verliere mich bei jeder Tätigkeit ; ich dachte nicht in der Unglücksnacht , daß ich Euch entrissen werden könnte und doch habe ich mich hier vermählt , als der Vater starb ; - ich hatte Euch keine Treue geschworen und ich war hier einsam und verlassen . « Berthold unterdrückte mit einem Kusse jede Entschuldigung , er glaubte sie jetzt in jedem Zuge , in ihrer Stimme wieder zu gewinnen , er fand sich mit dem Geschick des ganzen Hauses jetzt so mannigfaltig verflochten , daß die Freude der Verlobung von der Neugierde , wie es der Mutter ergangen , unterbrochen wurde , im Hintergrunde regte sich das Gefühl , ob er ihr nicht Treue schuldig sei , ob sie seinem Alter nicht angemessener sei , als die Tochter , er fühlte sich zu beiden gezogen , aber den Widerspruch , der darin lag , fühlte er eigentlich noch nicht . Frau Zähringer machte ihn nun zum Vertrauten ihrer unglücklichen Geschichte . Ihr Vater hatte das kleine Haus , das sie noch bewohnte , unter anderm Namen zum Zufluchtsort gekauft , Kleider und Namen wurden geändert , so entkamen sie aller Nachforschung , aber nicht der steten Angst , verraten zu werden . Alle Anschläge des Vaters , im Handel sein Glück zu begründen , wurden durch die Nichtswürdigkeit eines Vertrauten umgestoßen , der ihm das bei ihm niedergelegte Geld nicht unter seinem jetzigen Namen ausliefern wollte . Sein Stolz mußte sich herablassen , er nährte sich mit Schreibereien , während Apollonia alles zu nutzen wußte , was sie bei den Nonnen in Weberei und andrer wirtschaftlichen Arbeit gelernt hatte . Der Vater sank immer tiefer , denn er übergab sein quälendes Bewußtsein der Zerstreuung im Trunk und vernachlässigte seine Arbeit . Der trunkne Müßiggang führte ihn in das Haus einer bösartigen Witwe , die ihn an sich zog , um Apollonien in ihre Gewalt zu bekommen und sie einem scheinheiligen Sünder zu verkaufen . Die Angst in diesem Verhältnisse , Apollonia von Arbeit erschöpft , vom Vater mißhandelt , von der Nachbarin mit Lug und List gedrängt , hatten alle höhere Wünsche ihres Herzens unterdrückt , sie betete nur , ehrlich durch die Welt zu kommen . Und der Himmel gewährte ihr diesen Wunsch durch einen Landsknecht , der vor dem Hause bettelte , als eben der trunkene Vater mit Schelten heimkehrte . Sie klagte vor sich , wie sie mit dem Vater fertig werden wolle , der Landsknecht bot ihr seine Hand , er wolle ihr schon Ruhe schaffen , er wisse etwas gegen die Trunkenheit , sie möchte ihn nur ins Haus aufnehmen . Sie nahm ihn auf wie einen himmlischen Boten , er setzte sich zum Vater und schüttete ihm etwas in den Wein , den jener noch mit sich brachte , um ja nicht ein Funklein Bewußtsein übrig zu behalten . Als er das herunter trank , machte er ein grimmig Gesicht und mochte keinen Tropfen mehr trinken . So wußte auch der Landsknecht jener Frau , die den Vater in ihrer Gewalt hielt , etwas anzuheften , daß der Vater großen Überdruß gegen sie empfand . Nachdem er durch seine Künste das Haus gereinigt hatte , vermählte sich ihm Apollonia , aber nie gab sie ihm den Ring , den sie einst Berthold bestimmt hatte . Der Landsknecht , Zähringer war sein Name , nährte sich und die Frau von vielen kunstreichen Heilmitteln fürs Vieh , auch vom Ratten- und Mäusegift , das er für Geld legte , andre Übel wußte er zu besprechen . Der Vater half ihm dabei , starb aber , noch ehe Anna geboren , nicht ohne Verdacht , die Ratten um Gift betrogen zu haben ; ihn quälte ein steter Lebensüberdruß , seit ihm der Wein verleidet worden , ein Durst und eine Begierde , die er nicht befriedigen konnte . Apollonia machte dem Manne Vorwürfe , daß er ihren Vater umgebracht habe mit seinen teuflischen Mitteln , sie drohte ihn anzugeben , wenn er nicht von der schwarzen Kunst ablasse . Er schwieg und ging aus dem Hause und ließ sich seitdem nicht wieder sehen . Sie hatte Anna bald darauf geboren , sie durch ihrer Hände Arbeit auferzogen , bis sie geschickt genug wurde , ihr helfen zu können . Sie schloß mit der Versicherung , indem sie Berthold weinend umarmte , daß es ihr vielleicht unmöglich geworden wäre , ihrer Neigung zu ihm zu entsagen , nun der Zufall ihn ihr so unerwartet zurückgeführt habe , ja unmöglich wäre es ihr geworden , ihre Neigung dem Wunsche ihrer Tochter und seiner Liebe zu ihr aufzuopfern , wenn nicht die Ungewißheit , ob ihr Mann noch lebe , ihr jede Verbindung untersage , und darum müsse sie die Wege des Himmels preisen , die ihr bis dahin so unverständlich gewesen . - Mit inniger Beklemmung hörte Berthold dieses offene Bekenntnis ihrer Neigung , er fühlte auch für sie ein zärtliches Nachgefühl seiner Jugendsehnsucht , aber er liebte mehr jenes Bild , das er so lange in seinen Gedanken getragen , das ihm viel lebendiger in der Tochter , als in der Mutter selbst wieder begegnete . Die Tochter hingegen zeigte eine seltsame Eifersucht gegen die Mutter , sie stellte sich zwischen beide und sprach klein laut , daß sie zurücktreten müsse , weil die Mutter ein älteres Recht zum voraus habe . Die Mutter achtete dieser Ziererei ihrer Tochter nicht , sondern gab ihr einen Backenstreich , daß sie sich in die Angelegenheiten ihrer Mutter mische , und legte die Hände Bertholds und Annens zusammen , nahm den bescheidnen Fingerling zum Zeugen und öffnete das Fenster , daß der Himmel ihren Segen über beide höre , wenn sie einander lieb und getreu blieben und ihren Fluch über den , der den andern böslich verlasse ; wenn sie noch lebe , wolle sie dem ihr Gürtelmesser ins Herz stoßen . - Die Frauen trugen nämlich zu jener Zeit ein Küchenmesser neben der Geldtasche am Gürtel und sie sprachen