wie sich verheerende Mensch , der vorher neben der steifen Leichengarde geschwiegen hatte , im doppelten Zertrümmern fort : » Fühlst du , wie sich dieser Fangeball des Schicksals , dieses Ixionsrad der Wünsche so schmerzlich in uns bewegt ? - nur die Brust ohne Herz wird ruhig . « - Auf einmal schauete Liane länger und starrer auf die Leiche eine eiskalte Schneide , wie von der Todessichel , drückte sich durch das warme Gehirn - die Trauerkerzen brannten ( schien es ihr ) trüber und trüber - dann sah sie im Winkel des Zimmers eine schwarze Wolke spielen und aufwachsen - dann fing die Wolke zu fliegen an und stürzte voll herausquellender Nacht über ihre Augen - dann schlug die dicke Nacht tiefe Wurzeln in den wunden Augen , und die erschrockne Seele konnte nur sagen : » Ach Bruder , ich bin blind . « Nur der harte Mann , aber kein Weib wird es fassen , daß in Roguairols entsetzlichen Schmerz einige ästhetische Freude über das mörderische Trauerspiel eindrang . Julienne schied vom Toten und von dem alten Schmerze und warf sich mit dem neuen an ihren Hals und klagte : » O meine Liane , meine Liane ! siehst du noch nicht ? - Sieh mich doch an ! « - Der zerrissene und zerreißende Bruder führte die Schwester , der nur einzelne Tropfen als kaltes hartes Wasser auf die blassen Wangen schlugen , mit der scharfen Frage fort : » Schwirret kein Würgengel mit roten Fittichen durch deine Nacht , wirft er keine gelbe Nattern auf dein Herz und keine Schwertfische in deine Nervengewebe , damit sie sich darin verstricken und an den Wunden die Sägezähne wetzen ? - Mir ist wohl in meiner Pein , solche Disteln kratzen uns , nach guten Moralisten , auf43 und bereiten uns zu . - - Du jammervolle Blinde , was sagst du , hab ' ich dich wieder recht elend gemacht ? « - » Wahnsinniger , « sagte Julienne , » lassen Sie nach , Sie bringen sie um . « - » O was kann er dafür ; « ( sagte Liane ) » die Migräne machte mir es schon vorhin neblicht . « - Der Abschied der Freundinnen wurde in mehr als einer Finsternis genommen , und darin will ich ihn mit allen seinen Qualen lassen . - Dann bat Liane ihr Mädchen , es der Mutter so kurz vor dem Schlafe zu verschweigen , da es sich vielleicht in der Nacht noch gebe . Aber umsonst ; die Ministerin war es gewohnt , ihren Tag an der Brust und der Lippe ihrer Tochter zu schließen . Nun trat diese geleitet herein und suchte das Mutterherz irrig seitwärts , und dem sanftern Weinen konnte sie in dieser geliebten Nähe nicht mehr wehren : da wurde ja alles verraten und alles gestanden . - Die Mutter ließ erst den Doktor rufen , eh ' sie mit feuchten Augen und mit leisen Armen an der angedrückten Tochter den Bericht anhörte . Sphex kam , prüfte die Augen und den Puls und machte nichts daraus als ein Nerven-Falliment . Der Minister , der überall im Hause Leithunde mit feinen Ohren hatte , kam , unterrichtet , herein und machte in Sphexens Beisein außer weiten Schritten nichts als die kleine Note : » Voyez Madame , comme votre le Cain joue son rôle à merveille44 . « - Sobald Sphex hinaus war , ließ Froulay einige Billionenpfünder und Wachteln ( dreipfündige Handgranaten ) auf die Gattin los . » Das sind « , notierte er , » die Folgen Ihrer visionären Erziehung « ( freilich schlug seine eigne am Sohne auch nicht sonderlich an ) - » Warum ließen Sie die kranke Närrin gehen ? « ( Er hätt ' es selber aus höfischen Rücksichten noch lieber erlaubt ; aber Männer tadeln gern die Fehltritte , die man ihnen - ersparte ; überhaupt setzen sie wie Köchinnen das Messer lieber an Hühner mit weißem Gefieder als an die mit dunkelm . ) - » Vous aimez , ce me semble , à anticiper le sort de cette Rêveuse un peu avant qu ' il soit decidé du nôtre « 45 ( Ihr Schweigen machte ihn immer bitterer ) » Oh ! ce sied si bien à votre art cosmétique que de rendre aveugle et de l ' être , le dieu de l ' amour s ' y prête de modèle46 . « Von dieser schreienden Härte ergriffen - besonders da bloß der Minister wider die mütterlichen Wünsche eben diese kosmetische Erziehung Lianens für seine politischen gewählt und befohlen hatte - mußte die Mutter das nasse Auge an der Tochter verbergen und trocknen . Die Ehemänner - und die neuesten Literatoren halten sich für Feuersteine , deren Lichtgeben man nach ihren scharfen Ecken berechnet . Unsere Voreltern schrieben einem Diamant-Gehenke das Vermögen , Liebe unter Ehegatten anzufachen , zu - auch find ' ich in der Tat noch an Juwelen diese Kraft - ; nur lässet dieser zum Kiesel gehörige Stein nach den Ehepakten so kalt und hart , als er selber ist . Wahrscheinlich war Froulays Eheband ein solches edelsteinernes . Allein die Frau sagte nur : » Lieber Minister , lassen wir das ; aber schonen Sie die Kranke ! « - » Voilà précisement ce qui fût votre afaire47 « , sagt ' er hohnlachend . Vergeblich redete Liane ihn rührend-irrig von der falschen Weltgegend an und sprach für ihren Bruder - welches ewige , zu viel beweisende Defensorat aller Leute ihr einziger Fehler war - ; vergeblich , denn sein Mitleiden mit einer Gepeinigten bestand in nichts als im Grimme gegen die Peiniger , und seine Liebe gegen Liane zeigte sich nur im Hassen derselben : » Schweig , Närrin ! Aber Monsieur le Cain soll mir nicht ins Haus , Madame , bis auf weitre Ordre ! « - Ich sage zum alten Ehe-Bramarbas aus Schonung weiter nichts als : Geh zum