überzeugt gewesen , als jetzt ... Inzwischen stand er dicht an der stattlichen Treppe , die zum geschlossenen Portal der Kirche führte ... Als es noch immer still blieb , wollte er endlich weiter fahren ... Aber sein wißbegieriger Sinn bestimmte ihn , noch einmal einen Versuch zu machen , ob er nicht etwas von den beiden Verschwundenen in der Kirche selbst entdecken sollte ... Die Pferdedecke war an sich verschmerzt , er hätte aber doch gern gewußt , wo sie geblieben ... Dicht an dem Ende der stattlichen Aufgangstreppe zur Kirche begann die Einfriedigungsmauer des Klosters ... Einige Schritte entfernt lag eine Thür , von der er durch den Besuch bei Pater Sebastus wußte , daß sie in einen kleinen Vorhof , dann zur Linken ins Kloster , zur Rechten durch einen Gang in die Kirche führte ... An diese Thür ging er und drückte , mit einiger Beklemmung über seinen Antheil an den Ursachen , die den Pater Sebastus in Haft gebracht hatten , auf die Klinke ... Die Thür ging auf ... Alles war still ... Vorsichtig trat er einige Schritte weiter bis an den Gang zur Kirche ... Da hörte er plötzlich einen lauten , entsetzlichen Schrei ... Gellend , markdurchdringend ertönte es ... Der Schrei kam von der Kirche her und war wie die Stimme eines Erstickenden ... Unmittelbar darauf hörte man noch ein furchtbares Krachen , das weit in der Kirche widerhallte ... So bang ihm jetzt zu Muthe wurde und so fern ihm jede Melodie der Ermuthigung ins Ohr klang - etwa ein » Frischgewagt ! « aus » Maurer und Schlosser « - er war mit zwei Schritten , die auf dem Steinboden ängstlich knirschend widerhallten , dennoch vollends der Thür der Kirche - noch näher getreten ... Da hörte der Tollkühne eine leise Stimme singen , hörte einen Schlüsselbund drehen , sah Jemand aus der Kirche kommen und huschte erst jetzt zurück auf den kleinen Vorplatz , von dem man in die Halle trat , wo sich die Gänge links und rechts theilten ... Bei alledem dachte er : Ei was ! Du kannst ja ein Verlangen tragen , dir die Kirche anzusehen ... So blieb er stehen ... Und was kann denn auch so Entsetzliches geschehen sein , da ja ein so ruhiger Zeuge zugegen war ! ... Die Kirchthür wurde zugeschlossen ... Ein Mönch ging vorüber und sang für sich ganz ruhig und friedlich ... Wie er Löb Seligmann erblickte , rief er allerdings plötzlich : Husch ! ... Dies Husch ! war eigen ... Husch ! husch ! wiederholte der Mönch und wehte doch nur durch die Luft , wenn auch schon ganz dicht unter Seligmann ' s Nase ... Wie ein Donnerwetter sprang Löb denn nun doch von dannen , ließ die Mauerthür offen , rannte an seinen Wagen , sprang auf diesen hinauf , ergriff die Peitsche und lenkte den Gaul lieber von der Treppe ein wenig abwärts ... Niemand kam ihm nach ... Löb mußte annehmen , daß seine Aufgabe erfüllt war , und fuhr von dannen ... Noch einmal fuhr er die ganze Länge der Kirche vorüber und seltsam ! nun war es ihm , als sähe er an einem vergitterten Fenster der untersten Gewölbe einen Lichtstrahl ... Er hielt sich indessen nicht mehr auf ... Der entsetzliche Schrei , das furchtbare Krachen , das so gespenstisch in den Gewölben hin und her irrende Licht brachten ihn um allen Anhalt polizeigemäßer Beruhigungen ... Noch drei Stunden brauchte er , bis er Schloß Neuhof erreicht hatte ... Noch einmal mußte er tränken und füttern , bis er die schönen Tannen des freiherrlich Wittekind ' schen Parks sah ... Dann ließ ihm allerdings die Präsidentin im Seitenflügel ein freundliches , wohlgeheiztes Mansardenzimmer anweisen , ließ ihm ein Essen vorsetzen und ihn auf morgen bescheiden ... Vom Brand auf Westerhof war , wie er an der Bedienung sah , auch hier alles erfüllt ... Nicht minder von Hubertus und von dem geretteten Diener ... Löb konnte von alledem als Kenner berichten ... Indessen - er hatte den Muth verloren , sich als einen Eingeweihten der Kirche zu bekennen ... Schon einmal war ihm die Begegnung mit einem Mönche übel bekommen ... Dies stille Husch ! Husch ! Jener Schrei , das Krachen , das Licht im untern Gewölbe - Es kam ihm eine Vorstellung , als setzte ihn das Schicksal vielleicht einmal selbst in Musik und verwandelte ihm sein jetzt sich so heiter anlassendes Leben in eine Oper mit tragischem Ausgang ... Er riegelte die Thür zu und entschlief mit gespannter Erwartung auf die kommenden Enthüllungen ... Er faßte den Vorsatz , durch taktvoll diplomatisches Beherrschen seines Mittheilungsdranges , der Sphäre , in der er hier leben durfte , nach allen Richtungen hin Ehre zu machen . 20. Das mußte man aber sagen - mochte auch der Kronsyndikus die letzten Jahre seines Lebens in Geistesschwäche zugebracht haben , überall sah man die von früher her stammenden Spuren seiner rastlosen Natur . Die Güter der Dorste-Camphausens waren dagegen im Verfall . Rings um Neuhof erhoben sich stattliche Anlagen , die selbst noch aus der winterlichen Decke in ihrer Bedeutung für die Zeit des Wachsens und Blühens vielversprechend hervortraten ... Auf den Feldern , obschon sie hoch gelegen waren , bemerkte man selbst noch in den schneebedeckten Furchen die sorgfältige Cultur ... Kalköfen , Ziegeleien fanden sich auch hier , doch alles in stattlicherer Erscheinung , als bei den Dorstes . Der Holzschlag in den Waldungen war nach der Regel , mit Schonung und Voraussicht auch für künftige Zeit ... Die Buschmühle , wo einst der Deichgraf gehaust , war ein Meyerhof von ganz besonderer Pflege . Daß dem Deichgrafen dafür gleichfalls ein Ruhm gebührte , wurde nicht mehr viel erwähnt . Raschlebend ist unser Geschlecht oder - entschuldigt sich die Gegenwart durch die Sorgen , die auch ihr genug aufgebürdet sind ? Traurige Kränze , die auf Friedhöfen Niemand mehr erneuert ! Trauriger Herbst , der zwischen verrosteten