, nach Antoine Pesnes Tode , wohl nur wenige Maler in Berlin existierten , die so zu malen imstande waren . Die beiden Itzenplitzischen Frauenporträts , die dieselbe Wand schmücken , sind in Ausdruck und Vortragsweise nur Durchschnitt . Alles Interesse verbleibt also ihm , und wer die Geschichte dieses vielfach verkannten und unterschätzten Mannes dermaleinst zu schreiben gedenkt , wird an diesen Groß-Rietzer Bildnissen nicht vorübergehen dürfen . Sie lehren uns manches in seinem Leben und Charakter verstehn . Inzwischen war die Sonne gesunken , und als wir jetzt aus dem Saal auf die große Freitreppe hinaustraten , stand der Vollmond bereits in aller Klarheit am Himmel . Ihn als Leuchte zur Seite , gingen wir auf die nahegelegene Kirche zu , hinter deren Fenstern ich ein paar Epitaphien und Trophäen in ihrem flimmernden Schmucke von Waffen und Goldbuchstaben erkannte . Dieser flimmernde Schmuck aber war nicht das , was meine Schritte hierher gelenkt hatte , vielmehr hielt ich mich jetzt auf die Mitte des Kirchhofs zu , wo von einer Gruppe von Ahornplatanen umstellt , ein großer Granit , ein Doppelgrabstein lag , auf dem einfach die Namen standen : » J. C. v. Wöllner u. C. A. C. v. Wöllner , geb . von Itzenplitz . « Sonst nichts , weder Spruch , noch Inschrift . Um die Stätte her war braunes Laub hoch zusammengefegt und predigte wie der Stein selber von der Vergänglichkeit irdischer Dinge . Moll war uns auf den Kirchhof gefolgt . Er schien einen Augenblick zu Reflexionen in dem eben angedeuteten Sinne geneigt , gab es aber doch auf und begnügte sich schließlich mit einer einfachen Wetterbetrachtung : » Ich dachte , der Wind würd ' uns einen Regen zusammenfegen . Aber es is nichts . Sehen Sie sich bloß den Mond an ; er hat nich mal ' nen Hof und steht so blank da wie ' n Zehnmarkstück . « » Es ist richtig . Aber Moll , warum sagen Sie bloß Zehnmarkstück ? « » Jott , ich dachte , vor die Gegend ... « Und damit gingen wir auf das Gasthaus zu , wo mein Mammon- und Adelsfreund schon ein Zimmer für mich und zwar » auf der rechten Giebelseite « bestellt hatte . » Gott , Moll , das ist ja die Mondseite . « » Na , denn tauschen wir . Ich habe es gern , wenn er mir so prall aufs Deckbett scheint . « 4. Blossin 4. Blossin In aller Frühe brachen wir auf und machten den Weg vom Tage vorher wieder zurück , einzig und allein mit dem Unterschiede , daß wir statt um die Nordspitze des Schermützel um seine Südspitze herum fuhren . Es waren dieselben Bilder , und Wagen und Gespräche mahlten ruhig und unverändert weiter . Aus der Reihe der letztern war eins über Zahnweh unbedingt das wichtigste , weil Moll ein Mittel angab , wie diesem Urfeinde der Menschheit beizukommen sei . Man müsse sich nämlich alle Morgen beim Waschen erst die Hände trocknen und dann das Gesicht ; das sei probat und er wenigstens habe seitdem Ruhe . Gegen Mittag erreichten wir Storkow , eine der beiden Hauptstädte dieser Gegenden , und fuhren eine Stunde später um den großen Wolziger See herum , an dessen Westufer ich in einiger Entfernung unser eigentliches Reiseziel erkannte : Dorf Blossin . Dieses , trotzdem es nur klein und bloßes Filial zu Friedersdorf ist , ist doch nichtsdestoweniger als der Punkt im Beeskow-Storkowschen anzusehn , dem der Ruhm einer eminent historischen Örtlichkeit in erster Linie zukommt . Es wohnten hier nämlich die Queiße , von deren Schloß oder Herrenhaus aus die berühmte Fehde des Nickel Minckwitz ihren Ursprung nahm , eine Fehde , die mit der derselben Epoche zugehörigen des Michel Kohlhaas eine gewisse Verwandtschaft hat . Ich schildre nunmehr diese Minckwitzfehde nach den Aufzeichnungen Wohlbrücks und Engels . Ursach der Fehde . Heinrich Queiß auf Plössin ( jetzt Blossin ) führt Beschwer über seinen Schäfer und erhält kein Recht Der beinah achtzigjährige Heinrich von Queiß , Gerichtsherr zu Plössin und Lehensträger des Bischofes von Lebus , war aus einem unbekannt gebliebenen Grunde mit seinem Schäfer in Streit geraten , so daß dieser letztre sich an seines Guts- und Gerichtsherrn Familie tätlich vergriff . Aber nicht genug damit , er ging in seiner Rache weiter , überfiel – nachdem er vorher die Flucht ergriffen und in Friedersdorf und Dolgenbrod einen Bauernhaufen um sich versammelt hatte – Dorf und Feldmark Plössin und trieb seines Herrn Schafe fort . Heinrich von Queiß verklagte nunmehr den Aufrührer bei dem Bischof von Lebus , der denn auch seinem zu Storkow ansässigen Amtshauptmann Order zugehen ließ , nicht nur die weggetriebenen Schafe wieder herbei , sondern auch den Schäfer selbst vor seines Grundherrn Gericht zu schaffen . Der Amtshauptmann aber erwies sich als säumig in seiner Pflicht , und da mittlerweile von seiten des rachsüchtigen Schäfers wiederholentlich versucht worden war , Plössin in Feuer aufgehen zu lassen , so wurde der von Queiß immer dringlicher in seinen Vorstellungen beim Bischofe . Dieser , so wenigstens scheint es , war anfänglich zu helfen aufrichtig bereit und sandte Befehl über Befehl an seinen Storkower Amtshauptmann ; als dieser letztre jedoch in seiner Säumigkeit beharrte , schob es der von Queiß auf Unaufrichtigkeit und bösen Willen beim Bischofe selbst und wandte sich deshalb an Heinrich Tunckel , obersten Münzmeister des Königreichs Böhmen und derzeitigen Landvogt der Niederlausitz , der in dieser seiner letztren Eigenschaft unstreitig die nächste höhere Behörde war . Und der Landvogt unterzog sich denn auch seiner Pflicht und ersuchte selbigen Tages noch den Bischof » sich seines Vasallen , des v. Queiß , mit größrem Nachdruck annehmen und ihn gegen den Übermut und die Schädigungen des rachsüchtigen Schäfers schützen zu wollen . « Der Brief , in dem dies Ersuchen gestellt wurde , war , wie die Chronisten melden , » in schicklichster Weise « geschrieben , nichtsdestoweniger empfand der stolze Bischof einen Groll darüber und äußerte sich