und die zunehmende Dunkelheit versteckten ihr Gesicht . Doch war dem Hute selbst , mit seinem verbrauchten Putz von bunten Blumen und schlaffen , eingeknickten Federn , das widrig Fratzenhafte ihrer ganzen Erscheinung auf den ersten Blick anzusehen . Wahrscheinlich mochte sie die , in Ulmenstein erhandelten Herrlichkeiten nicht bequemer haben fortbringen können , als auf dem eigenen Körper . So hatte sie dann den fremden Staat übergeworfen , und streckte nun die nackten , gemeinen Hände , die auf einem knotigen Bettelstabe ruhten , aus Flor , Stoff und anderm farbigen Modetand hervor . Eben so ragten ihre schlecht und grob beschuheten Beine weit unter den kurzen , auf zierliche Figürchen angepaßten Röcken heraus . Es war ein rasender Anblick ! Sie blieb auf Walters Ruf stehen . Er schickte sich an , ihr zu folgen . Ich schlich hinten drein . Im Stalle drüben , wo ich mein Pferd abholen wollte , fand ich jetzt noch die beiden Vorerwähnten . » Wer ist von Fremden drinnen im Hause ? « fragte ich den Burschen . » Der junge Baron von Wildenau , « war die Antwort . » Der Baron ? « rief ich , » was will der hier ? « » O er besucht uns öfter , « entgegnete jener . » Er macht es , wie der Herr Graf , er läßt sein Pferd hier , und streift in der Gegend umher . « Sonderbar ! dachte ich , daß wir uns nie begegneten . Ich ging mechanisch nach dem Hause . Die Wirthin kam mir entgegen . Sie hat immer ein eigenes Zimmerchen für mich frei . Heute waren zwei Gäste darin , jener Leontin von Wildenau und ein Geistlicher . Ich begrüßte beide , und sagte , um etwas zu sagen : » Hier neben im Zimmer befindet sich eine Carricatur , wie sie nicht toller ersonnen wird ! « Das Ungewöhnliche reizt in Jedem die Neugier . Der Baron öffnete in demselben Augenblick die Thüre nach der anstoßenden Gaststube . Hier saß nun die alte Marthe so buntscheckig ausstaffirt , daß ich sie mit lautem Gelächter begrüßte . Auf das Geräusch wandte sie den Kopf nach mir hin . Sie sah nur aus einem Auge , mit halb wahnwitzigem , halb pfiffigem Blick , der Mund war nach einer Seite verzogen , so , als lächelte sie schalkhaft , während das graue , verschrumpfte Gesicht etwas Weinerliches hatte . Ich stand mit unterschlagenen Armen dem widrigen Geschöpfe gegenüber . Sie kam mir wie ein Spuk vor , der dem Sarge entschlüpft , mit den Lappen der Narrheit geschmückt , von der Welt nicht loskommen kann . Leontin hatte sich sogleich mit den trocknen Worten : » Ich kenne das ! « zu dem Geistlichen zurück gewandt . Der Hausirer näherte sich mir . Mein festgewurzelter Blick auf die fremde Erscheinung mochte ihn zu einer Erklärung über diese auffordern . » Es ist zu Zeiten nicht richtig mit ihr , « flüsterte er mir ins Ohr . » Eine Liebschaft , aus der nichts ward , späterhin Einsperrung und Krankheit haben sie gestört . « » Wer ist sie ? « fragte ich , eben so leise , ohne gleichwohl die Augen von ihr abzuwenden . » Was treibt sie sich Nachts so unstät umher ? hat sie kein bleibendes Obdach ? « Walter belehrte mich : sie sei eines Gärtners Tochter aus der Residenz , habe Blumen ausgetragen , und durch diese und ein hübsches Gesicht , Zutritt in vornehmen Häusern gefunden . Was sie dort sah und hörte , reizte sie über die Maaßen . Reichthum und Glanz dünkten ihr beneidenswerthe Güter . Sie fing an , sich herauszuputzen . Ein Theil ihres Verdienstes ging damit hin . Die Eltern verdroß das ; sie zankten mit ihr . Aus Aerger , und da sie längst auf ein besseres Glück hoffte , hing sie sich vollends an einen Mann , der ihr Kleider , Ringe , Bänder und andere Narrenspossen , aber nie seine Hand gab . Plötzlich war er fort . Sie hörte nichts weiter von ihm . Die Eltern hatten aus Schaam über die Tochter Stadt und Gegend verlassen . Marthe blieb , wie ausgesetzt in die Welt , allein zurück . Anfangs suchte sie einen Dienst in guten Familien zu bekommen . Ihr verrätherischer Putz , von dem sie nicht lassen konnte , erweckte Mißtrauen , die Thüren blieben ihr verschlossen . Gram und Noth hatten sie angegriffen . Sie wollte sich zu den Eltern hinbetteln . Aber sie vermochte es nicht , die Kräfte versagten ihr , auch hielten sie die Stadt mit ihrem immer noch lockenden Geräusch , den Kutschen und Pferden , prächtigen Häusern und geputzten Leuten , fest . Sie wankte wie ein Schatten zwischen dem Allen hin , und nährte sich von Almosen . An einem heißen Sommermorgen sank sie erschöpft auf die Stufen eines kleinen Ladens nieder . Eine Jüdin , welche Trödelkram führte , von Versatz und Borg lebte , verschmitzt war , Jegliches zu benutzen wußte , und eben eine Magd brauchte , die mit geringem Lohn und kargem Unterhalt zufrieden sein mußte , hatte nicht sobald den Fuß auf die Treppe gesetzt , und die ohnmächtige Person erblickt , als sie diese aufrüttelte , sie angebrannte Federn und Knoblauch riechen ließ , und mit Hülfe eines Handlangers von der Straße in ihre Wohnung trug . » Hier , « so schloß Walter , » ist Marthe so lange geblieben , bis sie , nach dem Tode der Israelitin , deren Gewerbe allein fortführte , und , obgleich nach jener Ohnmacht mit verzerrten Gesichtszügen und wirren Gedanken einhergehend , hat sie doch den Ruf einer klugen Frau , oder gar Prophetin in solchem Maaße behauptet , daß sie von Vornehmen besucht , in angesehene Häuser beschieden , und oft ihre List zu geheimen Zwecken benutzt wird . « » Was macht sie denn so berühmt ? « fragte ich , mit