und gingen dann , ein jeder zu seinem Gehöfte . Der Hofschulze , dem im Laufe einer Stunde mit allen Menschen , die sich bei ihm zusammengefunden hatten , jegliches Vornehmen geglückt war , trug erst die erwonnene Anerkennungsurkunde auf die Kammer , worin er das Schwert Caroli Magni verwahrte , dann ging er mit dem Knechte auf den Futterboden , um den Hafer für die Pferde ihm zuzumessen . Drittes Kapitel Der Oberhof » Westfalen bestund aus einzelnen Höfen , deren jeder seinen eigentümlichen und freien Besitzer hatte . Mehrere solcher Höfe machten eine Bauerschaft aus , die gewöhnlich den Namen des ältesten und vornehmsten Hofes führte . Es gründet sich in der ersten Anlage der Bauerschaften , daß der älteste Hof auch der erste im Range bleiben und der vornehmere werden mußte , wo von Zeit zu Zeit die davon ausgegangenen Kinder , Enkel , Hausgenossen zusammenkamen und einige Tage feierten und zechten . Der Anfang , oder das Ende des Sommers war die gewöhnliche Zeit dazu , wo jeder Hofbesitzer etwas von seinen gezogenen Früchten und auch wohl ein junges Stück Vieh zum Bauermahl mitbrachte . Man besprach sich über mannigfaltige Gegenstände und nahm Rücksprache , Heiraten wurden da geschlossen , Todesfälle angezeigt , und der Sohn als eingetretenes Haupt seines väterlichen Erbes erschien dann gewiß mit volleren Händen und ausgesuchterem Viehe bei seinem ersten Eintritt in die Versammlung . An Zwisten konnte es bei solchen Freudentagen nicht fehlen , dann trat der Vater als Haupt des ältesten Hofes in die Mitte und legte mit Einstimmung der übrigen den Zank bei . Wurden einige Hofbesitzer während der andern Jahrszeit irgendeiner Ursache halber uneins , so brachten beide bei der nächsten Versammlung ihre Beschwerde vor , und beide waren damit zufrieden , was ihre Mitgenossen für gut oder recht fanden . War alles aufgezehrt , der zur Feier bestimmte Baum ausgebrannt , so hatte das Fest , die Versammlung ein Ende . Jeder kehrte dann zurücke , erzählte seinen zu Hause schon wartenden Hausgenossen die Begebenheiten des Festes und ward mit ihnen lebendige und stets fortdauernde Urkunde aller Vorfälle ihrer Bauerschaft . Dergleichen Zusammenkünfte hießen Sprachen , Bauersprachen , weil sämtliche Hofbesitzer einer Bauerschaft , um sich zu besprechen , zusammenkamen , und Bauergerichte , weil hier die Irrungen der schon stillschweigend in einen Verein getretenen Männer beigelegt oder zurückgewiesen wurden . Da die Bauersprachen und Bauergerichte beim ältesten oder vornehmsten Hofe gehalten wurden , so hieß solcher Hof auch Richthof , und die Bauergerichte und Bauersprachen auch Hofsprachen und Hofgerichte , welche bis auf heutigen Tag noch nicht ganz verschwunden sind . Der älteste Hof , der Richthof ward nun im vorzüglicheren Sinne Hof genannt , womit man den Haupthof oder Oberhof in der Bauerschaft und dessen Besitzer als das Haupt oder den Hauptmann der übrigen bezeichnete . So hätten wir ungefähr die Entstehung von dem ersten Vereine und den ersten Gerichtsanstalten der westfälischen Höfe oder Bauerschaften . Sie kann uns um desto weniger befremden , wenn man bedenket , daß Westfalens ehemalige Gestalt nur eine langsame Bevölkerung und allmählichen Anbau verstattete , und dieses allmähliche Fortschreiten gerade so zu den simplen und einförmigen Einrichtungen , als zu der gleichen Bildung , Sitte und Gewohnheit führte , die wir bei Westfalens alten Bewohnern antreffen . « Diese Stelle aus Kindlingers » Münsterischen Beiträgen « führt uns auf den Schauplatz der Handlung . Sie verdeutlicht uns den Helden der letzteren , den Hofschulzen . Er war der Besitzer eines der größten und reichsten Haupt- oder Oberhöfe , welche in den dortigen Gegenden , freilich jetzt bis zu geringer Anzahl zusammengeschmolzen , liegen . Über diese uralten Wehren freier Männer ist der Atem der Zeiten markenverrückend und rechtetilgend hingefahren . Die anfängliche germanische Genossenschaft , in welche jeder nur eintrat , Leibes und Lebens sicher zu werden , nicht , Leib und Leben zu verlieren , ist längst zerstört ; der Vasallendienst hat an der Freiheit gerüttelt , die Ministerialität hat daran gerüttelt , und endlich sind die Trümmer eigenartiger Selbständigkeit in den großen Not- und Bergehafen des modernen Staats getrieben worden . In diesem schwimmen sie ( um dem Gleichnisse treu zu bleiben ) , stoßen und prallen aneinander an , oder sind auch wohl seitwärts auf das Trockne geworfen . Dort verwittern sie , mit Tang , Flechten und Schneckenhäusern besetzt , nach und nach , während jener Überzug den Schein eines neuen Gebildes fortsetzt . Aber es ist etwas Merkwürdiges um die ersten Stammerinnerungen , und die Völker haben ein so langes Gedächtnis , wie die einzelnen Menschen , denen ja auch die Eindrücke der frühesten Kinderzeit bis in das höchste Alter hinauf getreu zu bleiben pflegen . Erwägt man nun , daß eines Menschen Leben neunzig währen kann und darüber , daß der Völker Jahre aber Jahrhunderte sind , so ist es weiter nicht zu verwundern , daß in den Gegenden , in welche sich unsere Geschichte nunmehr begeben hat , manches noch hin und wieder aufstößt , welches nach der Zeit zurückweist , in welcher der große Frankenkaiser die eigensinnigen Sassen mit Feuer und Schwert zu bekehren wußte . Weckt also die Natur da , wo sonst der oberste Richter und Erbe der Gegend wohnte , wieder einmal besondere Eigenschaften in einem Menschen auf , so kann an den jahrtausendalten Erinnerungen und zwischen den Grenzen und Gräben , die doch noch erkennbar sind , eine Gestalt erwachsen , wie unser Hofschulze , eine Gestalt , deren Geltung zwar von den Mächten der Gegenwart nicht anerkannt wird , welche aber für sich selbst und bei ihresgleichen einen längst verschwundenen Zustand auf einige Zeit wiederherstellt . Doch das klingt für diese Arabeskengeschichte zu ernsthaft . Sehen wir uns lieber im Oberhofe selbst um ! Wenn das Lob der Freunde immer ein sehr zweideutiges bleibt , so darf man dagegen dem Neide der Feinde vertrauen , und am glaubwürdigsten ist ein Pferdehändler , der die guten Umstände eines Bauern herausstreicht , mit welchem er nicht des Handels