Gittern Jahre lang hängen bleibt , bis der Wind zu Hülfe kommt und auch mit diesem einst so blühenden Frühling die Erde düngt ! Der Park schien unverfallen ... Die Ulmen , unter deren Schatten Lucinde so oft dahingehuscht , standen hoch und auch ohne Blätter stolz und vornehm ... Die Tannenbäume gaben dem Ganzen einen Schein des Sommerlebens ... Die Pavillons verriethen Bewohner , wie sonst . Nur der Teich war noch nicht aufgethaut ; das große Geflügelhaus sah wie ein riesiger Strohmann aus ; seine Bewohner mußten gegen die Kälte geschützt werden ... Wie stattlich war das Schloß ! Wie gewandt waltete schon der Erbherr ! Wie sah man auf dem Hof von den Fenstern in der Frühe schon alles in Bewegung ! ... Frau von Wittekind schritt trotz der Kälte und der feuchten Luft über den Hof und konnte , resolut wie sie war , Löb von der Verlegenheit befreien , eben die nähere Bekanntschaft mit zwei wilden Neufundländern zu machen ... Gut geschlafen , Herr Seligmann ? lächelte sie ... Sie bleiben doch den Tag über hier ? ... Wir haben viel zu plaudern ... Aber erst nach Tisch ! ... Machen Sie sich ' s bequem ! ... - Sie sind unser Gast ! ... » Sie sind unser Gast ! « - Seit dem : » Speisen Sie bei mir in Drusenheim ! « das ihm im Herbst Bernhard Fuld so vielverheißend und so wenig erfüllend zugerufen , nahm Löb diese Phrase nicht mehr allzu wörtlich ... Schon wußte er auch , Frau von Wittekind war genau ... Sie liebte das Geld und verhandelte mit ihm mehr darüber , als ihr Gatte ... Löb sollte sein Urtheil über noch weitere Verbesserungen der großen Besitzungen geben und Vorschläge zu Verkäufen machen ; an baarem Gelde war Mangel ... Auch in des Kronsyndikus echtem Testamente standen nicht kleine Legate zu bezahlen ... Frau von Wittekind hob sich durch ihr schwarzes Atlaskleid , in das sie sich schon in aller Frühe geworfen hatte , stattlich von den weißen Wänden des Schlosses ab ... Sie schlüpfte behend über den mit Kieselsand bestreuten Hof . Ein eigenthümlicher Kopfputz von schwarzem Draht und Schmelzperlen zierte das noch schöne dunkle Haar der schlanken Frau , die gegen die gedrücktere und durch die Jahre verkümmerte Gestalt ihres Gatten sich wie eine noch jugendliche hervorhob ... Löb sollte sich erst , da Besuch erwartet wurde , auf den Nachmittag zu umständlicheren Conferenzen bereit halten ... In den Zimmern , wo einst Lucinde und Klingsohr jene verhängnißvolle Abendstunde zubringen durften , wurde schon eine Tafel hergerichtet ... Noch waltete dabei die Lisabeth , die den Makler scheu von der Seite anblickte ... Löb wußte , daß sie ihm seine Bekanntschaft mit dem Küfer nachtrug . Sie war fast eine Dame geworden ... Nur durch die Angst , die letzte Stunde ihrer hiesigen Wirksamkeit dürfte bald geschlagen haben , mochte sie heute etwas freundlicher gestimmt sein , als schon lange in ihrer Art lag ... Löb suchte Frieden und Freundschaft mit aller Welt und plauderte sich gern aus dem Herzen heraus in die Herzen hinein ... Das Schöne und Vornehme übte einen besondern Reiz auf sein ästhetisches Gemüth ... Silberne Geräthschaften , die man in die obern Zimmer trug , reizten seine Neugier nach dem Glanz , nach den Farben , dem Marmor , die oben verschwendet sein sollten ... Nur umschnoberten ihn noch die fatalen Hunde und hielten die schreckhaften Erinnerungen von gestern wach , auch die dunkeln Sagen von der Vergangenheit dieses Schlosses Neuhof ... Erschreckt umherirrend und doch träumerisch alles bewundernd und taxirend kam Löb auf die große Treppe . Stufe für Stufe zählend , schlich er hinauf ... Eine hohe Flügelthür stand mit beiden Schlägen offen ... In diese trat er behutsam ein , seine Neugier durch Bewunderung maskirend ... Ein zuletzt vollkommen natürliches Staunen ergriff ihn über all diese Pracht ... Er hatte viele Herrenhöfe besucht ; aber diese Schönheit an Stuccaturen und Malereien , an bronzirten Marmortischen , in denen man sich hätte spiegeln und rasiren können , war ihm noch nicht vorgekommen ... Reizend war eine links gehende Galerie , an den bemalten Wänden mit seidenen Divans und Glaskronen und Bronzeleuchtern geschmückt ... Die Malereien stellten Scenen , wie er sich ganz richtig sagte , aus dem Olymp vor ... Wie drang da der Klang des Liedes : » Vom hoh ' n Olymp herab ward uns die Freude ! « das manchmal die Studenten im Roland am Hüneneck sangen , in seine Seele ! ... Das war nun diese » Freude « aus - » Olim ' s Zelten « . Leider machte er diesen Schnitzer zum Staunen und zum Lachen seines Neffen David Lippschütz , als er später diese Vorfallenheit in einem Briefe nach Kocher meldete - Er verwechselte » Olim ' s Zeit « mit der Zeit des Olymp ... Allerdings war auch hier eine Olim ' s Zeit ! Für so verfängliche olympische Gegenstände , wie an diesen Wänden von Künstlerhand wiedergegeben waren , würde die Gegenwart nicht einmal die raschbereiten Künstlerhände aufgefunden haben ... Sie glichen den Fresken über Alexander und Roxane , die sich zu Rom von Rafael ' s Hand im Hinterzimmer der Galerie des Fürsten Borghese befinden . In jetzt unverfänglicher , rein kunstkennerischer Stimmung verlor sich Löb immer weiter im Corridor und kam in einen großen Saal , der seinerseits etwas Schauerliches hatte - durch seine riesigen Dimensionen und seine Unwohnlichkeit und Kälte ... Der Saal war rings mit Spiegeln belegt ... In ganzer Figur , von seinen etwas zu kurzen schwarzen Beinkleidern an mit den hervorstehenden Knieen bis zum Scheitel seines heute ohne zu laute Musikbegleitung frisirten Haares , sich in Lebensgröße betrachten zu können - reizte Löb ... Er mußte im ganzen Saal auf den Fußzehen die Runde machen ... Alles war still ... Er griff an den Girandolen die Glastropfen an und ließ sie hin und her baumeln ... Er erfreute sich an dem hellen Ton