Namen » Borkenhagen « - » Himmelpfort « - » Westerhof « fielen ... Nun schienen sie Anlaß zu Mittheilungen zu werden , die ihn interessirten und die vielleicht mit seinen gestrigen Erlebnissen zusammenhingen ... Deutlich unterschied er die Stimme Terschka ' s ... Deutlich die des Präsidenten ... Zwei andere wußte er noch nicht recht hinzubringen ... Eine davon war ihm nicht gänzlich unbekannt ... Kämpfend mit sich , was zu thun sei , ob er rufen oder schweigen sollte , ging er noch einmal leise durch alle Zimmer zurück , suchte überall , wo ein Ausweg sein konnte , seine Befreiung , fand diese aber nicht und beredete sich , entschlossen zu sein , zu rufen , zu klopfen , durch die geheime Tapetenthür mit seiner » fragwürdigen « Anwesenheit hervorzutreten in die feine Gesellschaft und ganz gehorsamst um Entschuldigung zu bitten ... In Wahrheit aber setzte er sich hin , um - zuzuhören ... Jetzt erkannte er auch die dritte Stimme ... Den ehemaligen Vicar von Sanct-Zeno , den Neffen des Dechanten , den Domherrn von Asselyn ... Der Vierte war ohne Zweifel der Provinzial ... Sollte er da seinen hülfestehenden Septimenaccord einsetzen und ein so schönes Quartett stören ? ... Und es kam denn so , daß er auf einem Polstersessel dicht an der Thür verblieb ... Es kam denn so , daß er zum Horcher wurde mit und wider Willen ... Es kam denn so , daß er Dinge hörte , die ihm vor Frost die Erinnerung an den noch nicht überstandenen Februar weckten ... Es kam denn so , daß er eine der schweren Seidendamastdecken von den Tischen zog und , trotz der in ihnen befindlichen Motten , sie um sich schlang und sich einhüllte und daß er sogar noch eine zweite holte und sich wie ein Hoherpriester zu Jerusalem vorkam mit den Urim und den Thumim ... Denn die schweren Goldtroddeln hingen ihm quer über die Brust hinweg ... Der Präsident von Wittekind sprach mit einer , wie es schien , höchst erregten und von seiner gewöhnlichen kalten Art ganz abweichenden Stimme fest und bestimmt die deutlich hörbaren Worte : Ja , Herr von Terschka ! Ich war vorbereitet auf einen Bevollmächtigten , den man in dieser betrübenden Angelegenheit mir von Rom aus schicken würde ! ... Hm ! Hm ! ... Daß es aber Sie sein würden , gesteh ' ich , hätte ich nicht erwartet ... Seligmann brauchte nur von » Rom « zu hören , um mit gespannterer Aufmerksamkeit zu folgen ... Herr Präsident , antwortete Terschka mit seiner Löb bekannten leutseligen Harmlosigkeit , die nur zuweilen , wie Löb gleichfalls hätte bestätigen können , unter vier Augen nachdrücklich abgelegt werden konnte ; Herr Präsident , bei meiner nahen Verbindung mit dem Grafen Hugo ist der Auftrag , den ich vorgestern durch den Herrn Provinzial entgegengenommen habe , nicht so auffallend ... Ich kenne ja auch selbst sehr genau das außerordentlich liebenswürdige Mädchen , das halt so zu sagen eine Adoptivtochter des Grafen Hugo ist ... Seligmann rüstete sich auf Vervollständigung seiner genealogischen Kenntnisse , die in diesen hohen Kreisen immer empfehlend sind ... Ich muß Sie , lieber Sohn , sprach der Präsident und redete damit ohne Zweifel den Domherrn von Asselyn an , ich muß Sie mit dem Gegenstand unserer Verhandlung bekannt machen , welcher Sie jetzt nicht nur in Ihrer Eigenschaft als mein Sohn und Freund , sondern auch als geistlicher Rather und zuverlässiger Zeuge beiwohnen ... Man hat von Rom aus in einem an den Herrn Provinzial gerichteten Schreiben ausdrücklich ... Diese Worte brachen für Löb nicht ganz verständlich ab ... Eine Pause deutete die stumm bejahende Geberde des Pater Maurus an , der demnach zu den drei Löb jetzt bekannten Personen wirklich die vierte war ... Mein Vater , fuhr der Präsident mit Erregung fort , hat leider aus dem himmlischen Gnadenschatz alle die Spenden nöthig , die er uns Sündern bietet ... Ich spreche dies mit Schmerz , aber offen aus ... Zu einer ganz besondern Kränkung für mich müssen die lebenden Zeugen seiner Verirrungen dienen ... Doch werden diese befriedigt werden und sie sind es zum Theil schon - - Nur Ein Verhältniß bot und bietet noch immer Schwierigkeiten . In Rom befindet sich eine Frau , von der man behauptet , sie hätte Ansprüche , sich die zweite Gemahlin meines Vaters nennen zu dürfen . Sie soll auch in der That von einem frühern Pfarrer - dieser - Gegend - ich glaube - Leo Perl - Seligmann erbebte bei Nennung dieses Namens . Jetzt verwarf er alle Ermahnungen seines Gewissens , die ihm unausgesetzt zuflüsterten , sich ein Zimmer weiter zu setzen und sich nicht in die Geheimnisse der vornehmen Welt zu drängen ... Nicht wahr ? unterbrach sich der Präsident , als suchte er sich der Richtigkeit des Namens zu vergewissern ... Die Herzogin von Amarillas kennt vielleicht den Namen des Geistlichen nicht mehr , der sie traute ... sagte Terschka ... Der sie traute - haha ! Das ist es ! Mit meinem Vater nämlich , lieber Sohn ! Es handelt sich um eine Frau , die nichtsdestoweniger , daß sie sich Frau von Wittekind-Neuhof zu nennen berechtigt sein will , doch 1813 von Kassel aus nach Paris flüchtete und dort eine neue Heirath vollzog mit einem spanischen Granden , leider einem Granden ohne Vermögen , dessen langer Titel sie lockte ... Von der schweren Sünde der Bigamie , scheint es , will die römische Curie die Herzogin von Amarillas freisprechen und sich jetzt plötzlich für die erste Ehe entscheiden ... Herr Präsident , nein ! sagte eine rauhe Stimme ... Ohne Zweifel war es die des Mönches ... Bigamie ! ... Zwei Männer auf einmal ! ... Löb Seligmann schauderte vor einer Situation , die ihn zum Zeugen solcher Enthüllungen machte ... Der Präsident , sich in seiner Anklage gegen Rom mäßigend , fuhr fort : Allerdings gestehe ich , Herr Provinzial , nicht völlig klar zu sehen in