, treue Kriegerherzen , die noch vor wenigen Stunden auf dem Wege zur Ehre und Pflicht so lebenswarm geschlagen . Diese Gewißheit warf die Schatten trüber Stimmung über alle Mitglieder der Versammlung , selbst über die sonst für das Schicksal ihrer Zwingherren ziemlich gleichgültigen Tataren . Die Mennonitenfamilie hatte im gemeinsamen Gebet die Unglücklichen dem Schutz und Erbarmen des Höchsten empfohlen und die Männer saßen still in den großen Küchenraum umher , dem Wüthen des Orkans lauschend . Djemala-Din hatte dem Grafen mitgetheilt , daß er auf dem Wege zum Kaukasus sich befinde . Der Emir Schamyl hatte , wie wir bereits aus der Unterhaltung der russischen Offiziere auf der Mastbaftion am Tage des ersten Bombardements wissen , neben der Summe von 40,000 Rubeln die Kurückgabe seines ältesten Sohnes als Lösegeld für die Fürstinnen Tscheftsawadse und Orbelian verlangt , und der Kaiser dem jungen Manne freigestellt , ob er dem Verlangen seines Vaters Folge leisten wolle oder nicht . Was Djemala-Din von sich gewiesen , als die Boten seines Vaters ihn zur heimlichen Flucht zu bewegen suchten , erschien ihm jetzt , wo er die Gräfin Wanda am Kaukasus wußte , in einem anderen Lichte , und er hielt es für eine Pflicht der Ehre und Liebe für sie , sich selbst zur Befreiung ihrer Verwandtinnen zu opfern . Die Hoffnung , sie wiederzusehen , von ihren Lippen den Dank für das Opfer zu empfangen und im Hintergrunde der unbestimmte Traum , sie dennoch dort auf dem Felde wilder Abenteuer für sich zu gewinnen , wie sie selbst ihn durch ihre Phantasieen angeregt , machten ihm den Entschluß leicht . Erst hier , am Heerde des Mennoniten in der wilden Steppe , wo das Schicksal ich so wunderbar mit dem Verwandten der Geliebten zusammengeführt , vernahm er zum ersten Male , daß auch sie selbst in den Felsennestern seiner Heimath als Gefangene schmachte . Die Aufregung , in die ihn diese Nachricht versetzte , war zu sichtbar und groß , um von dem Greise mißverstanden zu werden , der bereits auf dem Schloß in Volhynien die entstehende Liebe des jungen Mannes beobachtet hatte und ihn achtete und schätzte . Obschon Gräfin Wanda ihm Nichts vertraut , beurtheilte er doch die hochherzige romantische Richtung ihres Geistes und Herzens zu richtig , um zu zweifeln , daß sie die Gefühle des jungen Tscherkessenfürsten erwiederte , und das tiefe Nachdenken , in das er so eben versunken , galt zum großen Theil der seltsamen Schicksalsverkettung des jungen Paares und seiner Zukunft . » Ihre Lage , Prinz , « sagte er endlich , » wird eine äußerst schwierige sein . Sie wissen , daß der Kampf zwischen den freien Bergvölkern und den Russen auf ' s Neue heftig entbrannt ist . Sefer-Pascha und Beisched-Pascha haben ihnen schon im Sommer bedeutende Hilfsmittel zugeführt , die russischen Festungen am Schwarzen Meere sind sämtlich zerstört oder in den Händen Ihrer Landsleute und die Schlacht am Ingur hat auch dort die russische Macht gebrochen . Ich weiß , daß von den alliirten Flotten nach dem Beginn der besseren Jahreszeit eine große Expedition an die östlichen Küsten des Schwarzen Meeres ausgeführt werden wird und daß England Ihren tapfern Vater unterstützt . Er wird von dem Erden seiner Macht mit Recht fordern , daß er in dem neuen und günstigen Kampf für die Freiheit an seiner Seite steht , daß er sich würdig zeigt der großen Aufgabe , die Unabhängigkeit der Stämme , die ihm einst gehorchen werden , gegen die Tyrannei zu vertheidigen . Ich bin ein Greis , Freund , und fühle , daß dieser Krieg der Fürsten , von dem wir so viel für die Sache allgemeiner Freiheit hofften in einer Versöhnung ihrer Interessen und ihrer Vortheile auslaufen wird , denn manche bittere Erfahrung hat mich belehrt , daß Zwiespalt und Eigennutz noch nicht die Völker zu einer gemeinsamen Erhebung gegen die Unterdrückung reif gemacht . Aber es giebt Wehrfesten des glorreichen Kampfes , die , wenn der Sieg uns hier entrissen wird , diesen ewigen Streit fortführen und an denen die entarteten Völker Europa ' s sich immer auf ' s Neue ermuthigen . Eine solche stolze Feste ist der Kaukasus und sein Kampf - wollen Sie sich ihm weihen , wie Ihre Väter thaten , werden Sie eintreten in den Krieg gegen Rußland , das Sie bisher mit hundert Lockungen verführt und Sie jetzt verstößt und verhandelt gleich einer Waare um zwei werthloser Weiber und adliger Namen willen ? « Der junge Offizier sah einige Augenblicke ernst vor sich nieder , er fühlte , daß von seiner Antwort die Meinung des fanatische Greises , vielleicht die Hoffnung seiner Zukunft abhängig sein würde . Aber er empfand zugleich , daß jedes Ausweichen , jede Täuschung seiner selbst und seiner Liebe unwürdig sei . - » Djemala-Din , « sagte er fest und bestimmt , » wird nie sein Schwert im Kampf gegen den Czaren Nicolaus , seinen Freund und Wohlthäter , ziehen . « Der alte Pole schaute finster und halb verächtlich auf ihn . » So werden Sie ein Zwittergeschöpf sein zwischen Krieger und Sclaven , mißtraut von den Ihren , mißtraut von Ihren bisherigen Freunden . Sie werden untergehen in diesem Kampf , wo Sie ein Held Ihres Volkes sein könnten . Ich hatte es anders gehofft und gewähnt , daß die Tochter eines unglücklichen und dennoch forthoffenden und ringenden Volkes in dem Sohne des glücklicheren die Flamme seines Rechts durch ihre eigene Begeisterung geweckt habe . « Der Tscherkesse sah ihn erstaunt und zweifelnd bei dieser offenen Anspielung an . - » Darf ich Ihre Worte deuten , wie mein Herz es möchte ? - ich beschwöre Sie , Graf - - - « Der Pole unterbrach ihn . - » Hören Sie mich an , Djemala-Din , des Imam ' s Sohn und vielleicht die Hoffnung der Zukunft eines ganzen Volkes . Die Vorsehung hat uns eigenthümlich hier zusammengeführt und es ist eine seltsame Stunde und Umgebung , in der ich