dazu ganz gut ; aber zuletzt dacht ' er doch wohl › es käme nicht viel dabei heraus ‹ und heiratete lieber ein junges Fräulein von Itzenplitz . Auch die Mutter , heißt es , war ihm nicht unhold . › Nicht unhold ‹ darf man am Ende sagen und ist ein statthafter Ausdruck . Und als er nun das junge Fräulein geheiratet hatte ( die Mutter nahm es alles in die Hand ) , da wurd ' er Minister und regierte den preußischen Staat . Und das kann doch schließlich nicht all und jeder . « Ich hatte hierbei Molls unbedingte Zustimmung erwartet , aber diese blieb aus , und während er es vorzog hin und her zu diplomatisieren , fuhren wir bereits in Groß-Rietz ein und hielten alsbald vor einem Häuschen , das uns als das des Herrn Kantors bezeichnet worden war . Ich stieg ein paar Stufen hinauf bis in den Flur und wollte klopfen , aber ein Choral , der eben auf einem kleinen Klavier gespielt wurde , hielt mich davon ab . Endlich schwieg es drin und ich trat ein . Ein alter würdiger Herr empfing mich und hörte wohlwollend aber verlegen meinem Vortrage zu , was mich schließlich selber verlegen machte . So sehr , daß ich , wie gewöhnlich in solcher Lage , vom Hundertsten aufs Tausendste kam . In diesem Momente höchster Bedrängnis erschien die Frau Kantorin und sah mit dem den Frauen eigenen Scharfblick auf der Stelle , daß es sich hier unmöglich um etwas Bedenkliches handeln könne . Sie lud mich also zum Sitzen ein , was seitens ihres Mannes noch nicht geschehen war , und stellte nun ihre Fragen so geschickt und so freundlich , daß ich mich rasch wieder zurechtfand . » Ich fürchte nicht , Ihre Zeit allzulang in Anspruch nehmen zu müssen , eine Stunde wenns hoch kommt . Ohnehin hängt die Sonne schon über den Dächern drüben und wenn wir auch Mondschein und sogar Vollmond haben , so lassen sich doch alte Bilder in solcher Beleuchtung nicht allzu gut studieren , die Fenster mögen so hoch und breit sein wie sie wollen . Oder irr ' ich mich , wenn ich annehme , daß sich die beiden Wöllnerporträts in Ihrer Kirche befinden ? « » Eines war in der Kirche , das in roter Uniform . Aber der Herr von der Marwitz hat es , als er das letzte Mal hier war , ins Schloß bringen lassen , und da hängen sie nun alle zusammen . « » Ich wußte nur von zweien . « » Ja , zwei Wöllnerbilder ... Ede , du könntest ins Schloß gehen und um den Saalschlüssel bitten ; es wär ' ein Herr da , der die Bilder sehen wollte ... Ja , zwei Wöllnerbilder , eines als Minister und eines aus seiner Hauslehrerzeit , als er noch in Groß-Behnitz war . Ach du lieber Himmel , Groß-Behnitz ! Wie sich doch alles ändert im Leben . Das war das Itzenplitzische Lieblingsgut , und nun hat es Borsig , und der hat es auch nicht mehr , und ist bloß noch Sommersitz und Villa für seine Witwe . Kennen Sie Groß-Behnitz ? « Ich nickte . » Das also sind die beiden Wöllnerbilder . Und auf dem zweiten , in einem Talar oder Roquelaur , sieht er eigentlich aus , als ob er ein Beichtvater wär oder sonst was Katholisches . Und auch sehr hübsch . Es sind aber außerdem noch zwei Bilder da , die mit dazu gehören , zwei Frauenbilder , und die Leute sagen , das eine sei die Frau Generalin v. Itzenplitz , die ja so große Stücke von ihm hielt , und das andere sei das Fräulein v. Itzenplitz ( die Tochter der Gnädigen ) , die dann der Hauslehrer Wöllner , oder vielleicht war er auch schon Domänenrat , geheiratet hat . Aber da kommt Ede . Bringst du die Schlüssel ? « » Nein . Aber es sei schon gut . Und der Herr sollte nur kommen . « Auf diese Zusage hin erhoben wir uns , die Frau Kantorin und ich , und gingen nunmehr auf das Schloß zu , das mit seiner großen Renaissancetreppe noch aus der Zeit König Friedrichs I. zu stammen schien . Ein Diener wartete schon und schloß einen Hochparterresaal auf , aus dessen Fenstern ich einen Blick auf einen von Treibhäusern eingefaßten Garten hatte . Dieser Blick war hübsch , aber der Saal selber zeigte nichts als eine Stehuhr , eine Porträtbüste Friedrich Wilhelms II. und jene vier Bilder , über die mir die Frau Kantorin einen vorläufigen kurzen Bericht gegeben hatte . Der letzte Glutschein der untergehenden Sonne fiel auf drei Bilder ; das vierte ( kleinere ) hing an einer Schmalwand unmittelbar daneben und war das Wöllnerbild aus seiner Ministerzeit . Er trägt auf demselben gepudertes Haar , einen roten Uniformrock und einen blauen mit Silber gestickten Kragen . Ebensolche Rabatten und Aufschläge . Die Nase dicklich , die Lippen wulstig , die Augen groß und hervortretend . Alles in allem entschlossen und charaktervoll , aber ohne Wohlwollen . Auf diesem kleineren Porträt ist er ein mittlerer Fünfziger , auf dem größeren , im rechten Winkel daneben hängenden aber erscheint er als ein jugendlicher und in der Tat schöner abbéhafter Mann , wie man ihnen auch heute noch innerhalb der katholischen Geistlichkeit in Österreich und Süddeutschland zu begegnen pflegt . Er zeigt sich , seinen damaligen Studien entsprechend , mit einem Mikroskop beschäftigt , zwischen dessen Gläser er eben einen zu beobachtenden Gegenstand gelegt zu haben scheint . Eine Verwandtschaft zwischen den beiden Bildern ist unverkennbar : derselbe sinnliche Mund , dazu dieselben großen Vollaugen . Und doch welch ein Unterschied ! Auf dem Ministerporträt alles abstoßend , hier alles anziehend bis zum Verführerischen . Dazu gut und , soweit meine Kenntnis reicht , in einzelnen Partien sogar vortrefflich gemalt . Von welcher Hand , würde sich durch Kunstverständige leicht feststellen lassen , da