, den sie von sich gaben ... Dann taxirte er das Krystall , die Bronze , den Sammet , und war besonnen genug , die Kunst der Decoration höher anzuschlagen , als den massiven Werth ... Viele der Bronzirungen zeigten stark den » Zahn der Zeit « , jenen Begriff , den Veilchen in ihrem Humor vorgeschlagen hatte zum Namen des Nathan Seligmann ' schen antiquarischen Geschäfts zu wählen ... In das Geschäft : » Zum Zahn der Zeit « gehörte bei näherer Besichtigung fast jeder dieser Plüsch- und Seidenstühle ... Und so bekam Löb auch Handelsideen zum besten seines Bruders ... Darüber verging eine geraume Zeit ... Als er sich dann endlich auf den Weg machte , um umzukehren , erschrak er bei einem flüchtigen Blick in den Hof ... Er sah aus einem eleganten Wagen einen Mönch aussteigen ... Bruder Hubertus das ? sagte er sich und die Erinnerung an die gestrigen Erlebnisse ergriff ihn mit schreckhafter Macht ... Hubertus war es aber nicht ... Löb besann sich , es war Pater Maurus , der Provinzial und Guardian selbst ... Kam er etwa , um sich nach ihm zu erkundigen ... Die Diener verbeugten sich tief ... Löb beruhigte sich ... Der Klosterabt schien mit freiherrlich Wittekind ' schem Wagen aus seiner Zelle abgeholt worden zu sein ... Vor Neugier und Gewissensbissen gerieth Löb bei dem Gedanken an seinen Rückzug in einen falschen Corridor ... Es liefen deren zwei in den großen Ballsaal ab ... Einer sah dem andern so ähnlich , daß Löb nicht wußte , war er durch den linken oder durch den rechten gekommen ... Als er seinen Irrthum erkannte , mochte er nicht den weiten Weg umkehren , sondern hoffte , eine der mehreren kleinen Thüren , die er hier sahe , verbände vielleicht beide Corridore ... Er drückte eine derselben auf ... Siehe da ! Das war ja ein ganz seltsames Gemach ... Er trat einen Schritt vor , orientirte sich im Dunkeln ... da - o Himmel ! - fällt die Thür hinter ihm in ein Schloß , zu dem er keinen Drücker findet ... Im Dunkeln durchtastet der plötzlich zu allen Schrecken nun auch noch selbst Gefangene die ganze Länge der Ritzen an der Thür dahin , reißt sich an der Spitze eines hervorstehenden Nagels die Veranlassung zum schmerzhaftesten Au ! ein und steht mit einem blutenden Finger ... Was jetzt thun ? ... Klopfen ? ... Lärm machen ? ... Seine Neugier selbst an die Oeffentlichkeit bringen ? ... Großen Männern gehen ihre Schatten voraus , sagt Jean Paul , und lebhafte Phantasieen erfassen sofort die äußerste Möglichkeit ... Löb Seligmann sah sich vor Discretion , vor Scham und vor jetzt vielleicht erst kaum halb bestrafter Neugier stumm ringsum ... Er sah sich hier eines langsamen Hungertodes sterben - ganz wie Florestan in » Fidelio « ... Das Zimmer war ohne Fenster ... Es konnte nur benutzt werden durch Erleuchtung ... Höchst prachtvoll , wenn auch gleichfalls schon für das Geschäft » Zum Zahn der Zeit « brauchbar , war auch hier die Decoration ... Hier mußten sicher einst die üppigen Schönen auf schwellenden Divans geruht haben , wenn sie auf Bällen vor der Hitze des Tanzsaals flohen ... Das sind Cabinete , dachte er , wie die , in welche Don Juan die Tausend und Eins entführte ... Und um ihn her geigte und trompetete alles ... aber im Geist rief er mit dem Schrei der Zerline : » Hülfe ! Rettung ! « ... Mit der linken Hand , die er der Vorsicht wegen lieber jetzt mit einem glücklicherweise in der Tasche vorgefundenen Pelzhandschuh bewaffnete , rutschte er an den Wänden entlang , immer noch in der Hoffnung , einen Drücker zu einer nicht sofort ersichtlichen andern Thür zu finden , und schon gewöhnte sich sein Auge an die Finsterniß ... Und wirklich - die Hand fuhr jetzt auf eine Klinke - und ein neues Zimmer ging auf ... Aber - auch dies Zimmer war ohne Ausgang ... Es war von gleicher Beschaffenheit , wie das vorige ... Auch hier war alles auf Beleuchtung berechnet ... Gott meiner Väter ! seufzte Löb ... Er hatte manchen vornehmen Ball , selbst Bälle bei seinen Vettern Fuld , in der Ferne beobachtet ; er konnte sich denken , wie prachtvoll das sein mußte , wenn hier alles von Lichtern widerstrahlte , Eis herumgegeben wurde , lachend und reizvoll dahingegossen die Schönen auf den Divans lagen , die Herren um sie her voll Bewunderung und Galanterie ... Da und dort sah er Spieltische ... Gold und Silber glänzte ihm unter den Karten entgegen - Aber links und rechts waren sämmtliche Drücker abgeschraubt ... Nur in der Mitte gingen die Thüren auf ... So zu einem dritten Zimmer , das er gleichfalls noch öffnete ... Die Luft war dumpf und stickig ... Hier war seit Jahren nicht gelüftet worden ... Löb wurde immer lebendigbegrabener ... Schon schickte er sich an , seinen Weg durch die drei Verließe zurückzunehmen und sein Heil , mit dem Risico des Verlustes seiner Kundschaft auf diesem Schlosse , in einem durchdringenden Hülferuf zu suchen , als er hinter der Wand , da , wo es noch in ein viertes Zimmer gehen konnte , sprechen hörte ... Jehovah sei Dank ! war sein erstes Gefühl ... Er wußte , daß schon ein lautes Klopfen nun nicht mehr ohne Beistand bleiben konnte ... Sollte er jetzt gleich an die hier ohne Zweifel wiederum befindliche Tapetenthür pochen oder sich vorläufig in Ruhe verhalten ? ... Das Gespräch nebenan schwieg plötzlich ... Leise wagte er auf den in den inneren Verbindungsthüren vorhandenen , aber überall festgeschraubten Drücker den wunden Finger zu legen ... Hier nun war die Thür verschlossen und sicher vermuthete man nebenan nur eine Wand und lehnte sich sorglos an sie an und war keines Lauschers gewärtig ... Wieder begannen die Stimmen ... Jetzt vernahm auch Löb Worte , hörte Namen , die ihm bekannt waren ... ja die