Gottes , der sie wie Spreu vor dem Winde zerstreut ! Meine Hoffnungen , mein Vorhaben , meine Ankunft , Alles , Alles war zu spät . Zwei Tage , ehe ich in Trachene anlangte , hatten die Barbaren eine Landung gewagt , waren in der Nacht ausgestiegen und mit wildem Geschrei und Lärmen gerade auf Demetrius Villa zugeeilt . Demetrius , statt sich und die Seinigen durch eine eilige Flucht zu retten , die vielleicht noch möglich gewesen wäre , ging ihnen mit seinen bewaffneten Sclaven entgegen . Der Kampf begann , aber die Uebermacht war so sehr auf der Seite der Feinde , daß die im Hause Zurückgebliebenen keine Zeit hatten , sich vor den Siegern zu flüchten , oder zu verbergen . Demetrius ward ermordet , seine Sclaven starben neben ihm , die Gothen drangen in ' s Haus , die zitternden Sclavinnen , und - aller Wahrscheinlichkeit nach auch ihre unglückliche Gebieterin - fielen unter den Streichen der durch den heftigen Widerstand bis zur Raserei erhitzten Barbaren . Das Haus wurde geplündert , ein Theil davon in Brand gesteckt , und die Horde entfernte sich am Morgen mit wildem Siegsgeschrei wieder von dem verheerten Ufer . Erst lange nach ihrem Abzüge wagten es die nächsten Anwohner , zu denen sich ein paar Unglückliche aus der Villa gerettet hatten , den Schauplatz der Gräuel zu betreten , und zu sehen , ob vielleicht noch einige Hülfe zu bringen wäre . Sie fanden Alles leer , still - ausgestorben . Demetrius und seine Sclaven lagen todt auf dem Wahlplatze , aber unter so vielen Leichen von Barbaren , daß man sah , sie mußten heldenmüthig gefochten , und ihr Leben theuer verkauft haben . In dem Hause fand man noch einige ermordete Sclaven und Sclavinnen , und in Larissens Gemach eine weibliche Leiche , die durch Wunden zwar sehr entstellt , aber durch die Kleidung und einen goldreichen Schleier kenntlich war , der mit Blut bespritzt neben ihr lag . Einige Mädchen und ein paar Sclaven werden vermißt . Wahrscheinlich haben die Barbaren sie mit sich fortgeführt , oder sie sind in dem verbrannten Theil des Hauses ein Raub der Flammen geworden . Wie dem immer sey , es ist mehr als wahrscheinlich , ja , meine verehrte Freundin ! es ist gewiß , daß Gott sich des langen Leidens unserer unglücklichen Schwester erbarmt , und sie auf eine - freilich für die Übriggebliebenen schreckliche Art zu sich genommen hat . Sie hat wahrscheinlicher Weise weniger dabei gelitten , als wenn sie ihr Leben auf einem schmerzlichen Krankenlager geendigt hatte , eine schreckliche Stunde vielleicht während des Kampfes , von der sie vorher keine Ahnung hatte , und ein paar schmerzhafte Augenblicke , bis Wunden und Blutverlust ihrem Leben ein Ende gemacht hatten . Nach den Aussagen der Sclaven , die die Todten gesehen , und bestattet haben , waren ihrer Wunden so viel , und von solcher Art , daß sie unmöglich länger , als ein paar Minuten , kann gelebt haben . Dies muß bei dieser schrecklichen Catastrophe ihren Uebriggebliebenen zum Troste dienen . Ueberhaupt sind ja selten die zu beklagen , die hingehen , ein schwankendes Glück mit ewigen Freuden zu vertauschen ; am wenigsten dann , wenn ihr Daseyn ohnedies in steten Kämpfen , und ohne Aussicht auf eine Verbesserung ihres Schicksals dahin floß . Ich will aber nicht unternehmen , dich zu trösten . Ich sehe die Größe deines Verlustes zu wohl ein ; denn ich habe unsere Entrissene gekannt , und die Art , wie wir sie verloren , muß durch ihre Neuheit und Grausamkeit unsere Gemüther erschrecken und tief verwunden . Doch erwarte ich von deiner Standhaftigkeit , deiner Gottesfurcht und Theophrons freundschaftlichem Umgang das Beste für deine Beruhigung . Ich wäre auf der Stelle wieder umgekehrt , und diesem Briefe gefolgt , den ich blos in der Absicht anfing , um den Alles vergrößernden und oft so falschen Gerüchten , wo möglich , zuvorzukommen , und dich , meine verehrte Freundin ! auf eine schicklichere und bessere Art von dem Schicksale unterrichten ; aber den Morgen nach meiner Ankunft fand sich ein Geschäft , eine Bestimmung für mich , in deren Würde und Gehalt ich einen Fingerzeig der Vorsicht zu finden glaubte , warum sie mich gerade jetzt auf diesen Schauplatz der Zerstörung und Trauer geführt hatte . Abends war ich in Trachene angekommen , und hatte von den zitternden Nachbarn die Schrecken der vorletzten Nacht erfahren . Man hatte meinen Antheil an den unglücklichen Bewohnern der Villa gesehen , mir auf mein Bitten den Schleier Larissens ausgehändigt , den ich dir als das einzige Vermächtniß dieser theuren Verklärten zu bringen dachte , und versprochen , mich am Morgen auf die Brandstätte zu führen . Dies geschah auch . Indeß wir in dem verödeten Hause herumgingen , hörten wir auf einmal ein lautes Getöse , wie von mehreren Pferden . Ich trat an ein Fenster , und sah einen jungen Mann von edler Gestalt , von mehreren Sclaven zu Pferde begleitet , in den Hof sprengen . Die Fremden stiegen ab , es sammelten sich Leute um sie , ich sah den jungen Mann in heftiger Bewegung mit ihnen sprechen , sie befragen . Eine geheime Ahnung sagte mir , wer es seyn könnte . Ich eilte hinaus , um ihn selbst zu berichten . Leider kam ich zu spät . Agathokles - denn du wirst , wie ich , errathen haben , wer der Fremde war - lag ohne Besinnung in den Armen seiner Begleiter . Die Leute hatten ihm die traurige Geschichte ohne Vorsicht und mit allen Vergrößerungen und Verschlimmerungen erzählt , die solche Menschen dazu zu dichten pflegen . Ich ließ ihn in ' s Haus bringen . Nach einer Weile erholte er sich , aber sein Blick war wild , seine Reden unzusammenhängend . Als ich mich genannt hatte , schien ein Strahl von Ruhe in seine Seele zu fallen ; er sah mich an ,