. Diese war so inhaltsreich , daß sie vom Herrn Provinzial nach Rom geschickt werden mußte . Dort scheint sie einflußreichen Personen bekannt geworden , Personen , die an dem Erweis einer Bigamie der Herzogin von Amarillas mehr Interesse zu haben scheinen , als die vielleicht sehr vernünftige Frau selbst , die wenigstens seit Jahren nicht die mindeste Erinnerung an Schloß Neuhof verrathen hat . War ihr Gedächtniß zu schwach für zwei Kinder , die sie in Deutschland zurückließ , wie sollte es jetzt aufleben für das Bekenntniß einer Schuld , die vielleicht die römische Curie , aber nicht die bürgerliche Gesetzgebung verzeiht ! Der Herzog von Amarillas war arm . Ein echter Grand von Spanien , besaß er nur seinen Namen , der in seiner ganzen Vollständigkeit acht bis zehn Güter repräsentirte , die im Monde liegen . Mein Vater schickte damals Summen nach Rom . In frühester Zeit wurden sie erbeten , in späterer gefordert ; dann plötzlich verhallte alles , was dort für ihn drohend vorhanden lebte ... Wer aber nun jetzt es ist , der dort plötzlich wieder Sprache gewonnen hat , wer nun jetzt durch Sie redet , Herr von Terschka - Angiolina ist so liebenswürdig , unterbrach Terschka aufs eiligste , daß ihr die Auszeichnung , mit Ihnen verwandt zu sein , wol zu gönnen wäre ... Wer ist Ihr Auftraggeber ? drängte der Präsident ... Ich - wich , ohne Zweifel lächelnd , Terschka aus - ich kann nur sagen , man wünscht , daß ich in aller Stille die Verhältnisse sondire , namentlich das Factum herstelle , ob die Herzogin von Amarillas wirklich Ihre rechtmäßige Stiefmutter ist , Herr Präsident ! Die weitern Folgerungen daraus , gesteh ' ich , liegen mir ja noch gänzlich fern ... Löb erkannte ganz seinen diplomatischen Terschka ... Nun wohl , Herr Provinzial , wandte sich der Präsident an den Mönch , Sie sehen , es geschieht alles , um das Siegel zu brechen von jener Beichte , die Sie empfingen ... Ihr Ordensgeneral hat Ihnen nicht erlaubt , den Inhalt dieser Beichte zu erzählen , aber prüfen sollen Sie denselben ; so ungefähr , denk ' ich , schrieb man Ihnen ... So leg ' ich denn in Ihrer Gegenwart , lieber Sohn , in Ihrer , Herr von Terschka , die Zeugnisse von sechs Cavalieren vor , die leider nicht mehr am Leben sind ; sie haben der sogenannten Vermählung meiner Stiefmutter beigewohnt ... Dann aber bitt ' ich Sie , Herr Provinzial , lesen Sie sich in die Handschrift des edeln Dechanten von Sanct-Zeno Herrn von Asselyn in Kocher am Fall , meines Schwagers , wie ich ihn nennen darf , hinein und theilen Sie uns hernach diese Zuschrift mit , die ich gestern Abend auf eine Stafette , die ich vor acht Tagen nach Kocher schickte , erhalten habe ... Sie wird uns über diese Ehe und über Leo Perl ' s dabei gespielte Rolle die genügende Auskunft geben ... Löb mußte aufstehen ... Es war in der That zu viel , was auf seine Wißbegierde einstürmte ... Ja er bedachte : Erfährt man je , daß du Zeuge dieser Familiengeheimnisse warst , so steckt man dich vielleicht ein oder macht dich ebenso unschädlich , wie einen gewissen Lauscher in den » Falschmünzern « ... Er mußte seine Decken lüften , weil er in Transspiration kam ... Nach einer Weile , in der Bonaventura ohne Zweifel voll Staunen oder - voll Besorgniß der Worte seines Onkels gedachte : » Lass ' aber alles das unter Priestern bleiben ! « und von Terschka ' s Anwesenheit immer mehr beunruhigt werden mußte , begann die rauhe und strenge Stimme des Pater Maurus : » Mein insonderst geehrter Herr Präsident und lieber Herr Schwager ! Ich habe das alles geahnt , was nach dem Tode Ihres Vaters kommen würde ! Auch schon zu meinem Neffen , unserm guten Bonaventura , hab ' ich mich in einer vor kurzem abgegangenen Zuschrift darüber ausgesprochen ... Es ist ein seltsamer Vorgang , auf den Sie hindeuten , und wohl versteh ' ich Ihren Schmerz , Ihre tiefe Betrübniß ! Beschämung - sagen Sie ! Warum dies Wort - zu - Priestern ? Wir Priester der römischen Kirche sind - bei solchen Dingen in - - unserm Element - « ... Der Vorlesende stockte ... Der Präsident sagte , wie es schien , mit Lächeln : Sie werden hier eine Stelle finden , die Sie überschlagen dürfen ! Indessen - - Bonaventura mochte voll Besorgniß der Intoleranz des Provinzials gedenken ... Und auch Seligmann gedachte mit Schrecken des Dechanten , der so freundlich mit der Hasen-Jette verkehren konnte und nur deshalb nicht die untern Viertel am Fall zu Kocher besuchte , weil er zu sagen pflegte , » Reinlichkeit ist mein erstes Religionsdogma « ... » Denn « , fuhr jedoch der Provinzial und ohne weitern Ausdruck der Befremdung über diese Freimüthigkeiten zu lesen fort , » denn unsere ganze Kirche beruht ja auf dem Natürlichen im Menschen . Wer unsere Kirche schildern will , muß vom Fleisch beginnen und im Fleisch aufhören . Die katholische Kirche erbaute Gott zu einer Hülfe für die Sünder . Sie ist deshalb in allem der Gegenpol der nackten Menschheit und darum eben nur auf diesen Gegenpol errichtet . Bei den Protestanten ist die Sünde eine Unterbrechung ihres vom Geist beginnenden und im Geist endenden Lehrgebäudes ; aber bei uns ist sie das alleinige Wesen desselben . Darum liebt der natürliche Mensch den Katholicismus und wieder der Katholicismus « - - Der Provinzial stockte und murmelte wieder ... Seligmann dachte an die Rumpelgasse und den Unterschied der Religionen ... Lassen Sie das ! Lassen Sie das ! ... unterbrach der Präsident im Ton seiner andauernden Wallung ... Doch der Mönch fuhr fort : » Da hatt ' ich beim Abschied vom Obersten von Hülleshoven den Streit über die Frage : Was ist unser Genius ! Monika , des Obersten Gattin , schrieb mir