der Löschebrandten Glück ‹ hieß und sieben Menschenalter lang über den Schermützel hin geklungen hatte . Das gab nun ein Kopfschütteln im Dorf und allerlei Sorg ' und Furcht im Schloß , aber Sorg ' und Furcht konnte den Spuk nicht bannen , und obwohlen der alte Gottlob Ernst von Löschebrand , der erst Anno 19 starb und den ich selber noch gekannt habe , die Glocke mit sechs Pferden und einer schwarzen Decke darüber ( als ob es ein Leichenzug wäre ) nach Berlin fahren und einen frommen Spruch mit eingießen ließ – einen frommen Spruch , an den er nicht recht glaubte – so war es doch von dem Tag an vorbei mit der › Löschebrandten Glück ‹ und ist seitdem auch nicht mehr aufgekommen . « All die Zeit über war mir der Neufundländer unausgesetzt zur Seite gewesen und nur ein paarmal bis an den Wagen vorgesprungen , um nach Irme zu sehn . Der Emeritus aber öffnete mir immer mehr das Schatzkästlein seiner Erinnerungen , und als er hörte , daß ich zunächst nach Groß-Rietz wollte , riet er mir , bei seinem alten Freunde dem Kantor vorzusprechen und ihm Grüße zu bringen , » der werde mir mit Rat und Tat behilflich sein und mir zeigen , was zu zeigen sei « . Dabei waren wir aus dem Walde heraus und bis in die Front eines etwas zurückgelegenen und hinter Efeu halbversteckten Steinhäuschens gekommen , über dessen Heckenzaun fort ein kleiner Pfirsichbaum blühte . » Wie schön « , sagte ich . » Wem gehört dies Idyll an der Heerstraße ? « Der Alte lächelte vor sich hin . » Es wird wohl das des alten Emeritus sein . « Und wirklich , es war es . Eine Minute später schritten Großvater und Enkelin auf das Häuschen zu . Der Neufundländer folgte , verstimmt über die zu rasch abgebrochene Bekanntschaft . Irme drehte sich noch einmal um und nickte ; dann verschwanden alle drei hinter dem Heckenzaun und Moll und ich waren wieder allein . » Er ist auch nur arm « , sagt mein Philosoph in ernster Betrachtung . » Und dabei neunundsiebzig . Es is doch eigentlich eine traurige Geschichte . « » Warum ? Er sah ja nicht traurig aus . Ganz und gar nicht . Aber Sie sind ein Mammonsjäger , Moll ; Ihr drittes Wort ist immer Geld , und da kann ich schließlich nicht mehr mit . Ich hab Ihnen heute früh recht gegeben , aber Sie gehen ja viel zu weit und vergessen , daß ein Unterschied ist zwischen Pauvre-sein und Arm-sein . Arm-sein ist nicht so schlimm . Achten Sie mal darauf , immer die , denen das Leben das Leben schwer macht , das sind die tüchtigsten und klügsten . War nicht die Pieskowsche Wirtin eine kluge Frau ? « » Ja , ja . « » Nun sehen Sie , so viel Schneid ist immer nur bei der Armut . Die Not lehrt beten , sagt das Sprichwort , aber sie lehrt auch denken , und wer immer satt ist , der betet nicht viel und denkt nicht viel . « » Ich bin aber doch lieber satt . « » Ehrlich gestanden , ich auch . Darin stimmen wir nun wieder zusammen . Aber es ist doch auch was mit der Armut , oder wenn man so will , sie hat auch ihre Vorzüge . « » Man bloß nich viele ... « » Nein , viele nicht . Aber doch welche . Sehen Sie , Sie haben viel gelesen und sind eigentlich , wenn es nicht grad Ihre schwache Stelle trifft ( Sie wissen schon welche ) , für einen gebildeten Fortschritt . Und nun frag ich Sie , wo säßen wir noch und wo wären wir noch , wenn es keine Not in der Welt gebe . Die Not ist der große Treiber oder der eigentliche › Motor ‹ , wie manche sagen , und daß ich hier jetzt mit Ihnen herumkutschiere trotz Ostwind und dieser Stichsonne ( fühlen Sie mal wie mir die Haut schon abschülbert ) ist eigentlich auch bloß aus Not . « » I nu ja , man kann es auch so sagen . Aber ich bin doch mehr fürs Amoene . Sehen Sie den hübschen Turm da vor uns ? Das ist Groß-Rietz ; da kann man doch wieder ein Glas Bier kriegen und ein Rührei mit Schinken . « » Und da finden wir auch was in Schloß oder Kirche . Ja , Sie lachen Moll und denken , › ach das sagt er schon den ganzen Tag ‹ ; aber Sie sollen sehen , hier gibt es was . In Groß-Rietz nämlich hat der Minister Wöllner gewohnt , freilich erst als er in Ungnade gefallen war , und ist auch bald nachher gestorben . Wer in Ungnade fällt , heißt es , der lebt nicht mehr lange . Nu , mir könnt ' es nicht passieren ; in Ungnade-fallen und Pensioniert-werden ist eigentlich immer mein Ideal gewesen . Aber der eine denkt so und der andre so ... Haben Sie schon mal von dem Minister Wöllner gehört ? « » Nein . Wer war er denn ? Ich habe bloß noch von die Manteuffels gehört . Und einer hieß der kleine Manteuffel . Es muß also wohl schon vorher gewesen sein . « » O lange vorher . Er war Minister bei Friedrich Wilhelm II. oder wie die Leute sagen beim dicken König . Und sie sagen auch , er hätt ' ihm immer Hokuspokus vorgemacht und Geister und Gespenster , und alles immer mit Weihrauch und Glasharmonika . Na , vielleicht war es nicht so schlimm . Und das können Sie glauben , Moll , er war gescheiter als manche , die jetzt über ihn lachen . Is auch gar nicht zu verwundern . Denn wie ging es denn ? Erst war er bloß Hauslehrer und soll auch ein paarmal gepredigt haben und noch