Verhältnissen etwas mehr erfahren zu haben , als daß ich ihn oft mit feuriger Beredsamkeit , aber im-mer nur im Allgemeinen von seinem Aufenthalt in Deutschland hatte sprechen hören . - Er hatte meine Klagen und meine Unzufriedenheit , mit dem Leben und den Menschen oft angehört , ohne viel darauf zu erwidern , aber als ich gestern von einem solchen Moment ergriffen , wiederum ausrief : » O ! schöner Himmel und lachende Erde ! O Leben und Liebe ! warum seid ihr mir so fremd geworden ? Mein Herz ist todt und vernimmt eure schöne Sprache nicht mehr ! « da sagte er mit einer seltsamen Zuversicht : ich will Sie dem Leben zurückgeben ; Morgen sollen Sie geheilt sein . Heute kam er zu mir und sagte , daß er mich in eine sehr angenehme Gegend führen wolle . Wir kamen an eine Stelle , die romantisch schön war . Eine Grotte , aus deren Tiefe ein Quell mit kühlendem , klaren Wasser hervor sprudelte . Der grüne , unbeschreiblich frische Rand des Ufers , und die röthliche Felswand der Grotte , welche mit überhangendem , grünen Gesträuch bewachsen war , spiegelten sich in der klaren Fluth , und bildeten einen reizenden malerischen Anblick . Hohe Pinien , die mit ihren schlanken , königlichen Wuchs und dunkelgrünen , schön geründeten Kronen , jedem Ort , wo sie stehen , ein romantisches , feierliches Ansehen geben , verschlossen die Aussicht , bis auf eine kleine Oeffnung , durch welche der Blick auf weite , helle Gegenden fiel , wo dichte Wälder von Fruchtbäumen , mit Saatfeldern vermischt , sich zeigten , wo das hohe Korn im Schatten der Bäume schwankte , und die Weinranken wie Kränze , von einem Baum zum andern voll Trauben hiengen , und eine immer fortgehende Laube bildeten . - Hier verweilten wir , und nach einem kurzen Schweigen sagte Antonio : » Ich habe ihnen ein Gemälde mitgebracht , und wenn es diesem nicht gelingt , ihr Gemüth zu erheitern , und sie wieder mit sich selbst zu vereinigen , so giebt es keinen Rath mehr für sie . « - Hier zog er eine Rolle hervor , die er sorgfältig auseinander wickelte , und dann an eine lichte Stelle der Grotte hielt , wo das Licht von oben herab , darauf fiel , und es mit einer unbeschreiblichen Glorie umgab . - Ich sah , und - erwarte nicht , Barton , daß ich Dir schildern soll , was in mir vorgieng ! - es war Amanda ! es war ihr Bild ! - ihr Auge , in dessen wunderbare , süße Nacht ich mich einst so gern verlohren hatte , blickte mich mit heiliger Liebe und Sehnsucht an , und wiederum ganz wie vormals , hatte ich alles andre vergessen , sah ' und fühlte in der ganzen Welt nichts mehr , als diesen Blick , der mich zu ihren Füssen warf . Als ich nach einiger Zeit wieder zu mir selbst gekommen war , erhielt ich von Antonio alle Aufschlüsse , die ich nur wünschen konnte . Er erzählte mir , wie er Amanda ' s Bekanntschaft gemacht , wie er ihr Freund geworden sei , dem sie mit schöner Offenherzigkeit , die Geschichte ihres Lebens und ihrer Empfindung vertraut habe . Er wußte mir ihre Handlungsweise , wodurch ich mich für so tief und bitter gekränkt hielt , in ein so helles , richtiges Licht zu stellen , daß alle Wolken , die mir ihr Bild so lange verdunkelt hatten , auf einmal zerrissen , und mir ihr Wesen , wieder so rein , so wahr , so menschlich erschien , wie in den glücklichsten Stunden meines Lebens . - Mein letzter Brief an sie , worinnen ich sie so herzlich um Aufschluß gebeten , muß durch Zufall , Gott weiß , in welche Hände gerathen sein , denn sie hat nie einen solchen Brief erhalten , und so fanden wir uns beide durch ein unwürdiges , wesenloses Mißverständniß gekränkt und getrennt , das nur durch die Entfernung , Wesen und Gestalt erhalten konnte . - Doch warum noch länger an dieser quälenden Vergangenheit denken , da nun alles so neu , so schön und glücklich ist ? - Herrlich erscheint mir nun das Leben , jede Freude , jeder Eindruck findet mein Herz offen und fühlbar , seitdem ich es weiß , daß die alte Liebe in ihrem Herzen immer neu geblieben ist ! Antonio ist mein Nebenbuhler und ich würde ihn fürchten , wenn ich mich jetzt nicht allzu glücklich fühlte ; aber dem Glücklichen , wohnt Stolz und Kühnheit in der Brust . - Vor einigen Tagen sagte er mir mit einem scherzhaften Ernst , der ihm sehr wohl stand : » Mit der Vergangenheit sind sie nun abgefunden , aber nicht mit der Gegenwart . Denn sie wissen , oder könnten es doch leicht gemerkt haben , daß mir selbst das Herz für Amanda geglüht . Es dulden , daß Amanda in einem schiefen , ungünstigen und unwahren Licht vor Ihnen erschiene , dies konnte und wollte ich nicht . Auch wünschte ich sie von einem Irrthum zu heilen , der noch immer wie eine dunkle Wolke über Ihrem Leben hieng , aber weiter wollte ich nichts . Von diesem Augenblick an , wollen wir nichts mehr von einander wissen , denn zwei Nebenbuhler können nie Freunde bleiben . Ein jeder versuche nun , sich der Neigung der Geliebten zu versichern , und wir sind einander wieder eben so fremd wie vorher . « - Mit diesen Worten verließ er mich , und ich habe ihn seitdem nicht wieder gesehn . Achtzehnter Brief Amanda an Julien Mein ganzes Wesen wird jetzt von einer unbeschreiblichen , nie gefühlten Reizbarkeit beherrscht , die , wenn sie Krankheit ist , wie Manche behaupten , mich glücklicher , als die vollkommenste Gesundheit macht . Ich denke fast gar nicht an meine Verhältnisse und an die Zukunft ; meine ganze