ein sehr dezidirtes Nein seinem Ja begegnet . Uebrigens hasse ich Nein und Ja , und all diese trocknen , scharfen Worte , die plötzlich den sanften Lauf der Dinge hemmen , wie die Schleuse den Bach . Bei Menschen , die überhaupt sich verstehen , folgt die ganze Entwickelung des Charakters , des Verhältnisses so unumgänglich klar aus dem ersten Verständniß - welches nichts ist , als die erste Begegnung in ihrer primitiven Frische - daß eine Frage , auf welche Ja oder Nein folgt , mir ganz possierlich vorkommen würde . Fragte mich Jemand : lieben Sie mich ? so könnte ich doch gewiß nichts Besseres thun , als dem Tropf den Rücken zukehren , der das Ja oder Nein nicht längst gemerkt hat . « » Die Frauen lassen uns so häufig in Zweifel über ihre eigentlichen Gefühle , und treiben so häufig allerliebste Koketterie mit fremden , daß solche unschuldige Frage uns armen , schlichten Männern erlaubt sein dürfte . « » O die Männer sind rührend in ihrer Einfachheit ! « rief Faustine höchst belustigt . » Wesen , die immer sich arrangiren , berechnen , auf ihrer Hut sind , sollen sich plötzlich zu einer Simplizität erheben , welche die Gefährtin der Kindesunschuld ist oder - der weltgroßen Leidenschaft , denn diese wirft allen den Flitterkram der Eitelkeit und der Mode von der brennenden Stirn und dem mächtig schlagenden Herzen . « » Gräfin Faustine , « sagte Mario ganz ernst , » Sie werden mich von Vorurtheil für mein Geschlecht befangen nennen - dennoch ist es meine tiefste Ueberzeugung , daß ein Mann leichter als das Weib eine weltgroße Leidenschaft faßt . « » Für das Spiel , zum Exempel , für ' s Gold , für den Ruhm - ja , das glaub ' ich . « » Nein , grade die Leidenschaft , welche Sie im Sinn hatten . « » Gut ! auch für die Frauen . « » Nicht für die Frauen , Gräfin Faustine , für eine Frau . « » Richtig ! ich besinne mich , daß Sie auch nur den Mann der Begeisterung fähig halten . Sie sind consequent , lieber Mengen , consequent in der Verblendung und Parteilichkeit . Nicht wahr , nur die Männer sind consequent ? « » Der Ausgleichung wegen sind die Frauen eigensinnig . « » Das kommt auf eins heraus . « » Nicht ganz ; der Eigensinn beharrt bei Grillen und Launen . Zur Consequenz gehört das Fundament einer bestimmten Ansicht , welche zur Richtschnur wird beim Aufbau des Gebäudes . « » Aber diese Richtschnur kann eben so falsch wie eine Grille sein . « » Falsch allerdings - dann muß der Baumeister sein Gebäude niederreißen . Aber es ist doch kein solcher Wirrwarr in seinem , als in demjenigen Kopf , der ohne Plan baut , der heute für eine corinthische Säulenhalle schwärmt , morgen eine gothische Thür dahinter wölbt , und übermorgen das Ganze mit einem chinesischen Dach krönt . « » So geschmacklos sind die Frauen nicht ! « rief Faustine entsetzt . » Ihr Künstlerauge stößt sich an den falschen Proportionen - « » Und sollte das nicht auch die Seele thun ? « » Ja , wenn sie unverwirrt ist , wenn sie sich nicht von ihrem ersten Plan abbringen läßt , sobald sie den Grundstein dazu gelegt . Aber sagen Sie selbst , sagen Sie die Hand auf dem Herzen : kann man zu einer Frau diese Zuversicht haben ? Sind sie nicht immer schwankend , weil sie schwebend - zerbrechlich , weil sie zart - lenksam , weil sie beweglich sind ? Gräfin Faustine , sind Sie sicher , daß diese Cunigunde , welche jetzt vor unser Aller Augen einen dorischen Tempel aufführt , in dem nur ernste Götter wohnen können - in diesem strengen Styl beharren werde ? « » Nein ! « rief sie fast ängstlich ; » aber schön wird er immer bleiben . Und überhaupt - wo ist denn der Mann , der so endet , wie er begonnen hat ? erfüllt er alle Erwartungen , entspricht er allen Wünschen , überwindet er alle Versuchungen ? reißt nie der Faden , aus welchem er das Gewebe seines Lebens bildet ? « » Er reißt , allein einen andersfarbigen knüpft er nicht an . « » So denken wenig Männer ! daß Sie zu den Ausnahmen gehören , glaube ich gern . « » Die Frauen klagen über den Wankelmuth der Männer , die Dichter singen davon , dicke Bücher sind damit voll geschrieben - und wer mag ergründen , ob der erste Zweifel an Treue , und somit der erste Schritt zum Wankelmuth , nicht zuerst durch die erste Geliebte in die Brust des Mannes gehaucht ward ! « » Was ist Ihnen denn begegnet , daß Sie die Frauen so sehr hassen oder gering achten ? « fragte Faustine mild und traurig . » Welch eines Frevels beschuldigen Sie mich , weil ich zu äußern wage , daß mit der unsäglichen Grazie des Weibes selten jene Kraft sich paart , welche unser Erbtheil worden ist , und welche nothwendig dazu gehört , nicht um eine weltgroße Leidenschaft zu fassen - wol aber um sie festzuhalten . Mich hat nie eine Frau verletzt , vielleicht deshalb - sagte er lächelnd - weil ich Keiner mein ganzes Herz hingegeben ; und wenn ich sage , daß sie schwach sei , so hindert mich das keineswegs , sie zu lieben , ja , die am innigsten zu lieben , deren fliegende Seele ewig eines Schutzes , einer Zuflucht , eines unwandelbaren Haltpunktes bedürfte . « » So muß es auch sein , « sagte Faustine . Beide schwiegen , ernst , in tiefen Gedanken . Unbegreiflich , daß ein Mann auf der Welt außer Anastas so gesinnt ist - sprach Faustine heimlich zu sich selbst . Unbegreiflich ! wiederholte sie und sah Mengen tief und forschend an . Aber