dienen ? « » Schweige mit den alten Grillen ! « fuhr Veit trotzig auf : » Du reizest jetzt meine Galle . Dienen , schon dieß Wort allein rechtfertigt meine Weigerung . Ich diene dem Kaiser selber nicht , und will mich eben so wenig , als die Base in ein reichsstädtisches Spital gehört , um ein paar Ellen Tuch an die Zunftkönige verdingen , die hier das Wort führen . Ich will meinem Stande gemäß leben , und wenigstens frei seyn , ohne Eurer Bürgermeister Brod zu essen . « » So gehe und sey frei ! « entgegnete Margarethe : » Du bist auf dem besten Wege . Geh hinaus , plündere und faullenze . Werde der Schrecken der Kaufleute und Handwerksgesellen , und mäste Dich von ihrem Schweiß . Ich thue nichts mehr für Euch , und verweise Dich in Treuen auf das Gewerbe , das Dir längst kein fremdes mehr ist . « » Wer kann mir das beweisen ? « fragte Veit höhnisch : » Und thäte ich ' s , was wär ' es anders , als was die meisten meines Gleichen thun . « » Schäme Dich , roher Mensch ! « rief Margarethe : » Du schändest unsern Namen . Du bist der Spießgeselle aller Nachtreiter , die das Land unsicher machen . Der Verdacht , den Mord des Pfarrherrn von Bonames verursacht zu haben , der vor zwei Jahren in der Frühe zur Kirche gehend , von Schandbuben erschlagen wurde , ruht auf Dir . Du hattest ihm blutige Rache geschworen , weil er Dich im Beichtstuhl nicht losgesprochen . « » Lügen ! « entgegnete Veit ; aber sein Ton wurde gemäßigter . Die Schwester fuhr indessen fort : » Auf diesen Verdacht hin hat man Dir die Stadt verboten . Wie kannst Du wagen , hier zu erscheinen ? Mensch , Du steckst den Hals selbst in die Schlinge . « » Am heutigen Fest ist die Stadt ihren ärgsten Feinden erlaubt bis Sonnenuntergang ; « versetzte Veit : » ich weiß , wie weit ich mich wagen darf . Ich bin nicht so einfältig , wie der Wernher von Hyrzenhorn , der sich neulich fangen ließ , und nun auf dem Eschenheimer Thurme sitzt ; im Trocknen zwar , aber in Eisen und Frost . Entsinnst Du Dich noch des riesigen Kumpans der einst von Herzen gern um Deine Hand gefreut hätte ? « » Der grobe Junker mit den Sitten eines Troßbuben ist mir allerdings noch im Gedächtniß , « antwortete Margarethe : » unser Vater war vor Zeiten sein Treuenhänder und Vogt . « » Pfleger und Mündel verjubelten gemeinsam ihr bischen Gut ! « schaltete Veit ein : » ' s war eine lustige Wirtschaft . Höre , den wackern Kämpen könntest Du , früherer Bekanntschaft eingedenk , aus seinem Käfich befreien , wenn Du wolltest , oder ihm mindestens zu billigern Bedingungen verhelfen , denn man will ihn nicht eher der Haft entlassen , als bis er seinen Thurm zu Wettershausen der Stadt zu Lehn gestellt , vierhundert Gulden als Lösegeld erlegt , und vier adeliche Freunde vermocht hat , sich gleich ihm der Stadt zu Mannen zu verschreiben . Das Erste thut er nicht , das Zweite kann er nicht , und das Dritte thun die Andern nicht . « » Was soll ich für ihn bewirken können ? « fragte Margarethe befremdet . - » Das Vorteilhafteste , « erklärte Veit , » und das war mit zum Theil der Grund meines Ritts hieher . Mir ist es wohl bewußt , daß der Schultheiß Dich liebt , und ein Wörtlein aus Deinem minnekosigen Munde setzt den Waffenbruder in Freiheit , ohne daß ihm besonderer Schaden zugefügt wird . « » Was kannst Du mir zumuthen ? « fragte Margarethe staunend und bestürzt : » Welchen Begriff machst Du Dir von meinen Sitten , meiner Zucht ? Ich liebe den Schultheiß nicht . « » Thue nicht so heilig , mein Täublein ! « versetzte Veit lachend : » Wir wissen das besser . Der Schultheiß ist ein stattlicher Mann ; stattlicher noch , als Dein guter Stiefsohn , der Dir auch gar hold war , und Dein Eheherr ein Lazarus , ein alter Lazarus obendrein , dessen gichtbrüchige Beine ihm den Dienst versagen , weil er sie nach 66 Jahren noch nicht zur Ruhe legen will . « » Frecher Spötter ! « sprach Diethers Frau , erröthend im stolzen Unwillen : » Beuge Dich vor den grauen Haaren meines Herrn , dem Du Ehrfurcht schuldig bist . « - » Ehrfurcht ! Ei warum denn ? « lachte der Bruder : » Etwa deßhalb , weil er mich darben läßt , und Dich angesteckt hat mit seinem schmutzigen Geize ? Oder , weil er gegenwärtig auf dem Römer sitzen und die Geschenke mit empfangen darf , die der Pöbel seinen saubern Herren bringt ? Wohl bekomme ihm das Würzgeschenk und die Malvasiersuppe , die ihm die Juden bringen ; Gott gesegne ihm die Honigkuchen mit denen die weißen Frauen den Rath heute bedanken . Lieber wär ' es mir jedoch für Dich und mich , Du hättest ihn schon zu Tod geärgert , und man sänge das De Profundis über seinen starren Leib . Du hättest dann nicht Noth , den Tugendspiegel länger vorzustellen , und ich würde am Ende Vormünder über Deinen Buben , der leider Frosch heißen muß , ob er gleich - ich schwöre darauf - kein Frosch ist . « Diese gemeine Zweideutigkeit fertigte die Verletzte mit einem verächtlichen Blicke ab , weigerte sich jedoch hartnäckig den Knaben herbeibringen zu lassen , welches der werthe Oheim angenehm dringend , wie immer verlangte ; und während dieser Weigerung kam Diether im völligen Staate eines Schöffen nach Hause . War Margarethens Staunen bei dem Anblick des unwillkommenen Bruders groß gewesen , so überstieg das unmuthige Befremden Diethers dasselbe noch bei Weitem . Die Ungezogenheit des Gastes ließ es