Zwei Mal wiederholte sich dies Spiel , der Schlitten schnellte bereits hin und wieder über einen unter der Schneedecke liegenden Gegenstand , ohne daß die Fahrenden in ihrer rasenden Eile sich von der Natur desselben überzeugen konnten . Der Offizier glaubte mehr als ein Mal Rufen und menschliche Stimmen durch dies Toben der Elemente zu vernehmen , Gestalten und Schatten durch die Schneewirbel schwanken zu sehen - aber vergeblich war sein Haltruf , denn der alte Tatar trieb die ohnehin rasenden Rosse zu immer neuer Eile . Jetzt - dort - ganz deutlich hörte er den Hilferuf - gleich darauf eine schwache Salve von Gewehren - Gestalten taumelten um ihn her . - » Haltet ein - das ist unser Schlitten ! Halte ihn fest , Bogislaw . Das Erbarmen muß der eigenen Rettung weichen ! « Ein kräftiger Mann warf sich vor die galoppirenden Pferde und ließ sich von ihnen fortschleifen , ein Zweiter , eine schwere Last auf den Armen , schwankte hinter dem Schlitten d ' rein . » Schieß ' ihn nieder , Gospodin ! « schrie der Tatar ; » nieder , oder wir sind verloren , wenn sie sich an uns anhängen ! « Aber der Offizier hatte bereits selbst in die Zügel gegriffen und die Pferde zum Stillstand gezwungen . » Wenn Gott Ihnen barmherzig sein soll in Ihrer Todesstunde , so üben Sie selbst Barmherzigkeit ! « flehte eine tiefe Stimme neben ihm . » Nehmen Sie meinen Enkel , einen Knaben , in Ihren Schlitten und retten Sie ihn , ich will gern hier sterben und Sie segnen in meiner letzten Noth ! « - » Graf Lubomirski ? - ich kenne die Stimme - herein , herein ! jeder Augenblick ist Todesgefahr - aber ich lasse Sie nimmer im Stich ! « Der alte Pole , noch ungewiß , wer sein Retter sei , warf den leblosen Knaben in den Schlitten und sich darüber hin . » Wenn Du noch einen Augenblick zögerst , Gospodin , so sind wir geopfert ! « jammerte der alte Tatar . » Dort kommen sie und sie werden uns Schlitten und Pferde nehmen - die Last ist ohnehin für die Thiere zu groß ! « Massen schneebedeckter Gestalten stürzten herbei , wildes Geschrei ertönte , jeder der Unglücklichen drängte nach dem Mittel der Rettung . - » Vorwärts ! - vorwärts , ohne Erbarmen ! « rief der treue Jäger , indem er hinten auf die Kufen des Schlittens sprang und mit gewaltigem Faustschlag einen der Elenden in den Schnee schleuderte , der sich bereits dort angeklammert . Durch die halb betäubten , erstarrten Soldaten flog das Dreigespann mit der Doppellast davon querfeldein - hinter ihnen her Flüche und Verwünschungen , das Geheul des neu emporwirbelnden Sturmes - rings um sie ein fliegendes Meer von Flocken und spitzen , schneidenden Krystallen , daß oft kaum die Hand vor den Augen zu sehen war . Von Straße , von Pfad keine Spur , die hatte längst der wirbelnde Schnee begraben . Zum Glück vermochte der greise Führer in den Pausen des Sturmes nach den Sternen die Richtung zu finden , und obschon die Pferde von Schnee und Wind ermattet und durch die schwere Last gehemmt wurden , kamen sie doch rasch vorwärts und ließen die unglückliche Schaar weit hinter sich in dem weißen Grabtuch des Schnees . Die Hand des Herrn , die aus Flammengluth und Wogendrang errettet , war über ihnen und führte sie glücklich aus der eben so schrecklichen Gefahr des eisigen Todes unter den wandelnden Schneebergen . Nach zahlreichen Gefahren und Leiden hielten , etwa eine Stunde nachdem der Schlitten das Bataillon verlassen , die Pferde vor der offenen Fenze eines großen Gehöfts , in die sich zahlreiche Heerden schon beim Beginn des Sturmes glücklich geflüchtet hatten und wo sie jetzt im Schutz der langen , niedern , ein weites Viereck bildenden Stall- und Scheunengebäude kauerten . Der alte Tatar führte die Pferde in das Gehöft und auf den Ruf der Reisenden eilten die Bewohner und die versammelten Hirten aus dem Schutz des Hauses den Erschöpften zu Hilfe . Zwei Stunden darauf saßen , wie in jener Winternacht in dem Krug der polnischen Wälder , Graf Lubomirski und der junge Offizier , in dem Jener zu seinem freudigen Staunen Djemala-Din , den kaukasischen Prinzen , wiedergefunden , am warmen Heerdfeuer des Mennoniten Hesekiah zusammen . Der wackere Jäger Bogislaw , der so manche Gefahr mit ihnen und für sie treulich bestanden , wachte jetzt bei Michael Lasaroff , dem jungen Unterfähnrich , den sie starr und leblos in das Haus getragen und der endlich durch die angestrengte Anwendung aller Hilfsmittel wieder in ' s Leben zurückgerufen , sich in diesem Augenblick unter der Obhut der Frauen des Hauses und unter hoch aufgethürmten Betten im tiefen Schlafe befand . Draußen tobte der Schneesturm noch immer mit gleicher Heftigkeit und die des Landes Kundigen erklärten , daß er mindestens vierundzwanzig Stunden in derselben Weise anhalten werde , während welcher Zeit es unmöglich sei , den Schutz des Gehöftes zu verlassen . Selbst die aufopfernde Menschenliebe der Mennoniten hatte es daher nicht wagen können , den im Schneegefilde dem Verderben preisgegebenen Truppen irgend eine Hilfe zu bringen und vergebens hatten der Graf und der junge Kaukasier eine bedeutende Summe für Den geboten , der als Führer zum rettenden Hort die Unglücklichen aufsuchen wollte . Die Kälte war zur Nacht so heftig geworden , das Schneetreiben so wüthend , daß selbst das kühnste Herz verzagte vor dem gewissen Tode . Man hatte sich begnügen müssen , am Eingang des Dorfes Wachen aufzustellen , die alle Viertelstunde abgelöst werden mußten , und von Zeit zu Zeit Gewehre abschossen . Aber man wußte , daß bei der Macht des Sturmes der Schall kaum über den nächsten Umkreis dringen konnte , daß Alles vergeblich und das Schicksal der Unglücklichen wahrscheinlich längst entschieden war : - ein Grab unter dem Leichentuch der Schneelawinen , - ein Riesengrab für tausend muthige