einsam und ohne Liebe gewesen wäre , und doch war sie gewiß recht schön und eines vornehmen reichen Ritters Kind . Doch ist nicht der Junker noch viel schlimmer daran ? dachte das gutherzige Schwabenkind weiter ; dem Fräulein hatte ja der Vater jetzt Nachricht von ihm gebracht , aber er , er wußte ja seit vielen Tagen kein Wörtchen von ihr ; denn früher wußte er nichts von sich selbst , und seit er wieder ganz bei Leben war , konnte er auch nichts wissen ; darum hatte er wohl die Binde , die er gewiß von ihr hatte , so beweglich angeschaut und ans Herz und den Mund gedrückt ? Sie nahm sich vor ihm zu erzählen , was in jener Nacht vorgegangen sei , vielleicht ist es ihm doch ein Trost , dachte sie . Georg hatte bemerkt , wie die fröhliche Miene des spinnenden Bärbeles nach und nach ernster geworden war , wie sie über etwas nachzusinnen schien , ja er glaubte sogar eine Träne in ihrem Auge bemerkt zu haben . » Was hast du , Mädchen « , sagte er , als die Mutter gerade das Zimmer verlassen hatte ; » warum wirst du auf einmal so still und ernst ? und netzt ja sogar deine Fäden mit Tränen ? « » Send denn Ihr so lustig , Junker ? « fragte Bärbele , und sah ihm recht fest ins Auge ; » i han gmoint , es sei vorig ebbes aus Eure Auga grollt , was selle Binde dort gnetzt hot . Sell hent Er gwiß vo Eurem Schätzle , und jetzt tuet Ichs loid , daß Er et bei er sind . « A17 Sie mochte nahe ans Ziel getroffen haben , denn der junge Mann errötete tief über ihre Frage . » Du hast vielleicht recht « sagte er lächelnd , » doch bin ich deswegen nicht gar zu traurig ich werde sie bald wiedersehen . « » Ach , was des für a Freud sein wird in Lichtastoi « , entgegnete Bärbele mit einem schelmischen Seitenblick . Georg erstaunte ; sollte ihr der Vater von dem Geheimnis seiner Liebe etwas gesagt haben ? » In Lichtenstein ? « fragte er sie , » was weißt du von mir und Lichtenstein ? « » Ach , i mag ' s dem gnädigen Fräule wohl gönna , daß se wieder amol a Freud hot ; mer hot mer gsait , sie häb rechtschaffa g ' jomeret , wie Er so krank gwe send . « A18 » Gejammert sagst du ? « rief Georg , indem er aufsprang und zu ihr trat ; » so wußte sie um meine Krankheit ? O sage , was weißt du von Marie ? kennst du sie ? Was sagte der Vater von ihr ? « » Der Vater hot koi Sterbeswörtle zu mer gsait , und i wißt au net , daß es a Fräule von Lichtastoi geit , wenn et mei Bas ihr Amm wär . Aber Er müeßet mer ' s et übel nemma , Junker , dasse a bissele g ' horcht hau ; gucket des Ding ist so ganga : « A19 Sie erzählte dem Junker wie sie hinter das Geheimnis gekommen sei , und daß der Vater , wahrscheinlich um guten Trost zu bringen , nach Lichtenstein gegangen sei . Georg wurde schmerzlich bewegt durch diese Nachricht , er hatte bis jetzt geglaubt , Marie werde die Nachricht seines Unfalls zugleich mit der tröstlichen Kunde seiner Genesung erhalten ; und jetzt mußte er erfahren , daß sie mehrere bange Tage in Ungewißheit geschwebt sei ; in der schrecklichen Ungewißheit , ob er nicht hier noch entdeckt werde , ob er gerettet werde , ob sie ihn je wiedersehen würde ; er kannte ihr treues Herz , und wie lebhaft konnte er sich ihren Kummer denken ! Wahrlich , sein eigenes Unglück schien ihm gering und nicht zu beachten , wenn er sich den Jammer des teuren Mädchens vorstellte . Wieviel hatte sie in Ulm gelitten , wie schmerzlich war ihr der Abschied von ihm geworden ; und kaum hatte ihr Herz wieder freier geatmet in dem Gedanken , daß er des Bundes Fahnen verlassen werde , kaum hatte sie ein wenig heiterer in die Zukunft gesehen , so kam ihr die Schreckensbotschaft von der tödlichen Wunde . Und dieses alles vor den Blicken des Vaters verschließen zu müssen , diesen großen Schmerz allein tragen müssen , ohne eine , auch nur eine Seele zu haben , bei welcher sie weinen , bei welcher sie Trost suchen konnte . Jetzt füllte er erst , wie notwendig es sei , schnell nach Lichtenstein zu eilen , und seine Ungeduld wurde zum Unmut , daß jener , sonst so kluge Mann , gerade in diesen kostbaren Augenblicken so lange ausbleibe . Das Mädchen mochte seine Gedanken erraten , » I sieh wohl , Er möchtet gern von ich fort ; wenn no der Vater do wär , denn alloi fendet Er da Weg noch Lichtastoi net ; Er send koi Witaberger , des merke an der Sproch , und so kennet Er leicht verirra . Wisseter was ? i lauf em Vater entgege und mach , daß er bald kommt . « A20 » Du wolltest ihm entgegengehen ? « sagte Georg , gerührt von der Gutmütigkeit des Mädchens , » weißt du denn , ob er schon in der Nähe ist ; vielleicht ist er noch stundenweit entfernt , und in einer Stunde wird es Nacht ! « » Und wär ' s so Nacht , daß mer da Weg mit de Händ greifa müeßt , und müeßet e laufa bis Lichtastoi , i wett ' s gern dauh , Er kommet jo no bälder zu - « A21 errötend schlug sie die Augen nieder , denn trieb sie auch ihr gutes Herz , sich zum Liebesboten des Ritters anzubieten , so schämte sie sich doch , jenes zarte Verhältnis , das