nicht belästigen , Reinhold . Komm ’ , mein Kind ! Wir wollen gehen . “ Almbach zuckte zusammen und trat einen Schritt zurück ; der Ton war ihm so neu , wie das ganze Wesen derjenigen , die er einst seine Gattin genannt . Hätte er nicht ihre Stimme erkannt , er würde jetzt mehr als je an eine Täuschung geglaubt haben . Der Kleine dagegen blickte bei dem Vorwurf verwundert auf . Er war dem fremden Herrn ja nicht einmal nahe gekommen und hatte ihn sicher nicht belästigt , aber er sah an der Blässe und Aufgeregtheit der Mutter , daß irgend etwas Ungewöhnliches vorging , und die großen blauen Augen des Kindes richteten sich trotzig , fast feindselig auf den Unbekannten , von dem es instinctmäßig errieth , daß er es sei , der die Mama so erschreckt habe . Ella hatte sich bereits wieder gefaßt . Sie wandte sich zum Gehen , den Arm noch immer fest um die Schulter ihres Knaben gelegt , aber Reinhold vertrat ihr jetzt heftig den Weg – sie mußte stehen bleiben . „ Wollen Sie die Güte haben , uns vorüber zu lassen ? “ sagte sie kalt und fremd . „ Ich bitte darum . “ „ Was soll das , Ella ? “ brach Reinhold jetzt in leidenschaftlicher Erregung aus . „ Du hast mich so gut erkannt , wie ich Dich . Wozu dieser Ton zwischen uns ? “ Sie sah ihn an ; in dem Blicke lag die ganze Antwort , eiskalte niederschmetternde Verachtung . Er hatte es freilich nie für möglich gehalten , daß Ella ’ s Augen so blicken konnten , aber er wandte sein Angesicht vor ihnen zu Boden . „ Wollen Sie die Güte haben , uns den Weg frei zu geben , Signor ? “ wiederholte sie in vollkommen reinem Italienisch , als nehme sie an , er habe die deutsche Anrede nicht verstanden . Es lag ein entschiedener Befehl in den Worten , und Reinhold – gehorchte . Ganz fassungslos wich er zur Seite und ließ sie vorüber . Er sah , wie sie mit dem Kinde die Stufen hinabstieg , wie dort unten ein Diener in fremder Livree , der gewartet zu haben schien , sich ihnen anschloß , und wie alle Drei durch die Gärten davon eilten ; er selbst aber stand noch immer oben auf der Terrasse und besann sich , ob er denn geträumt habe und das Ganze nur ein Gebilde seiner Phantasie sei . Das geräuschvolle Schließen der Thür , die in den Gemäldesaal führte , brachte ihn wieder zur Besinnung . Mit wenigen Schritten stand er dort , und die Thür ungestüm aufreißend , trat er in den Saal , wo der Verwalter von Mirando soeben beschäftigt war , die Vorhänge wieder niederzulassen , die er der besseren Beleuchtung wegen aufgezogen hatte . „ Wer war die Dame mit dem Kinde , die sich soeben hier auf der Terrasse befand ? “ Mit dieser hastigen Frage stürmte Reinhold auf den Mann ein , der sehr bestürzt schien , als er den Gast seines Herrn , den er noch in S. vermuthete , so plötzlich vor sich sah ; er zögerte in sichtlicher Verlegenheit mit der Antwort . „ Verzeihung , Signor – ich hatte keine Ahnung davon , daß Sie schon zurück seien , und da Eccellenza und der Signor Capitano erst gegen Abend erwartet werden , so hatte ich mir erlaubt – “ „ Wer war die Dame ? “ drängte Reinhold in fieberhafter Ungeduld , ohne auf die Entschuldigung zu achten . „ Woher kam sie ? Schnell ! Ich muß es wissen . “ „ Drüben aus der Villa Fiorina , “ sagte der Verwalter , halb verwundert , halb erschreckt über das Ungestüm des Fragenden . „ Die fremde Signora wünschte Mirando zu sehen und ließ durch ihren Diener anfragen . Eccellenza haben freilich befohlen , während ihres Hierseins keine Besucher einzulassen , aber es war ja heute Morgen Niemand von den Herrschaften anwesend , und da glaubte ich eine Ausnahme machen zu dürfen . “ Er hielt inne und setzte dann im Tone der Bitte hinzu : „ Es würde mir freilich große Ungelegenheiten bei Eccellenza bereiten , wenn Signor Rinaldo es ihm mittheilen wollten . “ „ Ich ? Nein , “ sagte Reinhold wie abwesend . „ Und wie nannte sich die Dame ? “ „ Erlau , wenn ich recht verstanden habe . “ „ Erlau – so ? “ Almbach fuhr mit der Hand über die Stirn . „ Es ist gut , Mariano ; ich danke Ihnen , “ sagte er und verließ den Saal . Der Tag war glühend heiß geworden , und auch der Abend brachte weder Kühle noch Erfrischung . Luft und Meer schienen von keinem Hauche bewegt , und die Sonne ging in heißen Dunstwolken nieder . Auch in der Villa Fiorina schien man von der Gluth zu leiden . Die Bewohner hielten sich vermuthlich drinnen in den kühleren Zimmern , denn die Jalousien waren während des ganzen Tages nicht geöffnet worden und die Glasthüren , welche nach der Terrasse führten , blieben geschlossen . Die deutsche Familie bewohnte das weitläufige Gebäude , das sie für sich allein in Anspruch genommen hatte , kaum zur Hälfte . Einige Zimmer rechts vom Gartensaale waren für den Consul eingerichtet worden ; die auf der andern Seite gelegenen bewohnte dessen Pflegetochter mit ihrem Kinde ; die Dienerschaft war in den hinteren Räumen untergebracht , und das Uebrige stand leer . Es war schon in vorgerückter Abendstunde , als Ella in den von einer Lampe erhellten Gartensaal trat . Der Consul hatte sich bereits zur Ruhe begeben , und die junge Frau kam von ihrem Knaben , den sie , nachdem er eingeschlummert war , der Obhut seiner Wärterin überließ . Vielleicht war es der matte Lampenschein , der ihr Antlitz auch jetzt noch so blaß erscheinen ließ ; seit dem heutigen Morgen war