kein europäischer Staat messen , wo dieses große Wort bedeutungslos ist . Alles , was Du mir übrigens schreibst , macht mir große Freude . Du liebst mich noch , das ist die Hauptsache . Du hast meinen Brief aus Marseille erhalten , auch den , welchen ich einem Kauffahrer am Ausfluß des Delaware mitgab , und hast Dich über mein Schicksal beruhigt . Deine gute Mutter zürnt mir nicht und hat Dir erlaubt , mir von London aus zu schreiben . Das ist viel ! fast mehr , als ich hoffte . Möge doch Dein Vater lebenslang dieses strenge Stillschweigen über mich beobachten , ich werde ihn niemals an mein Dasein erinnern . Man denkt auf eine Heirat für Dich ? Möge die Wahl glücklich sein , mögest Du so glücklich werden , als ich zu sein hoffe . Du gibst mir doppelte Adresse , unter welcher ich Dir schreiben soll . Das macht mir unbeschreibliche Freude , und ich danke Dir tausendmal für diese Maßregel . Nun scheint es mir , als wären wir gar nicht getrennt , höchstens nur durch Meilen , durch einige Berge , einige Flüsse . Was ist es denn mehr ? Ein Schnellsegler kann Dir meine Gedanken in wenigen Wochen überbringen , und ebensoschnell kann ich Deine Antwort erhalten ! Mucius grüßt Dich aufs herzlichste . Er liebt Dich in dem Bilde , welches ich ihm , immer von neuem , von Dir entwerfen muß und wozu ich jetzt oft einige Ähnlichkeiten von Philippinen borge , welche Dir wirklich , in manchen Stücken , verglichen werden kann . Auch sind es diese Ähnlichkeiten , welche mich zuerst zu dem lieben Mädchen hinzogen . Wir leben hier ein seliges , obwohl erwartungsvolles Leben und sehnen uns von allen Seiten nach Williams Ankunft , die Mutter , weil sie für ihn fürchtet , wir andern , weil wir auf ihn hoffen . Gewiß wird seine Gegenwart die Spannung lösen , welche man jetzt nur zu verbergen sucht . Philippine und Pinelli scheinen heimlich auf seine Verwendung zu rechnen . Ihre Wünsche stehn leserlich in ihren Mienen geschrieben , aber die Eltern geben sich das Ansehn , sie nicht zu verstehen ; zu reden wagt niemand , Philippine ist stumm , aus Schüchternheit , wir Fremden schweigen , aus Mangel an Recht . - Die Freunde haben die Bekanntschaft zweier trefflichen Männer gemacht , eines Schweizers und eines Deutschen namens Stauffach und Walter , und auch diese bei uns eingeführt ; beide gefallen uns sehr . Der erste ist ein junger Apotheker , welcher aus leidenschaftlicher Liebe zur Gewächskunde einen großen Teil der südlichen Provinzen bis Mexiko durchwandert hat ; der zweite stammt aus einer hannöverischen Familie und studierte in Hofwyl die Landwirtschaft , wo er mit Stauffach bekannt wurde . Seine Mutter gewann einst in einer englischen Lotterie ansehnliche , aber wüste Ländereien am Ohio . Bei der Entfernung und dem langen Kriege waren alle Nachforschungen fruchtlos . Man nannte die Besitzungen scherzend die Güter im Monde . Der Vater war tot , der Bruder blieb im Kriege , die Mutter folgte ihren Lieben in kurzem nach und hinterließ ihrem jüngsten Sohne ein kleines Vermögen nebst den Urkunden über die amerikanischen Ländereien . Walter hatte keine nahen Verwandten und keine lockenden Aussichten in den bedrängten Ländern der Alten Welt , daher nahm er sein ganzes Eigentum zusammen und folgte seinem schweizerischen Freunde lustig in die Neue . Er wurde der unzertrennliche Gefährte seiner Wanderungen und durchstreifte auf diesen auch seine Besitzungen . Ihre Lage und ihr ergiebiger Boden entzückten ihn . Sie wurden , unter Aufsicht der Ohio-Gesellschaft , verwaltet , doch nur äußerst nachlässig , da sich kein Eigentümer meldete ; kaum der fünfzigste Teil war urbar , und dennoch fand er diesen schon hinreichend , seinen Unterhalt zu sichern . Er eilte , sich als rechtmäßigen Besitzer auszuweisen , und denkt jetzt darauf , sich in den Stand zu setzen , dort angenehm und bequem zu leben . Diese Angelegenheit ist eine Hauptunterhaltung der jungen Männer , woran auch ich immer mehr teilnehme . Der Italiener nennt den jungen Mann scherzend bald Fürst Walter , bald Walter Robinson , Stauffach und Mucius nennen ihn nur den Penn von Kentucky . Einige Wochen später Große Freude ! gedrängte Neuigkeiten und Begebenheiten ! Was soll ich Dir zuerst erzählen ? und in welcher Reihefolge ? Doch mit dem , was das Herz beschäftigt , fange ich an . William ist angekommen , und ich habe Deine lieben Briefe erhalten . William ist hier , und ich atme aus voller leichter Brust . Als die Nachricht aus dem Hafen einlief , der » Washington « gehe vor Anker , erblaßten wir alle , und mein Herz schlug kaum hörbar . Doch als der edle Mensch , mit seiner festen Haltung , ins Zimmer trat und sein freundliches , Zutrauen forderndes Auge auf mich warf , da war plötzlich meine Ängstlichkeit verschwunden , und ich eilte ihm mit schwesterlicher Zärtlichkeit entgegen . Er bewillkommte mich mit seiner alten Herzlichkeit ; sein Blick ruhete lange auf mir und überflog dann die kleine Versammlung . » Ich finde Sie so glücklich wieder « , sagte er , » wie meine Freundschaft es nur wünschen konnte ; Ihre Gesundheit scheint auf Ihrer Reise viel blühender geworden , und der Kreis Ihrer Freunde hat sich angenehm vermehrt . « - » Ich habe den ältesten wiedergefunden « , erwiderte ich , und in demselben Augenblicke warf sich Mucius an seine Brust und bat mit seiner rührenden schönen Stimme : » O lassen Sie mich auch der ihrige werden , edler Mann . « William war betroffen , aber bald fragte er : » Mucius ? « - » Er ist ' s ! mein verlorener , wiedergefundener Mucius « , rief ich . Er blickte von ihm auf mich ; ein leichter Krampf zuckte um seinen Mund , und eine Blässe überflog plötzlich sein Gesicht , doch mit schnellem Übergange schoß