Jesu und er selbst tritt unter die neuentfaltete preußische Kriegsfahne , folgt der Proklamation von Kalisch ; ich habe nie wieder von diesem ehrlichen Brüning etwas vernommen . Es ist der Vater unsers Max da . Der Major schwieg eine Weile . Die Andern blickten theilnehmend erstaunt auf den Maler , der mit gestemmten Händen den Kopf hielt und in seinen Römer blickte , wie auf den Grund eines räthselhaften Sees oder wie man am Rhein auf die Stellen blickt , wo die Sage von verschütteten Horten erzählt ... Der Major fuhr fort : Max , das Soldatenkind da , und Josephine , die Polin , galten für Geschwister , ohne es zu sein . Sie liebten sich wie sich Kinder lieben , die zusammen lernen und spielen , und die Nonnen flößten Beiden die ganze Schwärmerei in die jungen Herzen , die sie , der Welt entsagend , nur in ihren Träumen oder in ihrer Hingebung an Christus und die Heiligen aussprechen konnten . Es war leicht erklärlich , daß man Max als Katholiken erzog , ebenso , daß man auch ihn Leidenfrost nannte , weil die Nonnen auf ihren vielleicht von ihnen erfundenen Namen stolz waren . Max Leidenfrost wurde zuletzt ein gefährliches Element unter den Nonnen . Man führte ihn nach Warschau in ein Mönchskloster . Entführen hätt ' ich sagen sollen . Denn die Trennung von seiner Schwester soll List und Hinterhalt genug nöthig gemacht haben . Dort im Warschauer Kloster erzählt die Chronik viel Streiche von dem ketzerischen Knaben Max Brüning , genannt Leidenfrost , Streiche , die nicht in die Legende der Heiligen kommen werden . Josephine blieb bei den Nonnen , bis Sibylla , die Äbtissin , eine herrliche , verständige Dame , den geringen Beruf des Mädchens für die geistliche Welt erkannte und sie nach Warschau zu hohen Verwandten schickte . Äbtissin Sibylla gehörte dem altpolnischen Adel an . Josephine und Max sahen sich wieder und die Liebe des jungen Halbnovizen für seine Namensschwester wuchs . Ich will die Abenteuer nicht ausmalen , die der romantische Sinn der zusammenerzogenen , für Geschwister geltenden jungen Leute ... Der Major unterbrach sich : Hab ' ich nicht Recht , Max ? Leidenfrost hob den Kopf und schüttelte ihn lächelnd : Ich bin stumm gewesen und höre nur ! sagte er . Es war mir doch , bemerkte der Major zur Flamme emporsehend , als hört ' ich ... doch ich bin bewegt und meine Phantasie überhört vielleicht , daß ich selbst der Sprecher bin . Genug , Josephine ist jetzt das Weib des Majors Werdeck , aber welche Kämpfe hat es gekostet , bis ich sie mir errang ! Ich lernte sie vor zwölf Jahren in Warschau kennen , hangend und bangend in Liebe um ihren theuren Max , der , um nicht Priester zu werden , vor zehn Jahren entflohen war , verkleidet als Bedienter eines russischen Vornehmen , Otto ' s von Dystra . Welch ' ein Verkehr hatte sich zwischen ihnen entsponnen ! Max lernte vom Kleinsten auf und rang nach äußerer Bewährung eines innern Genius , der in ihm rauschte , ohne daß er ihn bändigen konnte . Was hatte er bei den Mönchen gelernt ? Nichts als nur schreiben , aber zierlich , malerisch schön ! Eine Künstlernatur lebte in ihm , ihm unverständlich . Er konnte kaum noch richtiges Deutsch , er mußte in Allem von vorn beginnen und vergriff sich in den Mitteln , seinen Geist zur Höhe zu bringen . Statt Maler Anstreicher , statt Bildhauer Drechsler ! ... Josephine galt in dem Hause , wo sie lebte , für eine Waise , ohne Lebensansprüche . Sie liebte Max und empfing seine Briefe , die sie beantwortete , wie Heloise die Briefe des Abälard beantwortete . Max raffte sich immer gewaltiger empor . Immer bedeutsamer wurde sein Talent . Er war Künstler , Maler ; er konnte stolz sein , Josephinen einst seine Hand zu bieten . Da sah ich dies reizende Mädchen in Warschau , wie ich als Hauptmann dort in einem militairischen Auftrag anwesend bin . Ich liebe Josephinen sogleich , trag ' ihr meine Hand an und trotzdem , daß durch die Papiere , die Brüning in Rußland dem todten Vater abnahm , des Mädchens wahrer Name , ihre adlige Herkunft allmälig entdeckt wird , schlägt sie meine Bewerbung aus und reist nach dieser Hauptstadt , um den inzwischen hier zur Geltung , zur selbstständigen Freiheit gereiften Bruder zum Gatten zu nehmen ... da ... Der Major stockte und unterbrach sich mit den Worten : Bin ich ein Thor , daß ich diese Erzählung begann ? Was führt mich darauf ! Die Freunde drückten ihren Dank , ihre größte Spannung aus . Louis Armand , der sich seines halbpolnischen Ursprungs erinnerte , schien besonders bewegt ... Aber der Major sagte : Nur der Trieb , Ihnen zu sagen , warum ich gern mit Ihnen lebe , gern in Ihrem Kreise bin , meine Herren , öffnete mir die Zunge zu dieser Geschwätzigkeit ... O wohl ! lachte Leidenfrost auf . Mit den sogenannten Verstandesmenschen , wofür der Major gilt , geht gewöhnlich die ganze Logik durch und reißt der Verstand alle Stränge , wenn die einmal aufthauen und ihr Herz zeigen wollen . Die Geschichte ist ganz einfach . Josephine kommt hierher . Der Hauptmann von Werdeck bestürmt sie mit seiner Liebe . Ich sehe sie , sie sieht mich wieder . Nach sechs Jahren ! Abälard und Heloise ! Lacht nicht , Kinder , es ist zum Weinen ! Betrachtet mich ! Was ? Nicht wahr ? Ich bin häßlich . Diese Citrone , die ich hier fasse , ist mein Gesicht ! Diese Löcher sind meine Augen ! Diese getrocknete Zwetsche ist meine Nase ! Ideal und Wirklichkeit ! Josephine sieht mich wieder , entsetzt sich , erwacht von ihrem Jugendtraum und heirathet den Hauptmann von Werdeck , den sie liebt wie einen Gatten ; mich liebt sie noch jetzt ...