und verdrüßlich nach Hause zu fahren begehrte . Friedrich , der eine große Betrübnis in ihrem Gesichte bemerkte , faßte ihre Hand . Sie wandte sich aber schnell weg und eilte in ein abgelegenes Fenster . Er ging ihr nach . Sie sah mit abgewendetem Gesicht in den stillen Garten hinaus , er hörte , daß sie schluchzte . Eifersucht vielleicht und das schmerzlichste Gefühl ihres Unvermögens , in allen diesen Dingen mit der Gräfin zu wetteifern , arbeitete in ihrer Seele . Friedrich drückte das schöne , trostlose Mädchen an sich . Da fiel sie ihm schnell und heftig um den Hals und sagte aus Grund der Seele : » Mein lieber Mann ! « Es war das erstemal in seinem Leben , daß sie ihn so genannt . Es kamen soeben mehrere andere hinzu und alles fing an Abschied zu nehmen und auseinanderzugehen ; er konnte nichts mehr mit ihr sprechen . Noch im Weggehn trat der Minister zu ihm und fragte ihn , wie es ihm hier gefallen habe ? Er antwortete mit einer zweideutigen Höflichkeit . Der Minister sah ihn ernsthaft und ausforschend an und ging fort . Friedrich aber eilte durch die nächtliche Stadt seiner Wohnung zu . Ein rauher Wind ging durch die Straßen . Er hatte sich noch nie so unbehaglich , leer und müde gefühlt . Dreizehntes Kapitel Es war ein schöner Herbstmorgen , da ritt Friedrich eine von den langen Straßenalleen hinunter , die von der Residenz ins Land hinausführten . Er hatte es schon längst der schönen Gräfin Romana versprechen müssen , sie auf ihrem Landgute , das einige Meilen von der Stadt entfernt lag , zu besuchen , und der blaue Himmel hatte ihn heute hinausgelockt . Sie war seit seiner Trennung von Leontin die einzige , zu der er von allem reden konnte , was er dachte , wußte und wollte , die Unterhaltung mit ihr war ihm fast schon zum Bedürfnis geworden . Der Weg war ebenso anmutig als der Morgen . Er kam bald an einen von beiden Seiten eng von Bergen eingeschlossenen Fluß , an dem die Straße hinablief . Die Wälder , welche die schönen Berge bedeckten , waren schon überall mit gelben und roten Blättern bunt geschmückt , Vögel reisten hoch über ihm weg dem Strome nach und erfüllten die Luft mit ihren abgebrochenen Abschiedstönen , die Friedrich jedesmal wunderbar an seine Kindheit erinnerten , wo er , der Natur noch nicht entwachsen , einzig von ihren Blicken und Gaben lebte . Einige Stunden war er so zwischen den einsamen Bergschluchten hingeritten , als er am jenseitigen Ufer eine Stimme rufen hörte , die ihn immerfort zu begleiten schien und vom Echo in den grünen Windungen unaufhörlich wiederholt wurde . Je länger er nachhorchte , je mehr kam es ihm vor , als kenne er die Stimme . Plötzlich hörte das Rufen wieder auf und Friedrich fing nun an zu bemerken , daß er einen unrechten Weg eingeschlagen haben müsse , denn die grünen Bergesgänge wollten kein Ende nehmen . Er verdoppelte daher seine Eile und kam bald darauf an den Ausgang des Gebirges und an ein Dorf , das auf einmal sehr reizend im Freien vor ihm lag . Das erste , was ihm in die Augen fiel , war ein Wirtshaus , vor welchem sich ein schöner grüner Platz bis an den Fluß ausbreitete . Auf dem Platze sah er einen , mit ungewöhnlichem und rätselhaftem Geräte schwer bepackten Wagen stehen und mehrere sonderbare Gestalten , die wunderlich mit der Luft zu fechten schienen . Wie erstaunte er aber , als er näher kam und mitten unter ihnen Leontin und Faber erkannte . - Leontin , der ihn schon von weitem über den Hügel kommen sah , rief ihm sogleich entgegen : » Kommst du auch angezogen , neumodischer Don Quijote , Lamm Gottes , du sanfter Vogel , der immer voll schöner Weisen ist , haben sie dir noch nicht die Flügel gebrochen ? Mir war schon lange zum Sterben bange nach dir ! « Friedrich sprang schnell vom Pferde und fiel ihm um den Hals . Er hielt Leontins Hand mit seinen beiden Händen und sah ihm mit grenzenloser Freude in das lebhafte Gesicht ; es war , als entzünde sich sein innerstes Leben jedesmal neu an seinen schwarzen Augen . Er bemerkte indes , daß die Menschen ringsum , die ihm schon von weitem aufgefallen waren , auf das abenteuerlichste in lange , spanische Mäntel gehüllt waren und sich immerfort , ohne sich von ihm stören zu lassen , wie Verrückte miteinander unterhielten . » Ha , verzweifelte Sonne ! « rief einer von ihnen , der eine Art von Turban auf dem Kopfe und ein gewisses tyrannisches Ansehn hatte , » willst du mich ewig bescheinen ? Die Fliegen spielen in deinem Licht , die Käfer im - ruhen selig in deinem Schoße , Natur ! Und ich - und ich - warum bin ich nicht ein Käfer geworden , unerforschlich waltendes Schicksal ? - Was ist der Mensch ? - Ein Schaum . Was ist das Leben ? - Ein nichtswürdiger Wurm . « - » Umgekehrt , gerade umgekehrt , wollen Sie wohl sagen « , rief eine andere Stimme . - » Was ist die Welt ? « fuhr jener fort , ohne sich stören zu lassen , » was ist die Welt ? « - Hier hielt er inne und lachte grinsend und weltverachtend wie Abällino unter seinem Mantel hervor , wendete sich darauf schnell um und faßte unvermutet Herrn Faber , der eben neben ihm stand , bei der Brust . » Ich verbitte mir das « , sagte Faber ärgerlich , » wie oft soll ich noch erklären , daß ich durchaus nicht mit in den Plan gehöre ! « - - » Laß dich ' s nicht wundern « , sagte endlich Leontin zu Friedrich , der aus dem allen nicht gescheit werden konnte , » das ist eine Bande