder französisch gesprochen ; die Kranke war zu schwach zum Reden . Seltsam , daß er ganz vergessen zu haben schien , daß er Leontinens Hilfe italienisch erbeten . Mit rührender Einfachheit dankte er ihr für die ihm und seiner armen Schwester erwiesene Güte und bat sie , der Leidenden morgen wieder eine Stunde zu gönnen . Jetzt erst bemerkte Leontine , daß , bei aller äußeren Eleganz des Benehmens , wie der äußeren Umgebung der Geschwister , Beide ohne eigne Bedienung waren . Leontine war durch Zufall diesmal nicht mit ihren Eltern in Baden , sie erwartete die Generalin erst in drei Wochen , welche diese mit Geiersperg in Karlsruhe zubrachte . Josephine hatte gewünscht , die geliebte Tochter nach einem fröhlich durchtanzten , sehr ermüdenden Carneval einen etwas längeren Aufenthalt in der stärkenden Luft des schönen Thals genießen zu lassen . So ward es möglich , daß Leontine , die mit der hingebendsten Liebe ihrer Mutter anhing , allmälig in ein Vertrauen sich gezogen fühlte , das sie vielleicht in deren Gegenwart nicht angenommen , jedenfalls aber nie ihr verheimlicht haben würde . Am nächsten Morgen benutzte sie die erste Gelegenheit des Alleinseins , um ihre Nachbarin zu besuchen , Stanislaus saß an deren Lager . Leontine hatte nicht vergessen , daß Herr von Trzebinski , wie der junge