Vicar verwalten ließ ... Ich war Priester geworden , wie andere unter die Soldaten gehen . Mein Bruder Friedrich studirte die Rechte , mein Bruder Max war ein Soldat . Als ich Priester geworden war , reiste ich in die Welt hinaus , war lange in Paris und kam nach Kassel , Erfurt und Witoborn - wie ein Abbé zurück . Goethe , Napoleon und - Grécourt waren meine Gottheiten ... Ich schloß mich meinem Landsmann , Ihrem Vater , an . Wittekind konnte so ansteckend lachen , daß man ihm gar nicht lange wegen seiner sonstigen Unarten zürnen konnte ... Wir waren ein Kreis wilder Gesellen und ich bekenne und darf es bekennen , da ich später mancherlei Unstern bestand , ich , ein Priester , ich entwarf nach Bildern aus Herculanum und Pompeji Zeichnungen , die in Kassel nicht etwa Frauen zweideutigen Rufs als lebende Bilder stellten , sondern die Gattinnen der Minister , die Töchter der Gesandten , Deutschlands ältester Adel ! « ... Eine Pause ließ Löb Zeit , sich die vorhin gesehene Galerie und die Frömmigkeit des jetzigen Adels dieser Gegend in Vergleichung zu bringen ... » Eine der gefeiertsten Tagesschönheiten « , fuhr der Provinzial zu lesen fort , » war die Römerin Fulvia Maldachini . Sie war eine Sängerin in der italienischen Truppe , die König Jérôme neben der deutschen und französischen hielt . Das Repertoire überwachte der Kaiser selbst aus Paris oder aus dem Hauptquartier und verfuhr darin ebenso streng , wie bei Bildung der Ministerien , des Heers und jenes Schattens von Repräsentativverfassung , dem Ihr Vater seinen Kronsyndikus verdankte . Ich seh ' Ihren Vater noch , wie er die Syndikatsuniform zum ersten Mal anlegte und den Galanteriedegen umschnallte . Ungeduldig , sich bei Eröffnung der Landstände zu verspäten , war er nahe daran gegen seinen Bedienten die etwaige Schärfe des Spielzeugs zu versuchen . Der Maldachini sagte man nach , sie wäre besserer Abkunft , wäre durch Umstände veranlaßt gewesen , ihre Stimme zu verwerthen , eine Stimme , die uns Deutschen mehr Entsetzen , als Bewunderung einflößte . Sie hatte , so jung und schön sie war , in ihrer Kehle eine Tiefe , die mit Proserpina bis in den Tartarus hinunterstieg . Das Theater erdröhnte zwar von Beifall , wenn sie ein : Perfido ! knirschte ; aber wie ein Dolch lag es neben jeder Note , die sie sang und besonders - wenn man einmal nicht applaudirte « - - Seligmann wußte nichts von Gluck und Piccini ... Aber Norma bot Vergleichungen ... Er verstand vollkommen dieses Knirschen , namentlich beim Nichtapplaudiren ... » Es galt für unmöglich , die Gunst der Maldachini zu gewinnen ... « las der Mönch . » Das gerade reizte den Kronsyndikus . Die Schönheit der Erscheinung , ihre Gestalt war mächtig , das Geheimniß , mit dem sie sich umgab , bestrickend . Sie nahm die Huldigungen des Freiherrn von Wittekind an , namentlich seine Geschenke ; dafür war aber nicht mehr sein Lohn als ein Zunicken im Theater . Sie lehnte sich an den Hof , der sie beschützte , an die große Zahl ihrer Verehrer . Der Kronsyndikus ertappte sich auf einer wirklichen Schwärmerei für sie . Feste bot er ihr , die sie annahm . Er ließ sie zur Fastenzeit , wo die Bühne geschlossen wurde , in den Sommerferien nach Neuhof in sechsspännigen Carrossen kommen ... Sie , Herr Präsident , und Ihr Bruder waren damals in Pensionen ... Die stolze Sängerin wohnte auf Schloß Neuhof wie eine Fürstin . Nichts aber entlockte ihr eine Zärtlichkeit , nichts eine Erwiderung der Liebesbetheuerungen , die ihr , wie mich Lauscher versicherten , der Freiherr auf den Knieen machte « - - Lauscher ! ... Seligmann bebte ... Hier , diese Cabinete waren doch wol die Orte , wo man auf Schloß Neuhof lauschen konnte ... » Fulvia Maldachini verlangte die legitime Gemahlin des Freiherrn zu werden . Sie nannte sich eine geborne Marchesina und in der That , der Freiherr von Wittekind beschloß , sie zu heirathen ... « Löb sah fast den Eindruck dieser Worte ... Sah fast Terschka ' s Lächeln ... Mit einer Stimme , deren Sicherheit deutlich verrieth , daß für ihn in allen diesen Mittheilungen nichts Neues lag , las der Provinzial weiter : » Dies Heirathsproject entsprach an sich ganz dem Charakter jener Tage . Man hatte nicht im mindesten das Gefühl , daß diese Napoleonischen Zustände nur eine Episode wären . Ein völliges Aufopfern des Stolzes und Heimatgefühls trat ein . Fast wäre Ihr Vater seiner Leidenschaft erlegen , wenn nicht seine Freunde dazwischengetreten wären . Freiherr von Malstatt , Graf von Dohrn , Baron von Liebetreu , die Andern - alle widersetzten wir uns . Als Fulvia kalt blieb , höhnisch die Lippen aufwarf und sich in ihren rothen Gewändern , mit dem grünen Kranz auf dem kurzgeschnittenen schwarzen Tituskopf , den Dolch im Busen , wie eine junge Medea zeigte und doch bestrickend schön , doch verheißungsvoll lächelnd wie der beginnende Frühling , da wurde zur Rettung Ihres , wie es schien , geradezu verlorenen Vaters ein Entschluß gefaßt . Wir verpflichteten uns , eine Farce aufzuführen . Fulvia konnte kein anderes Wort deutsch , als soviel nöthig war , kräftig zu fluchen . Sie lebte unter uns , wie im Grunde damals alle diese Fremden ; sie lebten im eigentlichsten Sinne des Worts wie in der Verwirklichung eines Traums . So war auch ihr Deutschland nichts als Wald und Flur und Flur und Wald ; nur vom Geld sah sie , daß es das allbekannte echte Silber und Gold war . Der Freiherr schlug ihr eine Ehe vor , die aus Familienrücksichten einige Jahre lang geheim bleiben müßte . Fulvia , die die große Stellung ihres Verehrers kannte , die von seinen mächtigen Verwandten wußte , die einsah , daß für gewisse Vermögensverhältnisse auch in Rücksicht auf die vorhandenen Söhne erster Ehe Schwierigkeiten entstehen konnten , willigte