mit mir , aber durch Blicke ... Durch Blicke ... Wie so Blicke ? ... Immer , wenn er mir im Feld begegnete , sah er mich mit seinen großen schwarzen Augen an ... Warum sah er Sie an ? ... Ich war damals Jäger gewesen und eben erst ins Kloster gegangen ... Oft war mir , wenn ich ihn grüßte , als wollt ' er mit mir reden ... Dann blieb ich stehen ... Aber er ging vorüber ... Das dauerte , bis seine schwere Krankheit kam ... Welche ? ... Die Zehrung ... Der starke Mann die Zehrung ! ... Wenn er hustete , krachte es wie ein Gewölbe ... Gott im Himmel ! ... Ich ließ ihm ein Mittel anbieten ... Ich dokt ' re schon lange ein wenig ... Es half nichts ... Er nahm ' s gar nicht ... Nahm ' s nicht ... Aus Stolz auf die Gelehrsamkeit ... auf seine Wissenschaften ... Oder er wollte keine Furcht vorm Tode zeigen ... Das sagte er mir einst , als ich das einzige mal mit ihm gesprochen hatte ... Warum sprach er mit Ihnen ? ... Er wollte mir für mein Mittel danken ... Wollte Ihnen danken ! ... Bruder , sagte er , ich werde sterben ... In drei Tagen bin ich todt ... Wußt ' er das ? ... Wollt Ihr mir einen Gefallen thun ? Sprach der Pfarrer zu Ihnen ... Und Sie thaten ihn ? ... Finster zuckten seine Augen ... Er mußte wieder heftig husten ... Als sich die Brust beruhigt hatte und er wieder sprechen konnte , schickte er seinen Vicar hinaus ... Seinen Vicar ... Namens Langelütje - Langelütje ... Nun sah er sich um und sprach mit seiner heisern Stimme : Bruder Hubertus , ich habe von Euch manches Gute gehört ! Aber auch Euch ist ' s schlecht im Leben ergangen ! Auch Euch haben Liebe und Freundschaft betrogen ... Was ? Wen hat Liebe und Freundschaft betrogen ? Aber nicht alle sind so versöhnlich wie Ihr ! ... Wer sind die Andern ? ... Wen hat die Liebe betrogen ? ... Andere bleiben , was sie sind , andere treibt die Rache - Wen hat die Rache getrieben ? ... Bei diesem Worte erstickte des Pfarrers Stimme und der Husten begann so heftig , daß es wol eine Viertelstunde bedurfte , bis er sich erholt hatte ... Nun erhob er sich von seinem Lager und flüsterte mir zu : Da ! Wenn ich todt bin , Bruder , seht - da hab ' ich eine Schrift ... Bickert ' s furchtentstelltes Antlitz bekam einen Ausdruck schärferer Fassungskraft ... Doch Hubertus merkte nichts davon ... Nur sorgen mußt ' er , daß Löb nicht vor Ansammlung von Mittheilungsstoff für die Rumpelgasse sein Pferd aus dem Auge verlor ... Er fuhr fort : Wenn ich todt bin , sagte der Pfarrer , da hab ' ich eine Schrift ... Schwört mir zu Gott dem Allmächtigen , daß Ihr diese Schrift nie erbrechen wollt ! ... Seht , sie ist mit meinem Kirchensiegel gesiegelt ... Bickert fühlte handgreiflich in der Erinnerung dies Siegel des lateinischen Briefes ... Tragt diesen Brief , sowie ich begraben bin , hört Ihr , nicht gestorben , sondern erst , wie ich begraben bin , so , wie sich einem Pfarrer geziemt begraben , versteht Ihr , nach Witoborn - hört Ihr , zum Bischof ... Warum zum Bischof ? brach Seligmann erstaunend aus , denn er war auf Testamentsgedanken gekommen und deutete im Ton an , ob katholische Pfarrer ein Testament nicht einfach bei den Gerichten niederlegen dürften ... Zum Bischof ! bestätigte Hubertus . Es war dies damals der Bischof Konrad ... Ein Freund meines guten Guardians , des Provinzials Henricus ... Ein sanfter , milder Greis , der den Pfarrer Perl getauft hatte , ihn im Seminar zu Witoborn unterrichtete , zum Priester weihte ... Ein guter , hoch in die Jahre gekommener , vergeßlicher Mann ... Er steht immer noch lebendig vor mir - mit einer Nase ... so lang ... Hätten Sie die Nase gehabt und gemerkt , was in dem Briefe stand ! ... Das erfuhr ich nie ... Der Brief war an die Curie gerichtet und abzugeben an den Bischof ... Dem gab ich ihn ... Der Bischof erbrach , sah eine lange Zuschrift in Latein , legte sie zum spätern Lesen zurück und plauderte mit mir ... Nun - und das ist alles , was ich mit Leo Perl im Leben zu thun gehabt habe ... Mit einer nur scheinbaren Geringschätzung sagte Seligmann : Was kann er geschrieben haben ? ... Er wollte damit nur verschleiern , daß man ja hier eine außerordentlich wichtige Entdeckung anzunehmen hätte ... Hubertus zuckte die Achseln ... Warum war der Brief lateinisch ? ... Er hatte ohne Zweifel die Bestimmung , nach Rom geschickt zu werden ... Warum nach Rom ? ... Weil der Heilige Vater alle unsere Wünsche in dieser Sprache zu hören wünscht ... Warum schickte er seine Wünsche nicht selbst nach Rom ? ... Der Weg für einen Pfarrer geht nach Rom nur über seinen Bischof ... Wissen Sie was ? sagte Seligmann in immer mehr sich steigerndem Verlangen , hinter diesen letzten Willen seines leiblichen Vetters zu kommen ... Ich glaube , der Bischof hat den Brief gar nicht nach Rom geschickt ... Ich meine deshalb , weil er so vergeßlich war ... Nicht unmöglich ... Und wenn er ihn doch schickte , dann hat er vorher eine Abschrift genommen ... Was für Rom bestimmt ist , muß für Rom bestimmt bleiben ... Nein , ich sage , der Brief liegt noch drüben im witoborner Archiv und enthält die Anzeige , daß sein Vetter Löb Seligmann oder ein Kind von Henriette Lippschütz , Namens David Lippschütz , alle seine geheimen Ersparnisse erbt , die Bücher ausgenommen , die ein gewisses Fräulein Veilchen Igelsheimer kriegt , deren Liebe und Freundschaft ihn nicht betrogen haben , und