auch die kleinen Würmer geschaffen - man kann dies Alles lieb haben « - setzte sie hinzu , aus ihrem biblischen Pathos zu der Heiterkeit einer kindlichen Spielerei übergehend , und sprang fröhlich auf , um die Thüren nach dem Walde zu öffnen . In Gedanken vertieft , blieb Crecy auf seinem Platze sitzen und blickte ihr nach , als sähe er ein Wunder , was er zu ergründen vergeblich trachtete . Als er aufsah , begegnete er den Blicken des Vaters , der ihn mit einem eigenen Ausdrucke milder , ernster Wehmuth betrachtete . - Crecy entzog sich diesem sanften Forschen nicht , ja wünschte fast , ein Anderer durchdränge sein seltsam überfülltes und bewegtes Innere . Er stand auf und nahte sich dem edlen Greise , der ihn still erwartete , und als er vor ihn trat , schwiegen dennoch Beide . Zwischen ihnen stand eine Ahnung , und sie wußten nicht , ob diese , Gestalt gewinnend , sie trennen oder vereinigen würde . Der Abend war indessen herabgesunken - einzelne glühende Lichtstreifen drängten sich durch den Wald und hafteten mit ihrem Purpurlichte an den Säulenstämmen der hohen Buchen , oder zogen glänzende Furchen über den duftenden Rasen . » Seht , « sagte plötzlich das zurückkehrende Mädchen , zu beiden Männern tretend - » in Eurem Walde in Frankreich , da wird , wenn er Euch erst ganz gehört und kein Schuß mehr fällt , um diese Stunde das Wild spazieren gehen und sich seines Lebens freuen ; hier ist Alles leer und verscheucht von der wilden Jagd . - Aber wir , « setzte sie sanft , fast furchtsam hinzu - » wir könnten jetzt spazieren gehen ? « Sie hatte das ihrem Vater gesagt , und er richtete sich sogleich mit milder Freundlichkeit in seinem Stuhle auf ; doch sah Crecy deutlich , wie er einen schwermüthigen Anklang in seiner Seele beherrschen mußte . » Du hast Recht , Fennimor , « sprach er , zum Weggehen ihre Hand fassend , » und da wir unsern Gast nicht länger seinem Wirthe entziehen dürfen , so wollen wir ihn den schönsten Weg durch den Park dem Schlosse zuführen . « Leonin fühlte erst jetzt , was er gänzlich vergessen hatte , wo und bei wem er hingehöre . Er schien sich heute erst angekommen , heute erst an der rechten Stelle , und jenes Schloß mit seinen Bewohnern lag so weit ab und war in eine solche Fremdheit zu ihm getreten , daß er seiner ganzen Besonnenheit bedurfte , um sich zu überzeugen , er müßte dahin zurück . Doch nicht eher trennte er sich von seinen neuen Freunden , als bis sie ihm beide erlaubt , am andern Tage wieder zu kommen , und er kehrte nun in Schloß Stirlings ein , aber ein anderer Mensch , als er es verlassen hatte . Beinahe zaghaft näherte sich Leonin den Gesellschaftszimmern , in denen er sein Ausbleiben bemerkt und sich den Fragen der guthmüthigen Familie ausgesetzt fürchten mußte , die eben jetzt zu beantworten , ihm unbeschreiblich lästig schien . Doch er fand schon in den Gängen und Vorzimmern unter den Domestiken eine ungewöhnliche eilfertige Unruhe , und erfuhr von dem etwas langsamer daherschreitenden alten Haushofmeister , daß die Frau Gräfin eine Botschaft aus Edinburg von ihrer , wie zu fürchten stehe , sterbenden Frau Mutter erhalten habe , daß sie sogleich mit ihren Töchtern dahin abreisen werde , wogegen Se . Herrlichkeit der Graf Gersey bei den versammelten Gästen in Stirlings-Bai bleiben würde , die nächsten Nachrichten von seiner Gemahlin hierselbst abwartend . Leonin konnte nun selbst fragend und anredend eintreten , und die Theilnahme , die er empfänglich war zu fühlen , setzte ihn in die richtige Stimmung zu seinen gütigen Wirthen . Milady Gersey mit ihren Töchtern waren schon in Reisekleidern in dem Kreise der Gäste , die Anmeldung der Wagen erwartend . Tief bekümmert über den möglichen Verlust ihrer nahen Verwandten , hatten die guten Menschen doch auch die sorgsamsten Gedanken für ihre zurückbleibenden Gäste , und indem sie alle einzeln baten , Stirlings-Bai nicht zu verlassen , sondern dem bekümmerten Grafen beizustehen , wollten sie noch für die besonderen Wünsche eines Jeden liebreich sich bemühen ; und besonders an Leonin richteten sich die guthmüthigsten Vorschläge und Besorgnisse sogar für die Annehmlichkeit seiner Lage , da die Frau Marschallin von Crecy und ihr Wunsch in Bezug auf diesen Sohn , dieselbe zu einer besonderen Verpflichtung für sie gemacht hatte . Niemals war Leonin vielleicht weniger um seine Unterhaltung besorgt , als eben jetzt , und die freundliche Art , wie er sie darüber beruhigte , machte ihn liebenswürdiger erscheinen , als sie ihn bisher erkannt hatten , und endlich stellte das freudig geleistete Versprechen , Stirlings-Bai vor der anberaumten Zeit nicht zu verlassen , sie gänzlich um ihn in Ruhe . Von allen Anwesenden bis an ihre Kutschen begleitet , setzte sich endlich der schwerfällige Reisezug in Bewegung . - Leonin hatte hier Gelegenheit wahrzunehmen , wie wahrhafte Güte des Herzens in entscheidenden Lebensmomenten den Mangel einer höheren Bildung , die das tägliche Leben mit seinen kleinen Anforderungen oft so drückend vermissen läßt , ausreichend zu ersetzen vermag , und wie in solchen Augenblicken das unverdorbene Herz den sanftesten , zartesten Rath zu Anderer Hülfe und Trost zu geben vermag . Diese rauhen Jäger waren alle so still und ehrerbietig gegen die sonst wenig beachteten Frauen geworden ; sie blieben nach ihrer Abreise so still bei dem nachdenkendern Hausherrn versammelt , und ernstere Beziehungen ihrer gegenseitigen Verhältnisse kamen zur Sprache und hemmten das wüste Geschwätz lächerlicher Jagdlügen , womit sie sonst einander zu ärgern trachteten und oft zu heftigen , rohen Scenen Veranlassung gaben . Zum ersten Male fiel es dem jungen Grafen leicht , unter ihnen zu bleiben und an ihrem Gespräche Theil zu nehmen . Er benutzte noch denselben Abend , als die Gesellschaft sich getrennt hatte , diese ihm bisher so fremde Stimmung seiner Mutter zu schreiben ,