. - » Nein , meine Theure , den Ring , der dazumal der Gegenstand ihres Spatzierganges war . Albertine , er ist in jedem Bezuge ein theures , theures Andenken ! « - Albertine streckte die Hand hastig darnach aus . » Ach , ich kann ihn nicht sehen ! « sagte sie schmerzlich ; » ich werde fühlen , ob er es ist ? « - » Albertine , dieser Augenblick sei mir der feierlichste und heiligste meines Lebens ! Mir sind Sie noch ganz so schön , als Sie es mir in den ersten Blüthetagen meiner Bekanntschaft waren ; aber noch unendlich liebenswürdiger erscheinen Sie mir durch die Schönheiten Ihres Gemüths , das ich in jener Zeit nur ahnete . Albertine , Sie bedürfen eines Führers , eines Beschützers in den mancherlei Verhältnissen Ihrer Lage . Und - darf ich mahnen an jene Zeit , als Sie Wittwe zu seyn wähnten , was Sie dem Überglücklichen zudachten ? Albertine , ich liefere den Ring nicht aus , er werde denn ein Verlobungsring ! « Albertine schwieg betroffen ; häufige Thränen drangen aus den geschlossenen Augen . Sie kannte Alberts feste , ruhige Besonnenheit ; es war gewiß nicht der Enthusiasmus des Mitleidens , der ihn bestimmte ; aber dem theuren Andenken des im Grabe Ruhenden thut es Abbruch , sagte ihr Zartgefühl . Albert fühlte sich in das Herz , dessen innerste Regungen er kannte , hinein , und begegnete fein und schonend den Einwürfen , die sie nicht sagte . Henriettens Dazwischenkunft entschied für Alberten . Albertine war in Liebe und Dankbarkeit aufgelöst , als der schöne Bund der Vernunft und Liebe an dem Altare ihrer eigenen Kirche , umgeben von ihren Lieben , rührend und feierlich geschlossen wurde . Zwei und dreißigstes Kapitel Der Tag sollte im stillen Kreise der Freundschaft zugebracht werden . Henriette und Adelaide feierten ihn durch Gesang , den die eine gedichtet , die andere componirt hatte . Albertine setzte sich an ' s Fortepiano und überraschte alle durch einen Gesang , der aller Herzen in Thränen auflöste . Er war Todtenfeier und Brautweihe , im rührendsten Verein . Sie hatte ihn in der Stille der Nacht vor ihrem Vermählungstage gedichtet , und ihr glückliches Talent hatte schnell die rechten Töne dazu gefunden . Der Tag sollte aber noch in mehrerer Rücksicht mit Ereignissen bezeichnet werden . Die stille Feier wurde durch die Ankunft zweier Fremden unterbrochen , die sich als der Baron und die Baronin Rothensee melden ließen . Sie sollten nicht angenommen werden , waren aber schon in Vorsaal eingetreten . Albert ging ihnen entgegen , und führte bald , zum Schrecken aller , wen anders , als die Frau Rosamund und den Baron Weißensee herein . - Mit edler Unverschämtheit näherte sie sich ihrem beleidigten alten Freunde , der kein Wort zu sagen wußte und das Haupt tief auf die Brust herabsenkte , als sei er der Beleidiger . » Sie haben es mir wahrscheinlich gedankt , daß ich Sie von einer lästigen Hausgenossin befreite . Mein Gemahl , der Baron , ist im Stande , Ihnen jeden , mir zu Gunsten gemachten Aufwand zu ersetzen . Aber - ich sehe Sie alle versammelt ; nur Ihre Albertine fehlt ! « - » Hier , hier ! « sagte Dämmrig , aus seiner Verlegenheit hervortretend und Albertinen bei der Hand fassend . » Gott im Himmel ! « Rosamund wäre beinah einmal im Ernste ohnmächtig geworden ; sie drückte die Arme heiß weinend an ihr Herz . Albertine erkannte des Barons Stimme , faßte seine beinahe vor Schrecken erstarrte Hand und sagte sanft : » Sehen Sie mich doch jetzt recht an , Herr Baron ! Dies einzige sei meine Rache ! « - Der Baron trat erbleichend zurück und schob fast mechanisch den Hut vor die Augen . Albert war zu glücklich , um einen verjährten Streit aufzufrischen , und zu gastfrei , jemand unter seinem Dache zu beleidigen ; um so weniger , da die Fremden sagten , sie gingen in einer Stunde weiter , und Petersburg sei das Ziel ihrer Reise , wo sie sich mit ihrem Vermögen niederzulassen gedächten . Die Wahrheit war , daß sich das Hochfreiherrliche Paar auf der dortigen Bühne engagirt hatte . » Mademoiselle sind noch unversagt ? « fragte Rosamunde , sich an Lauretten wendend . Ergrimmt erwiederte diese , zu Aller Erstaunen : » Es ist heute mein Verlobungstag , und hier ist mein Verlobter ! « indem sie den Herrn Pastor Ehrich , der die Trauung verrichtet hatte , bis mitten in ' s Zimmer zog . Der zögernde , hocherröthende Mann stammelte unvernehmlich ein Kompliment an seinen Gutsherrn , das eine Bewerbung um die Cousine vorstellen sollte , der aber der Braut in dieser desperaten Situation kräftig nachhalf . - Die Hand der Dame wurde dem nothgedrungenen Bräutigam unverweigerlich zugestanden , und der Onkel , dem die gute Laune zurückgekommen war , sang in seinem gewöhnlichen heisern Falsett : » So werd ' ich armer Erdenkloß Mit Ehren meine Nichte los ! « Laurette nahm die Glückwünsche an ; der Bräutigam , der nicht wußte , wie ihm geschehen war , erwiederte sie mit stillen Bücklingen und niedergeschlagenem Auge , und wenn ein Laut aus seinem Munde kam , war er so weinerlich , daß jeder , der die Dame kannte , sich den Zusammenhang der Sache lebhaft dachte . Damit wir nicht nöthig haben , die schon zu häufig vorkommende Laurette wieder einzuführen , sei sie hiermit abgefertigt . Sie freiete und ließ sich freien ; war ihrem Manne , der ihre Keckheit ganz treuherzig für Verstand hielt , eine wahre Megäre ; ihren Stieftöchtern - denn der Mann war Wittwer - alles , was Wahrheit und Dichtung je von Stiefmüttern gesagt hat , und ihrem Gesinde ein Schrecken . Die Geburt eines Kindes kostete ihr das Leben . Sie starb unbedauert und über ihre Gruft weht der Wind in Nesseln und Dornen , die