bei dem Getöse der ersten Erdschollen , die auf Miß Mortimers Sarg herabrollten , mich zerrissen hatte . Es war schon ziemlich dunkel , wie ich den Pfarrhof erreichte . Mein schüchternes Klopfen ward nicht gleich gehört , dennoch erwartete man mich in dieser Stunde , und der Gedemüthigte ist sich so lebendig bewußt , wie ihm neue Verletzung erspart werden könnte . Mein Entschluß , bei dem Eintritt in meine neue Freistätte den ersten Eindruck nicht über mich entscheiden zu lassen , wurde wankend , und statt mein Klopfen zu wiederholen , lehnte ich meinen Kopf weinend an diese Thür , die einzige auf Erden , die mir Aufnahme versprochen , und an die ich nun vergeblich geklopft hatte . Die Ankunft des Geistlichen endigte dieses schwächliche Hingegebenseyn in die Nebenumstände eines harten Looses , welches ich , im Ganzen , muthig übernommen hatte . Er klopfte heftig an , indem er mich um Verzeihung bat , durch unerläßliche Amtsverrichtungen , mich persönlich in sein Haus abzuholen , verhindert gewesen zu seyn . Auch auf sein Klopfen ward die Thür nicht sogleich geöffnet , doch man sah Lichter durch die Zimmer tragen , hörte Thüren schlagen , Treppen auf- und ablaufen , endlich ging die Thür auf , und eine Magd , athemlos vor Eile , leuchtete uns die Treppe hinauf . » Ich hoffe , liebe Miß « , sagte der Geistliche im Hinaufsteigen , » Sie sollen sich , sobald meine gute Frau ihre Geschäfte alle abgethan hat , einheimisch bei uns fühlen . « - Diese Bedingung schreckte mich auf ; » es würde mir sehr leid thun , wenn Frau * * * durch meine Gegenwart belästigt würde « , erwiederte ich bestürzt . - » Wenn das nur möglich seyn könnte , dann wäre sie recht in ihrem Element ! « rief mein neuer Wirth mit etwas erzwungner Heiterkeit und öffnete die Thür des Vorzimmers . Ich nahm in dem Augenblicke wahr , wie die Hausfrau von einem Stuhl herabstieg , von dem aus sie eine von der Decke herabhängende Lampe angezündet hatte , sie band schnell eine farbige Schürze ab , warf sie in einen Winkel und kam mit einem Schwall von Worten , die mich zu bewillkommnen gemeint waren , auf mich zu . Man hatte einmal in meiner Gegenwart gesagt , die Pfarrerin sey eine gebildete Frau , und diese Eigenschaft hatte vorzüglich meinen Widerwillen , die Wohlthat ihres Gatten anzunehmen , vermindert . Unsre Eitelkeit sucht sich bei der vollständigsten Ergebung doch noch eine Befriedigung vorzubehalten ; indem ich willig den Vorzügen entsagte , die mir das Schicksal entrissen , glaubte ich bei einer Frau von Bildung Anklänge gleicher Empfindungen mit den meinen hoffen zu können . Dieser Empfang schien meinen Hoffnungen wenig zu entsprechen . Mich mit lauter Entschuldigungen über die Einfachheit ihrer Bewirthung und Voraussetzung der Fülle , welche ich so eben verlassen habe , demüthigend , geleitete sie mich in das Gesellschaftszimmer und drückte mich durch die Unfeinheit , mit der sie ihren Mann , mir den ersten Platz anzuweisen , erinnerte , zu Boden . Ich hielt es für meine Pflicht , ein Gespräch mit ihr zu beginnen , allein ihre gespannte Aufmerksamkeit auf jedes Geräusch , das aus der nahen Küche zu uns hertönte , machte sie dazu ganz unfähig , sie wendete den Kopf mit dem Ausdruck der größten Ungeduld auf die Seite der Thür , rückte auf ihrem Stuhl hin und her , bis ein Scherbengeklingel von zerbrochnem Porzelan ihr die Fassung entriß , und sie , die Hände über dem Kopf zusammenschlagend , aus dem Zimmer lief . Der Pfarrer war diese Auftritte wahrscheinlich gewohnt , oder wollte durch seine Ruhe das durch seine Frau gestörte Gleichgewicht wieder herstellen ; er rückte , ohne sich stören zu lassen , seinen Stuhl näher zu mir und begann von einer neuen Flugschrift zu sprechen . Doch da war ' s eine Kunst , den Faden des Gesprächs festzuhalten , indeß in der anstoßenden Küche Zank , Scheltworte und Befehle abwechselten ; endlich aber griff ein unverkennbarer Ton und das darauf entstehende Geheul des Hundes des guten Pfarrers Herz an seiner empfindlichen Stelle an , er ward feuerroth , sprang auf , machte drei rasche Schritte und kehrte dann mit dem fragmentarischen Selbstgespräch : ein Glück , daß die Kinder alle zu Bett sind ! sein Gespräch wieder anzuknüpfen , auf seinen Sessel zurück . Endlich wurden wir zum Abendessen gerufen . Meine Wirthin suchte mich mit freundlichen Blicken zu empfangen , aber ihre zuckenden Mundmuskeln verriethen ihre innere Stimmung , und diese obsiegte auch , indem sie mich bitterlich beklagte , von alter , zersprungner Fayence essen zu müssen , weil die Dirne da - sie deutete auf das junge Dienstmädchen , das sichtbar verschüchtert uns aufwartete - ihr so eben drei Dutzend feine Porzelanteller auf Einer Tracht zerbrochen hätte . - » Das ist ein großes Glück , mein liebes Weib , bemerkte der Pfarrer , damit hat sie dir drei Dutzend Zorne erspart , und diesen einen wollen wir nun beseitigen . « - Das war aber nicht in der Gewalt dieses geplagten Ehemanns , sondern der Unmuth seiner Frau ergoß sich in bittere Anschuldigungen der ungeschickten Magd und Klagen über die überwältigenden Mühen einer Hausfrau , der es mit ihren Geschäften ein Ernst sey . - » Der Eifer , sie zu besorgen , ist rühmlich , meine Liebe « , bemerkte der Gemahl mit behutsamem Ton , » doch beurtheile selbst , ob du nicht für die wichtigern Erfordernisse mehr Kräfte erübrigtest , wenn Du kleine Verwaltungszweige , wie Fürsten zu thun pflegen , deinen Ministern überließest ! « - » Dann möchte es in meinem Hause aussehen wie in jener Staaten , und davor behüte mich der Himmel ! Sagen Sie selbst , Miß Percy , haben Sie während Miß Mortimers langer Krankheit nicht die Folgen davon erfahren , wenn die Herrin nicht überall selbst gegenwärtig ist ? «