dem Interesse , für welches Herr von Terschka auftritt , und wieder in dem , für das Sie beauftragt sind . So viel weiß ich und will es nicht leugnen , daß diese Frau von Wittekind-Neuhof zwei Kinder von meinem Vater besitzen soll ; als Herzogin von Amarillas war sie gewissenlos genug , sie beide zu opfern ... Mein Vater , von dem muß ich es leider ebenso eingestehen , machte sich keine Sorgen um die Folgen seines - Temperaments - Er überließ diese Kinder , denen ich ihr Dasein und eine gewisse Berechtigung auf meine Anerkennung als natürliche Geschwister nicht im mindesten abstreiten will , dem Zufall , der sie dann auch wirklich seinen Augen entrückte ... Jetzt soll eines dieser Kinder entdeckt sein . Von wem entdeckt ? Entdeckt in einem Augenblick , wo die Herzogin von Amarillas in Wien aufzutreten gedenkt , in Wien , wo , wie überall , Gesetze gegen Bigamie herrschen , falls - die Curie nicht hilft . Doch , wie gesagt , räthselhaft sind mir diese Entdecker einer Schwester - die ich haben soll . Es ist eine gewisse Angiolina - Pötzl , glaub ' ich , ein Mädchen , das , wie Herr von Terschka sagt , zufällig vom Grafen Hugo vor Jahren gefunden worden - es war ja wol mein ' ich bei einer - Kunstreitergesellschaft - ? Auf dies auffallend scharf betonte Wort trat eine Pause ein ... Terschka schien die Frage überhört zu haben ... Graf Hugo , fuhr in immer mehr sich steigernder Schärfe der Präsident fort , hat edel an dem Kinde gehandelt , das von jener sogenannten Frau von Wittekind , meiner Stiefmutter - auf der Landstraße verlassen wurde - bei jener damaligen Flucht der kasselschen Oper - Ich vergaß Ihnen nämlich zu sagen , lieber Sohn , Frau von Wittekind-Neuhof war ursprünglich eine italienische Sängerin ... Hörten für Löb Seligmann die Gewissensscrupel schon lange bei Nennung des Namens Leo Perl auf , so fühlte er nun vollends die behaglichste Wärme , sowol unter seinen bunten Decken und auf dem gepolsterten Sessel , wie vor Antheil an dem Vernommenen selbst ... Ein Uebergang der Enthüllungen in die Sphäre der Oper ... Eine italienische Sängerin ... Er gedachte der Henriette Sontag , die eben damals eine Gräfin Rossi geworden war ... Graf Hugo , fuhr der Präsident fort , hat sein Pflegekind lieb gewonnen , so lieb , daß er nicht abgeneigt sein soll , aus ihm seine Gemahlin zu machen ... Vortrefflich ginge das , wenn Angiolina Pötzl eine rechtmäßige Freiin von Wittekind wäre ... Herr von Terschka stellt mir das Ansinnen , diese Wendung der Dinge möglich zu machen ... Ich weiß nicht , ob dies auch der Antrag des Grafen Hugo selbst ist , und offen gestanden , ich kann es kaum glauben ... Würde er seine Schwiegermutter in Wien mit einem Proceß auf Bigamie empfangen wollen ? ... Auf diese scharf betonte Hervorhebung aller Dunkelheiten der in Frage stehenden Situation trat eine Pause ein ... Aber mochte sich auch Seligmann diese Pause mit noch so viel stürmischen Passagen füllen , sein musikgeübtes Ohr hörte nimmer die Accorde , die in Bonaventura ' s Innern auf und nieder wogten und riefen : So sprichst du , du - von der Bigamie ! Du , mit dem sich vielleicht auch - meine eigene Mutter in gleicher Sünde befindet ! ... Graf Hugo , fuhr der Präsident fort , wird ja nun jetzt so reich , daß er für sein Pflegekind unmöglich blos eine Ausstattung , unmöglich nur Geld begehren kann ... Meine junge Stiefschwester soll schön und geistig gebildet sein ... Herr von Terschka verglich sie schon lange mit jener abenteuernden Lucinde , von der Sie vielleicht schon hörten , lieber Sohn , vom Anlaß zum Tod meines armen Bruders Jérôme ... Ich meine jene Dame , von der man ja sagt , daß sie plötzlich jetzt in Witoborn wieder aufgetaucht ist ... Wieder trat auf diese gelegentliche Anmerkung eine Pause ein ... Seligmann fand schwerlich ein Tonbild der Orkane , die bei diesen Worten tausend Instrumente durch das Herz eines der Hörer stürmten ... Lucinde in Witoborn ! ... Bonaventura schien auf diese Mittheilung eine auffallende Bewegung gemacht zu haben ... Ja , sagte wenigstens Terschka wie zu einem , der daran zweifelte , das genannte Fräulein war vorgestern auf Münnichhof ... Aber Sie erwähnen sie nicht zu ihrem Vortheil , Herr Präsident ! ... Es ist eine Reihe von Jahren her , daß Graf Hugo und ich allerdings Ihrem Vater und diesem Mädchen , seiner damaligen Begleiterin , am Strande der Ostsee begegneten ... Wir kauften dort Pferde ein ... Mein Freund , der Graf , besprach mancherlei , was zu seinen hiesigen Erbschaftshoffnungen gehörte und worüber der damalige Vormund und Onkel der Gräfin Paula , Ihr Herr Vater , Auskunft geben konnte ... Die Rede kam auf jenes schöne Mädchen , das unter seinem Schutze reiste ... Ich verglich sie allerdings mit Angiolina ... Der Kronsyndikus gerieth über meine Analyse in die größte Verwirrung ... Die Nacht soll er eine aufgeregte Scene gehabt und nichts , als von seiner zweiten Gemahlin gesprochen haben und das wie von einem Wesen , dessen Vorhandensein sein Gewissen drückt ... Nur irren Sie sich in einigen Punkten ! fiel der Präsident mit seiner frühern Schärfe wieder ein . Sie verglichen jene Lucinde weniger mit Angiolina , als mit jener so bekannt gewordenen Olympia Maldachini in Rom ... Und darüber kam der Schrecken meines Vaters ; der Name Fulvia Maldachini war der frühere Name der Herzogin von Amarillas ... Seligmann sah jetzt große , wirkliche , echte , italienische Oper ... Maldachini ! ... Welch ein Klang - schon - beim Hervorruf ... Der Stand der Dinge ist der ! fuhr der Präsident fort , der immer mehr sogar in eine drohende Vortragsweise kam . Mein Vater hat vor einigen Jahren , als er noch bei Geisteskräften war , eine Generalbeichte beim ehrwürdigen Pater Maurus niedergelegt