Sauen , und hier rechts weg is ' ne Kolonie von des Alten Fritzen Zeiten her und heißt Schweinebraten ! « » Aber Moll , ist es denn möglich ? « » Ach Gott , hier is alles möglich . Und warum heißt es so ? Weil sie keinen haben . Und wollen sich wenigstens einen vorstellen oder dran erinnern . « » Aber warum sich erinnern an das , was man nicht haben kann . Ich finde , das ist gegen die Lebensweisheit . Freilich jeder hat so seine eigne . Und nun sagen Sie mir , das große Wasser hier vor uns , was ist das ? « » Das ist der Schermützel . « » Ah , das ist schön . Und das daneben , das sind wohl die Güter , die die Löschebrands hier hatten ? « Er bejahte . » Nun sehen Sie , da müssen wir hin . Ich denke mir , daß ich da vielerlei finden werde : Gräber und Türkenglocken , und Denkmäler und Inschriften . Und vielleicht auch einen Pfeiler mit ein paar eingemauerten Nonnen , oder ' ne Sakristei mit ' nem vergrabenen Schatz . « Er lachte . » Nei , so viel finden Sie nich . Un ' nen vergrabenen Schatz erst recht nich . Oh , du meine Güte ... « » Nun , wir wollen sehen , Moll . « Und damit fuhren wir weiter auf den Schermützel zu . 2. Am Schermützel 2. Am Schermützel Nur von dem höchsten Punkte der » Schönen Aussicht « aus hatten wir den See vor Augen gehabt , als wir nun aber , am Hügelabhange hin , ihm direkt zufuhren , verschwand er wieder und überließ mich auf eine halbe Stunde nicht nur dem mahlenden Sande , sondern auch allerhand philosophischen Betrachtungen , in denen Moll so stark war . Er sprach unter anderm eingehend über das Glücksrad und den Wechsel aller Dinge , wovon auch der Schermützel , übrigens zu seinem und der Anwohner Vorteil ein Lied zu singen wisse . Jetzt bring er zum Beispiel 2000 Taler Pacht und werd ' es bald noch höher bringen , um die Zeit aber , als die Franzosen im Lande gewesen seien , sei der ganze See , der damals dem Fiskus gehört , um die Summe von 2000 Taler an einen Meistbietenden verkauft worden . Und noch dazu wie ? Der Meistbietende sei nämlich ein Herr von Löschebrand auf Saarow gewesen ( nicht der alte Rittmeister , der jetzt auf dem Reichenwalder Kirchhof liege , sondern sein Vater oder Großvater ) , ein pfiffiger alter Junker , der sich denn auch einen richtigen Junkerspaß gemacht und die ganzen 2000 Taler in lauter ihm selber aufgezwungenen Bons und Lieferungsscheinen ausgezahlt habe . Natürlich seien die Scheine von dem Beamten untersucht und nachgezählt worden , und als sich bei der Gelegenheit ergeben , daß es nur 1998 Taler seien , habe der alte Saarowsche mit einem Gesicht , als ob es ihm nicht drauf ankomme , noch zwei blanke Taler zugelegt und dabei herzlich gelacht . Und so sei denn der ganze See damals für zwei Taler oder den tausendsten Teil von dem , was er jetzt Pacht bringe , verkauft worden . Unter solchem Geplauder waren wir , immer noch am Hügelabhange , bis an ein halb pavillon- , halb tempelartiges und zugleich völlig einsames Gebäude gekommen , das zwischen Kiefern und Laubholz hindurch auf den hier plötzlich wieder sichtbar werdenden See sah . Ich erfuhr , daß ein Herr von Bonseri dies Mausoleum ( denn ein solches war es ) errichtet habe , war aber unaufmerksam auf alles Weitre , weil die Schönheit des Schermützel und seiner Dörfer mich ausschließlich zu fesseln begann . Das nach rechts hin gelegene mußte Saarow sein . Ich erkannte deutlich das hohe rote Herrenhausdach , das über die Wirtschaftsgebäude wegragte , während ihm gegenüber , alles Pappelgestrüpps unerachtet , der kleine Pieskower Kirchturm immer deutlicher hervortrat . Beide Dörfer lockten mich , das eine wie das andere , da das Fuhrwerk aber geschont werden mußte , so beriet ich mit Moll und proponierte , daß er mit den Pferden unmittelbar auf das an unsrer eigentlichen Reiselinie gelegene Pieskow fahren solle , während ich meinerseits erst nach Saarow marschieren und von dort aus in einem kleinen » Seelenverkäufer « über den See hinüberkommen wolle . Das fand denn auch seine Zustimmung , wie jede den Weg kürzende Proposition , und während er sofort auf einem Schlängelweg bergab und auf die linke Schermützelseite zufuhr , hielt ich mich rechts , um auf einem am See hinlaufenden Wiesenpfade bis an den Fahrdamm und demnächst auf die große Saarower Dorfstraße zu kommen . Es war ein wundervoller Weg ; über dem blauen Wasser wölbte sich der blauere Himmel und zwischen den spärlichen Binsen , die das Ufer hier einfaßten , hing ein ebenso spärlicher Schaum , der in dem scharfen Ostwinde beständig hin und her zitterte . Holz und Borkestücke lagen über den Weg hin zerstreut , andre dagegen tanzten noch auf dem flimmernden See , der im übrigen , all diesem Flimmern und Schimmern zum Trotz , einen tiefen Ernst und nur Einsamkeit und Stille zeigte . Nirgends ein Fischerboot , das Netze zog oder Reusen steckte , ja kaum ein Vogel , der über die Fläche hinflog . Oft hielt ich an , um zu horchen , aber die Stille blieb und ich hörte nichts als den Windzug in den Binsen und das leise Klatschen der Wellen . Und endlich auch die Schläge , die vom Pieskower Turm her zu mir herüberklangen . Ich zählte zwölf , es war also Mittag , und ehe der letzte noch ausgesummt hatte , war ich auch schon bis an die Stelle heran , wo mein Fußweg in die vorerwähnte Saarower Dorfgasse mündete . Dicht am Eingange saß ein Mütterchen auf einem Strauch- und Reisigbündel , das sie sich aus der Heide geholt , und grüßte mich . Alte